Heute wollen wir mal etwas Chinesisches essen. Madame hat vermutlich deshalb Appetit darauf bekommen, weil asiatische Küche meistens als besonders nahrhaft bzw. vegetarisch bzw. vitaminreich assoziiert wird. Dem muss aber gar nicht so sein.
Woher der Gedanke, darin komme besonders häufig pflanzliches vor, nun genau stammt, kann ich mir auch nicht erklären. Lediglich mutmaßen lässt sich darüber. Wahrscheinlich, weil man dort stets soviel Tee trinke, müssten sie ebenfalls bei ihrer festen Nahrung bewusster vorgehen. Dass aber in fernöstlichen Gefilden mit anderen Dingen, z.B. Sake, genauso gepichelt wird wie hierzulande, fällt dabei oftmals unter den Tisch.
Eine andere, mögliche Erklärung für diese Einstellung gegenüber der Asiatenkost habe ich mir für uns medienverwöhnte Menschen wie immer absolut schlüssig zurechtgelegt:
In sämtlichen zeitgenössischen Vorabendserien und auch vielen Filmen - vornehmlich amerikanischer Herkunft - kommen Leute, die trendige Berufe haben wie z.B. Pathologen, Anwälte usw, spätabends und gestresst nachhause. Bevor sie soweit sind, ihre Aktentasche abzulegen, gehen sie zum Kühlschrank und öffen diesen. Kurioserweise scheint in dieser Welt ein chinesischer Fast-Food-Bringdienst zu existieren, der über den Wohnungsschlüssel verfügt und ihnen immer bereits angebrochene Pappschachteln mit Essen dort hineinstellt.
Diesen rechteckigen Pappschachteln ist es natürlich unmöglich, fettiges Essen auf Dauer zu halten. Wie unschön sähe das auch aus, wenn der Wohnungsinhaber zuerst einmal seinen Kühlschrank sauber machen müsste, weil das Behältnis durch völlige Aufweichung alles durch die Rippen, unten auf die Milchglasscheiben hätte fließen lassen? Nein, so kann er sich die Schachtel sofort schnappen, damit auf das Sofa setzen und gesunde Sprösschen knabbern, während im TV über genau den Mord berichtet wird, den er gerade untersucht.
Seht Ihr? Auf diese Weise kann sich so etwas in’s Bewusstsein setzen…
Für alle, die’s interessiert: Sieht so aus, als wenn morgen Abend mal wieder die Totenkopf-Party stattfindet. Die, die jedes Mal woanders ist.
Also wie gehabt in der August-Bebel-Straße.
Da kann man sich noch und nöcher anstrengen, darauf achten, dass nirgendwo Licht brennt, wenn’s nicht nötig ist oder einen neuen Kühlschrank besorgen, und was ist?
Die Stadtwerke wollen trotzdem ‘ne Stromnachzahlung!
Die ist dieses Jahr zwar ziemlich gering, aber trotzdem: Ich dachte, ich hätte letztes Jahr etwas bewusster Energie verschwendet.
…da wird heute Abend aber wieder beraten und gefachsimpelt werden.
Mal sehen, was wir dieses Mal so Chices bechicen.
Heute: “konvenieren”
Brockhaus-Lemma:
kon|ve|nie|ren [V.3, hat konveniert; veraltet] I [o. Obj.] sich schicken, passen, so sein, wie es sich gehört II [mit Dat.] jmdm. k. jmdm. bequem sein, zusagen, jmdn. zufrieden stellen [<lat. convenire ”zusammenpassen, geeignet sein“, <con… (für cum) ”zusammen“ und venire ”kommen“]
Anwendungsbeispiele:
- “Gebraten konvenieren mir eher Nieren.”
oder auch
- “Die Perle da drüben konveniert mir.”
Gelegentlich kommt mir zu Ohren, ich würde arrogant wirken. So etwas schmerzt natürlich, schön ist das nicht. Wer möchte schon gerne als ein von sich selbst überzeugter Schnösel gelten, der die Meinungen anderer Leute missachtet? So übersetze ich zumindest Arroganz ganz frei für mich, ohne in den Duden geschaut zu haben. Zur Sicherheit werde ich aber einmal in mein Latein-Wörterbuch gucken und, aha, dort steht erläutert: „Anmaßung, Hochmut, Dünkel“. Die amtlich-etymologische Übersetzung stimmt ebenfalls mit meinem Verständnis dafür überein.
Nichtsdestrotrotz halte ich mich nunmal für keinen derjenigen Zeitgenossen, die neuerdings traditionell negative Charaktereigenschaften für „cool“ und daher etwas nachahmens- und erstrebenswertes erachten. Anmaßend und überheblich zu sein, das scheint inzwischen zum Status Symbol zu gedeihen, und kleine Pimpf de la Pimpfs haben Menschen zum Idol, die man am Liebsten gleich aus der Mattscheibe herauszerren und vermöbeln würde.
Zum Beispiel Paris Hilton. Die guckt auch immer so - außer an ihrer eigenen Person – gänzlich uninteressiert in die Gegend.
„Sag mal, wie kommt denn das?“ fragte ich die Liebste, wollte ich doch dringend ausschließen, wie Paris Hilton auszusehen. Doch auch sie bestätigte mir, dass sie, bevor sie mich direkt kannte, aus der Ferne ebenfalls diesen Eindruck von mir hegte.
„Na, wenn du irgendwas gefragt wirst, sieht’s manchmal so aus, als wärst du von der Frage genervt. Du guckst dann immer so zur Seite, gehst nicht näher auf die Frage ein und bist bald auch weg.“
Da ist etwas dran. Das kommt durchaus vor, dass mich Leute irgendetwas fragen oder um meine Meinung bitten, ich daraufhin aber nicht näher eingehe. In diese vermeintliche Unaufmerksamkeit spielt aber weniger Arroganz mit hinein als vielmehr eine Schutzreaktion infolge von Unsicherheit. Ich kann mir nicht erklären, weshalb, aber ich werde gelegentlich viele, unsagbar viele Dinge gefragt.
Da war zum Beispiel der Zausel-Twen, der mich auf offener Straße für die Aktion „Atomkraft? Nein Danke!“ gewinnen wollte. Ich hielt mich bedeckt und wurde vorsichtig. Nach reiflichem Überlegen hätte ich etwas sagen können, aber inzwischen war es dunkel geworden und der Zausel-Twen längst wieder verschwunden.
Hätte ich ihm sagen sollen, dass ich gegen Atomkraft grundsätzlich nichts einzuwenden habe, gegen Energiegewinnung aus Kernspaltung aber eine ganze Menge? Das hätte er höchstwahrscheinlich nicht eingesehen und ich hätte dagestanden in meiner Erklärungsnot, dass „Atomkraft“ nunmal die Kernfusion nicht ausschließe, und auch wenn sie utopisch sei und ihre technische Durchführbarkeit in weiter, zeitlicher Entfernung. Der Zausel-Twen hätte mich bestimmt trotzdem als Reaktionär beschimpft, obwohl er vielleicht genauso gerne wie ich Energie aus nur einem Kraftwerk für die ganze Menschheit genösse, ohne atomaren Abfall und unabhängig von de Launen des großen gelben Dings da oben am Himmel.
Das Problem liegt nunmal in der Definition verborgen. Hätte er gesagt „Kernspaltung? Nein, Danke!“, hätte ich alles unterschrieben. Aber jemandem, der seine gesamte Freizeit damit verbringt, eventuelle Bahnrouten zu berechnen und sich dann vor rollende Container zu werfen, wird das nicht weiter kratzen.
Darüber kann man schonmal nachgrübeln, bis die Sonne sinkt.
Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff „Reaktionär“: Wenn man der Bezeichnung Reaktionen zugrunde legt, wäre der Zausel-Twen wesentlich geeigneter dafür als ich, stand ich doch dort bis in die Nacht hinein und dachte darüber nach. Aber als „Aktionär“ würde ich mich im Gegenzug auch nur zu ungerne betiteln. Ich glaube kaum, dass man als wesentliches Merkmal eines Aktieninhabers eine körperliche oder geistige Regheit unterstellen kann, schließlich haben die kapitalsten unter ihnen kapitale Makler unter Vetrag.
Hach, es ist schon alles schwer. So stand ich wie Paris Hilton in der Fußgängerzone und war doch nur untätig wie ein reaktionärer Aktionär. Völlig überfordert und unnütz wie eine arrogante Diva. Und wenn ich im Laufe der Zeit nicht zerzauselt bin, dann stehe ich da noch heute…
Einen Film mit Elizabeth Taylor und Richard Burton sehen? Himmel, bitte nicht, denkt sich der in der Mitte der 1970er Jahre geborene Mensch, der lediglich miefige Fotos aus dem Sandalenfilm “Cleopatra” kennt und merkwürdige Auftritte der alternden Diva in der Öffentlichkeit, ihr gegenüber sogar eine gewisse Antipathie verspürt, seit sie eine Freundschaft zum viel jüngeren Verehrer Michael Jackson pflegt(e).
Aber dann guckt man “Wer hat Angst vor Virginia Woolfe?”, die Verfilmung eines Theaterstücks von Edward Albee, und denkt nur noch “Juchhei, genau DAS hat mir gefehlt!” 1966 wurde dieses meisterhafte Streifchen bereits gedreht und gezeigt, fünf Oscars hat es zu Recht kassiert.
Die jahrzehntelangen Ehepartner Martha und George zoffen sich. Und zwar nicht zu knapp. Reichlich angeschickert kehren sie spätnachts von einer Party nachhause, wo Martha ihrem Ehemann eröffnet, noch ein anderes Pärchen für sofort eingeladen zu haben. George erahnt das Schlimmste, und es kommt auch dick.
Wenn die Kritik am jahrelangen Partner abprallt und man ihn nicht formen kann, wie man will, dann ist mit Sicherheit das Widerwärtigste, was man tun kann, ihn vor anderen Personen öffentlich zu beschimpfen, bekritteln, zu demütigen. Und das wird hier ausgelebt, bis sich die Balken biegen und die Fetzen fliegen, alles unter dem Einfluss eines immensen Alkoholgenusses.
Das geladene Pärchen zeigt sich zunächst zutiefst angewidert vom Gebaren der Beiden, aber im Laufe der Nacht stellt sich heraus, dass auch bei ihnen einige Geheimnisse unter der ach so perfekten Oberfläche verborgen liegen.
Der Film kommt mit nur vier Darstellern vollkommen aus und es ist eine Freude, Taylor als Inbegriff der Furie und Burton als Sarkasten par excellence zuzusehen. Insbesondere letzterer hatte es mir mit seinem gelegentlich irre wirkenden Blick angetan, versprühte er im nächsten Moment doch meist ungeahnten Witz. Herrlich, herrlich.
Sofort stellt sich bei allen Zuschauern die Frage ein, weshalb diese beiden überhaupt so lange Zeit miteinander verbringen konnten, ohne sich zerfleischt zu haben. Doch darüber wird man dann noch aufgeklärt.
Links:
- IMDb
So, der Shutdown Day ist vorbei. Mich hat’s aber dann doch ein wenig in den Fingern gekribbelt, als ich heute in der NW (die ich zufällig mal gekauft hatte) folgendes entdeckte:

So. Morgen, am Sonntag, ist Shutdown Day.
Wenn alle anderen nichts machen, mach’ ich auch nichts.
Herrlich, herrlich. Das könnte was ganz großes werden.
Ich bin gespannt. Aber pssst, hihi.


