Wer hat Angst vor Virginia Woolfe?
Geschrieben am 26 März 2007
Einen Film mit Elizabeth Taylor und Richard Burton sehen? Himmel, bitte nicht, denkt sich der in der Mitte der 1970er Jahre geborene Mensch, der lediglich miefige Fotos aus dem Sandalenfilm “Cleopatra” kennt und merkwürdige Auftritte der alternden Diva in der Öffentlichkeit, ihr gegenüber sogar eine gewisse Antipathie verspürt, seit sie eine Freundschaft zum viel jüngeren Verehrer Michael Jackson pflegt(e).
Aber dann guckt man “Wer hat Angst vor Virginia Woolfe?”, die Verfilmung eines Theaterstücks von Edward Albee, und denkt nur noch “Juchhei, genau DAS hat mir gefehlt!” 1966 wurde dieses meisterhafte Streifchen bereits gedreht und gezeigt, fünf Oscars hat es zu Recht kassiert.
Die jahrzehntelangen Ehepartner Martha und George zoffen sich. Und zwar nicht zu knapp. Reichlich angeschickert kehren sie spätnachts von einer Party nachhause, wo Martha ihrem Ehemann eröffnet, noch ein anderes Pärchen für sofort eingeladen zu haben. George erahnt das Schlimmste, und es kommt auch dick.
Wenn die Kritik am jahrelangen Partner abprallt und man ihn nicht formen kann, wie man will, dann ist mit Sicherheit das Widerwärtigste, was man tun kann, ihn vor anderen Personen öffentlich zu beschimpfen, bekritteln, zu demütigen. Und das wird hier ausgelebt, bis sich die Balken biegen und die Fetzen fliegen, alles unter dem Einfluss eines immensen Alkoholgenusses.
Das geladene Pärchen zeigt sich zunächst zutiefst angewidert vom Gebaren der Beiden, aber im Laufe der Nacht stellt sich heraus, dass auch bei ihnen einige Geheimnisse unter der ach so perfekten Oberfläche verborgen liegen.
Der Film kommt mit nur vier Darstellern vollkommen aus und es ist eine Freude, Taylor als Inbegriff der Furie und Burton als Sarkasten par excellence zuzusehen. Insbesondere letzterer hatte es mir mit seinem gelegentlich irre wirkenden Blick angetan, versprühte er im nächsten Moment doch meist ungeahnten Witz. Herrlich, herrlich.
Sofort stellt sich bei allen Zuschauern die Frage ein, weshalb diese beiden überhaupt so lange Zeit miteinander verbringen konnten, ohne sich zerfleischt zu haben. Doch darüber wird man dann noch aufgeklärt.
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