Hans Mainert
Geschrieben am 21 März 2007
„Wer ist das? Der Mann, der dort vorn so schnell geht?“
„Keine Ahnung, aber sieht aus, als wenn er Bier erspäht.
Da, siehst du? Er steuert direkt dorthin…“
„Der Ärmste. Und als hätt er nix andres im Sinn!“
——
Boah, grad noch geschafft, hab ich ein Schwein,
in den Aldi lassen sie doch noch Leute hinein.
Drin bin ich im Paradies der Leistungsempfänger
und Milsani-Saucenveredlungs-Anhänger.
Ich schnapp mir nen Sixpack und laufe gehetzt
um die Kühltruhenecke und merke entsetzt:
Bis hier hinten steht sie bereits, die Schlange,
darauf öffne ich mir erstmal ne Plastikkanne.
Aerodynamisch geformt sind die Fläschchen,
startklar gucken sie nun aus all meinen Täschchen.
Bereit, mir ihren Treibstoff einzuflößen
Die Schlange bewegt sich unterdessen in Stößen.
Und schon meutert die Python, will eine weitere Kasse,
doch die Kassiererin vorne überfordert die Masse
damit, dass der Kollege woanders rumdüse,
sortiert kriechend frisches von verfaultem Gemüse
Darauf rutscht ein Typ aus mit nem Medion-PC,
der entgleitet ihm und fliegt im Bogen! Oh Weh!
und geht mir dabei haarscharf am Arsch vorbei,
landet in der Truhe und quetscht Torten zu Brei.
Mit einer Schwalbe flog ich über’n Tauwassersee,
der sich davor vermischte mit Schlagsahnenschnee
ich rollte mich ab, stand wieder auf, war wohl gerettet,
die andern Kunden schienen vom Schock schier geplättet.
Hin und her schwanken wir weiter, kommen kaum voran,
hier und da greift ne Hand seitwärts, wo sie dann
beginnt, Erdnussdosen brutal aufzureißen.
Bei der Wartezeit braucht man doch auch was zu beißen.
So langsam wirkt nämlich das dritte Maternus.
Und als allererstes heut ess ich ne Erdnuss!
Wir bewegen uns bald an des Wahnsinns Rand,
Zehn Meter sind’s noch bis zum Warenband.
Schön auch zu sehen, wie sie von mir weichen,
weil ihnen meine Dünste in die Nasen schleichen,
doch Reinlichkeit ist mir heute egal,
denn die Hygieneartikel stehn im andern Regal.
Am Ende, ich sehe das Warenband schon,
nervt mich noch die vor mir stehende Person,
mit ihren zwei vollen Einkaufswagen
benötigt Äonen, alles aufs Band zu tragen.
Gleich dreh ich durch. Kann die Alte nicht schneller?
Vom Langsamer-Werden wird der Tag auch nicht heller.
Doch kurz vor dem Schluss wird es ruhig um die Masse:
Noch sind es fünf Meter bis zur rettenden Kasse.
Ich schwächel, versuch, mich an ein Regal zu retten.
Ach, was fürn Glück: Hier stehn ja die Vitamintabletten!
Schnapp mir so’n Döschen, ob’s hilft, mal gucken.
Und beginn’s mit Maternus hinunterzuschlucken.
Doch davon wird mir schwindlig, ich verliere den Halt,
falle zu Boden, mir wird schlagartig kalt.
Ein Typ aus der Schlange beugt sich zu mir herab
Doch er sieht, dass nichts hilft und zieht wieder ab.
Wer wünscht sich das, als Single, einsam und ohne Erben,
kurz vor Ladenschluss im Aldi zu sterben?
Ein letzter Eindruck noch von der Neonlichtsonne,
dann spür ich schon den Duft der Filial-Biotonne.
Der kurzen Hektik im Zuge der Biernot,
verdanke ich nun diesen total doofen Tod.
Mit dem Beginn der Starre, der Leichengicht,
wünsch ich, dass der Filialleiter am Grabe spricht:
„Hans Mainert, so hieß er, das Häuflein Asche
den Perso fand ich nämlich in seiner Tasche.
Landauf und –ab erzählt man sich,
wie sein Funke auf dem Aldi-Fußboden verblich.
Hielte er nicht auf Maternus so große Stücke,
dann läg er jetzt friedlich unter seiner Brücke.
Doch tapfer war er, das muss man schon sagen,
konnte immerhin ein Sixpack bis vorne hin tragen.
Bis zu der einen von unser’n zwei Kassen,
dann haben ihn wohl die Vitamine verlassen.
Was musste er auch auch vor unser’n Füßen verrecken?
Immerhin kann ich mir jetzt sein Pfandgeld einstecken.“


Sarah und ich waren uns einig. Einer deiner Besten bisher! Bis heute abend, mein Lieber!
den kenn ich doch! der is doch uralt. ist da nicht vielleicht sogar der ein oder andere reim von mir?
ach, es kennt ja doch keiner john maynard…