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L’Atalante

“Wenn man den Kopf unter Wasser hält und dabei die Augen öffnet, dann kann man den Geliebten sehen.” (Dita Parlo als Juliette, frei übersetzt)

Es gibt noch wahre Schätzchen zu hören, lesen und zu sehen, selbst, wenn sie bereits so lange Zeit seit ihrer Entstehung hinter sich haben. Jean Vigos “L’Atalante” von 1934 gehört unter den Filmen ab sofort für mich dazu. Die Geschichte ist sehr einfach und schnell erzählt:

Juliette heiratet Jean, den Steuermann des Flusstankerschiffs “Atalante”, auch, um so dem Dorfleben zu entkommen. An Bord sorgt sie für einige Neuerungen, was dem alten Seemann Père Jules nicht recht gefallen mag. In Paris angelegt, sorgt er durch seine Abwesenheit dafür, dass Jean mit seiner Frau das Schiff nicht unbeaufsichtigt verlassen kann, obwohl Juliette sich nach der großen Stadt lange gesehnt hatte. Im nächsten Hafen, Colbier, kommt es zum Streit zwischen Jean und einem Straßenhändler, der um die Frau buhlt. Juliette verlässt das Schiff, und Jean lässt gekränkt ablegen, gerät im Weiteren beinahe an den Wahnsinn. Der schrullige Père Jules verspricht, Juliette zu suchen und zurückzubringen, was ihm tatsächlich auch gelingt.

Allemal erwähnenswerter als diese Handlung ist die Bildsprache Vigos, und ich beginne nach dem Sehen des Films zu begreifen, was mit “poetischer Realismus” gemeint ist. Manche Szenen besitzen eine ungewohnte Langsamkeit, z.B. diejenige, in der Juliette nachts im Brautkleid über das dunkle, fahrende Schiff spaziert. Der Fokus ist auf die Braut gerichtet, die Kamera bewegt sich nicht. Zwei Bewegungen sind auszumachen, das fahrende Schiff und die – in entgegengesetzter Richtung – gehende Braut. Es wirkt, als würde sie still stehen, könnte man nicht an ihren Beinen erkennen, dass sie läuft.

Derlei Spiele mit den Bewegungsabläufen sind über den gesamten Film verteilt. Fantastisch ist ebenfalls der Tauchgang von Jean aufgenommen. Unter Wasser meint er, die Silhouette seiner Frau ausmachen zu können, während er dort wild herumschwimmt und Luftbläschen von sich lässt. In schwarzweiß ist diese Szene ziemlich beeindruckend und jetzt weiß ich immerhin, das der Levi’s Werbespot mit dem Smoke City-Song “Underwater Love” eine Reminiszenz an diesen Film darstellt.

29 Jahre alt war der Regisseur erst, als er diesen Film drehte. Erstaunlich. Und tragisch, dass er die Premiere nicht mehr erleben durfte.

Viele Informationen und Bilder aus dem Film liefert diese Seite hier:

http://www.filmzentrale.com/rezis/atalantemp.pdf

Der Film ist anscheinend auch nicht einfach zu bekommen, lediglich als UK-Import:
L’Atalante [UK IMPORT]

2 Kommentare

  1. Brohm schrieb:

    Ich habs leider nicht geschafft, gestern abend. aber nächste woche werde ich wohl wieder da sein. vielleicht schaff ich sogar beide filme. habt ihr denn schon das herz aus glas geguckt?

    Dienstag, 1. Mai 2007 um 22:27 | Permalink
  2. Rouven schrieb:

    “Herz aus Glas” liegt hier seit einer Woche herum, aber wir schaffen es noch, wir schaffen es noch. Vielleicht heute Abend.

    Dann mal bis spätestens nächste Woche.

    Mittwoch, 2. Mai 2007 um 8:16 | Permalink

2 Trackbacks/Pingbacks

  1. Underwater Love by Malka | killefit.net on Freitag, 8. August 2008 um 7:30

    […] schönen Frau: Von Hamlets Ophelia über mehrere Stationen hin zur Juliette aus Vigos “L’Atalante“, von Smoke City’s Musikvideo “Underwater Love” bis hin […]

  2. Wayne Levin unter Wasser | killefit.net on Donnerstag, 12. Februar 2009 um 16:01

    […] entschied, erzeugen die Bilder einen ungewöhnlich ruhigen, nicht aufdringlichen “L’Atalante/Underwater Love”-Effekt (so nenne ich das jetzt […]

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