Gesichtskater

Geschrieben am 20 Januar 2007

Es gibt so ein paar selbstverschuldete Eingriffe am menschlichen Körper, die sind im Nachhinein in der Lage, seine Leistung den ganzen Tag über zu beeinträchtigen. Mit „selbstverschuldet“ möchte ich gleich die Ansteckungskrankheiten ausschließen, oftmals hat man schließlich auf eine Tröpfcheninfektion von außerhalb keinerlei Einfluss. Ich weiß zwar, dass einige Subjekte in der Botanik existieren, die es darauf anlegen, aber deren Vorkommen dürfte eher die Seltenheit sein.
Oft geschieht es aber, dass man Hand an sich selbst legt, und dieses schnell wieder bereut.

Wenn man feiern geht und dabei große Mengen Alkohol zu sich nimmt, bereut man dieses meist am nächsten Tag, nimmt aber während des zu feiernden Ereignisses die Folgen immer wieder trotz besseren Wissens in Kauf. Und leidet daraufhin fürchterliche Qualen.
Ähnlich verhält es sich bei Aktionen, die die äußere Erscheinung betreffen. “Wer schön sein will, muss leiden” heißt es nicht umsonst, und das beginnt schon bei ganz kleinen Dingen, nicht erst bei Tattoos und Piercings. Nein, bereits die tägliche Rasur kann einen den ganzen Tag lang plagen.
Mann von Welt rasiert sich nass und ein akribisches Vorgehen bei der Haarentfernung hat oftmals ein glühendes Inferno zur Folge. Ein Ramstein im Gesicht mit unzähligen mikroskopischen Opfern, verursacht durch einen Zusammenprall mit Mach 3.
Die Damen der Schöpfung könnten natürlich miteinstimmen, aber rund um das Kinn und entlang des Halses den ganzen Tag lang ein Brennen zu verspüren, das kommt einer Gesichtsmigräne gleich, die nicht förderlich für die Konzentration stimmt. Wehe, man wagt es, am Schreibtisch sitzend, besagte Partie in der Hand abzustützen.

Doch man tut es schließlich immer wieder. Nicht nur für sich selbst, das Schönheitsideal glatter Mann wird von vielen Seiten gefordert.
«Wenn Sie sich waschen und rasieren, finden Sie auch einen Job.» sagte SPD-Parteichef und Vollbartträger Kurt Beck (Foto: dpa) unlängst einem Langzeitarbeitslosen gegenüber (”Heftige Kritik von Grünen und Linkspartei [...]“) und die Freundin mokiert sich jedes Mal erneut, wenn du wieder mal so kratzt. Man wird förmlich zur täglichen Rasur gezwungen und wir hobeln an uns weiter herum, bis zur homersimpsonesken Blaurasiertheit.

Apropos Homer Simpson: Es gibt eine Folge der Serie, in der Homer auf einer Müllkippe defiliert. Im Hintergrund sind Flächen für ausrangierte Filmspeicherformate zu erkennen. Dort gibt es eine Schutthalde für Video-Betamax, eine für VHS, auf der letzten, noch freien, prangert ein Schild: “Reserved for DVD’s”.
Ähnlichen Marktgesetzen ist auch der rasierende Mensch unterlegen. Wer wie ich einen Gillette Sensor Excel benutzt, muss inzwischen weitere Strecken laufen, um die dazugehörigen Klingen (5 Stück für mindestens 7,99 Euro) zu erwerben. Ich fürchte, bald sind diese völlig aus den Angeboten verschwunden und ich werde mir wohl oder übel eines der Folgeprodukte zulegen müssen. Vielleicht diesen einen Nassrasierer da, den batteriebetriebenen. Wozu auch immer.

Lasst uns einen Verein gründen, der die Rechte der Rasurbrandopfer verbessern wird. Zur Durchsetzung einer Rasurbrandschutzverordnung bzw. -versicherung. Wer macht mit?

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