Persönliche Slam-Nachlese

Geschrieben am 18 Januar 2007

Man darf einfach nicht mit dem Slam-Publikum rechnen und schon gar nicht mit der Wirkung der eigens vorgetragenen Texte: Mein Bericht über die erfolgreiche Entführung des Pop-Titans Dieter mit anschließendem Geschmacks-Exorzismus entpuppte sich vor der Menge als ein absoluter Stimmungs-Abwürger. Na gut, das mag auch daran gelegen haben, dass ich den Text bisher nur einmal laut vor S. vorgelesen hatte und ich reichlich Verleser fabrizierte.
Der erste, “auf die Fresse” (-Freise) zugeschnittene Beitrag meinerseits stellte sich sodann als Rohrkrepierer heraus. Micha-El meinte allerdings (nicht ganz zu Unrecht), dass die Welt nun nicht wirklich noch einen Text benötigt, der Dieter Bohlen parodiert. Stimmt, da geb’ ich ihm völlig Recht.
Aber mit der Ansicht, dass das Bielefelder Publikum einen solchen doch noch braucht, habe ich mich wohl grundlegend verschätzt. Oder gestern war mal wieder alles anders.
Mittlerweile beginne ich ernsthaft damit zu überlegen, ob dieses Slam-Ding wirklich die korrekten Vortragsumstände aufweist, wie ich sie gerne hätte und denke daran, ob ich ich nicht für die bisherigen Texte in ihrer Urform
(also nicht auf 8 Minuten gestutzt und für den Live-Vortrag zurechtgebastelt) eine andere Plattform suchen sollte.

Der gestrige Abend fiel allerdings doch nicht ganz aus der Reihe: Mischa Verollet machte wieder das Rennen, und zwar zu Recht und verdient…

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  1. Markus Freise Januar 18, 2007 11:32

    Um Deiner Selbstkritik Futter zu geben wiederhole ich hier gerne den wichtigsten Tipp den ich parat habe: Den Text lernen. Immer wieder lesen. Und zwar, bis man ihn nicht mehr hören kann. Sonst passiert’s wie Dir gestern, dass Du andere Worte liest als da stehen und das gesagte schnell doch noch gegen das geschriebene tauscht und damit stockst. Landläufig nennt man das wohl „Verleser“. Was mir gestern viel deutlicher auffiel war, dass der Text am Ende schlicht abriss und die letzten Zeilen bezüglich des Vortrags sich nicht steigerten und damit nicht als Pointe wahr genommen wurden, auf die ja so ein Slam-Text hinauslaufen sollte. (Lauter, schneller, druckvoller werdend meine ich). Ansonsten: Mach keinen Scheiß! Schön am Ball bleiben. Ich gebe hier gerne den Rat von Fabian weiter, den ich mir zur Zeit ständig anhören muss: Kürzer, kürzer, kürzer! Dann wirds auch was mit dem Slam. Nebenher andere Dinge, länger und persönlich wichtiger zu schreiben geht ja trotzdem.

  2. Rouven Januar 18, 2007 11:41

    Ich dachte, Du musst “arbeiten” ;-)

    Danke für die Hinweise und Tipps. Hätten wir uns gestern drüber unterhalten können, aber ich hatte zu dem Zeitpunkt einfach keinen Bock mehr…

  3. Mischa Januar 18, 2007 13:53

    Es ist einfach so: Was man nicht schafft, in einen Fünfminutentext zu packen, ist völlig unwichtig.

    Seit München schreibe ich jetzt nur noch für fünf Minuten, und es klappt :)

    Ein Plot ist völlig unwichtig, solange du eine gute Athmosphäre, nette Pointe oder packende Dialoge reinpackst…

    So meine fünf Cent…

    Aber mach dir nichts draus, denk an den “Rostpilz”: Bielefeld gewonnen, München gerockt und in Düsseldorf VÖLLIG abgesoffen. Und zwar richtig!

    Einfach weiterprobieren ;) Ansonsten schließe ich mich dem Freise an. Kürzen, kürzen, kürzen, und danach ÜBEN!!! Mit das Wichtigste!

    Und bleib dabei: Die wichtigste Voraussetzung hast du - tolle Ideen :)

    Aber wehe du fängst an Miniaturen zu schreiben ;)

  4. Rouven Januar 18, 2007 14:02

    Ja, dass ich da mit ungeübtem Text auf die Bühne ging, ist ein Anfängerfehler, der mir nicht passieren dürfte. Pech gehabt.
    Vielleicht sollte ich damit mal nach Düsseldorf, wie *g*?

    Danke für die “tollen Ideen”.
    Die habe ich tatsächlich. Davon bin ich sogar so überzeugt, dass ich das selbst von mir behaupte…
    Phantasie darf auf die Bühne. Reales Leben oder Miniaturen dürfen gerne im Tagebuch landen. Oder im Blog.

  5. Markus Freise Januar 18, 2007 14:07

    Okay, du Student: Dann erkläre Mischa und mir endlich mal was eine „Miniatur“ ist! … Keine Ahnung. Auf jeden Fall unser Wort der Woche!

  6. Rouven Januar 18, 2007 14:17

    Das ist völlig latte, was Du Miniatur nennst, solange es ‘ne verkürzte oder kleinere Form von irgendwas ist. Eine großartige Tradition hat der Begriff in der Literatur nämlich nicht. Genausowenig wie ‘ne Definition.

    Daher eignet es sich auch ganz hervorragend für das Wort der Woche.

  7. Lars Januar 18, 2007 19:30

    Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, von nun an nur noch Miniaturen zu schreiben, was auch immer das ist… ;-)

    Was mir an Deinem Vortrag nicht so gut gefiel, war die imitierte Stimme Deines Kumpels, die mir irgendwie zu gewollt “debil” rüberkam. Weiß auch nicht, aber das lenkte mich von der eigentlichen Geschichte immer wieder ab.

    Ach, und einige Leute (ich auch) zogen schmerzverzerrt das Gesicht zusammen, als Du “er leidete” vorgelesen hast. ;-)

    Ansonsten: Pfeif drauf, man hat auch mal ‘nen schlechten Tag. Den Text mit dem Sachbearbeiter vom Arbeitsamt habe ich jedenfalls noch in guter und angenehmer Erinnerung.

    Übrigens: Ich sehe gerade, daß da unten bei den Kommentaroptionen “Remember me” mit “Erinnere mich” übersetzt wurde. Das geht ja mal gar nicht.

  8. Rouven Januar 18, 2007 19:47

    “Er leidete”. Peinlich…

  9. Mischa Januar 18, 2007 22:28

    Was studierst du noch mal genau?

  10. Der G. Januar 18, 2007 22:40

    Ich glaube einfach, Dieter Bohlen ist schlicht als Thema durch.

    Und Lars hat recht: Der Arbeitsamtssachbearbeitertext war Spitzenklasse!

  11. Mischa Januar 19, 2007 7:08

    Aber ich bin viel Slayer :)

  12. Rouven Januar 22, 2007 10:10

    Dafür gibt’s dann nächstes Mal wieder ein Thema, dass kaum Aufmerksamkeit in den Medien findet.

    Mir fiel auch noch ein, ich bin ja speziell Linguist, insofern könnte ich mich noch in punkto schwacher Flektierung von “leiden” noch mit guten Argumenten herausreden… Die Unterscheidung zwischen “gutem” und “schlechtem Deutsch” gehörte dort verboten.


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