Pans Labyrinth
Geschrieben am 25 Februar 2007

Mexiko und Spanien drängen nun auch nach Hollywood und das, was dabei herausgekommen ist, ist “Pans Labyrinth“. Begeistert schreiben die Kritiker zur Zeit über Guillermo del Toros neuen Film und für sogar sechs Oscars ist er nominiert. Nun ich teile diese Meinungen nicht, aber das muss ich ja auch nicht.
“Alice” bzw. “Amélie im Wunderland” trifft auf einen historisch angehauchten Splattermovie, so könnte man es grob umreißen, was den Kinogänger dort erwartet. Die kleine, märchenversessene Ofélia mit ihren großen, dunklen Kulleraugen (”Süüü߸” tönte es nebenan von den Sitzen) flüchtet vor ihrem Stiefvater, dem unglaublich brutal dargestellten Franco-Hauptmann, in eine Welt mit Feen und Faunen. Der Naturgott Pan verspricht ihr, nach erfolgreicher Ablegung dreier Prüfungen zurück in ihre wahre Existenz als Prinzessin an der Seite ihres richtigen Vaters, eines parallelweltlichen Königs, gelangen zu können.
Diese nimmt sie auch nach zahlreichen Gewaltepisoden ihres Vaters, in denen er sich gegenüber den Rebellen auslässt (die Kamera blendet hier selten etwas aus), wahr und muten an, als seien sie einem Computerspiel entnommen: Gegenstände sammeln, um mit ihnen (z.B. Schlüsseln) weiterzugelangen.
Das Ganze ist weder Fisch noch Fleisch: Der Film ist ganz und gar nicht für Kinder geeignet, da bei vielen Gewalttätigkeiten des Hauptmanns genau hingesehen wir. So erzeugten bereits zu Beginn die Bilder vom Zertrümmern einer Flasche auf dem Gesicht eines unschuldigen Bauern quer durch die Sitzreihen den Effekt, sich die Hand vor die Augen zu halten. Und diese Szene sollte nicht die letzte in der Art gewesen sein.
Auf der anderen Seite gestalten sich die märchenhaften Sequenzen - wenn auch quantitativ unterlegenen - für den erwachsenen Betrachter eher unspektakulär, da hier wieder einmal, wie so unsägliche Male zuvor, mit der dem Kind nachgesagten verspielten Naivität gearbeitet wird. Wer so etwas für unbesorgt hält, soll sich mal die knallharten Kämpfe auf dem Spielplatz genauer ansehen.
Eine dieser Szenen ist allerdings eindrucksvoll: Diejenige, in der Ofélia sich in dem Raum mit dem Festmahl aufhält. Insbesondere der wieder zum Leben erweckte Kinderfresser ziemt eine interessante Mischung aus Goyas Kronos und Giger-Figuren zu sein. Schaurig.
Das andauernde Hin- und herswitchen zwischen diesen beiden Handlungssträngen und Stimmungen ist viel zu überzogen, als dass man den Film ernst nehmen könnte. Viele tun das, ich nicht. Nun könnte man an ihn unter dem Aspekt des selbstreflexiven Kunstwerks herangehen, der Produktion von Kunst unter erschwerten, politischen Bedingungen. Oder meinetwegen Eskapismus, wie es andere Kritiken tun. Dafür steht die platte Story aber viel zu sehr im Vordergrund.
Meinetwegen ein Oscar für zwei, drei gute Special Effects. Oder Kostüme (allerdings ist er dafür nicht nominiert). Aber bitte nicht mehr.

