Ein zu Recht unbeachtetes Jahrzehnt
Geschrieben am 25 August 2007
Dann wieder diese Diskussion: Die Gesprächspartnerin fühlt sich mehr den 80ern verbunden wg. der schön düsteren Musik und den schön düsteren Endzeitgedanken, die damals herrschten. Biographisch näher hatte ich dieses Jahrzehnt allerdings viel bewusster erlebt (wenn auch noch sehr jung) und mir fallen beim Zurückdenken als Erstes graue Farben, Helmut Kohls graue Anzüge und dessen fürchterliche Brillengläser ein. Dazu agressivere Demonstrationen als heute, Angst vor dem Nuklearkrieg und der Arbeitslosigkeit.
Angst vor der unbezahlten Untätigkeit gibt’s zwar auch aktuell, dennoch besitze ich das subjektive Empfinden, als wäre dieses mittlerweile latent stets vorhanden und fände nicht länger derart starke Ausdrucksweisen wie seinerzeit. Als hätte man sich heute damit abgefunden. Als würde man ein Leben ohne Arbeit inzwischen etwas leichtfertiger nehmen, besitzt man doch im Gegensatz zu Ally McBeal und Co. “ein Mehr an Lebensqualität”.
Bei weiteren nostalgischen Gedanken kamen wir darauf, was denn nun eigentlich zwischendurch gewesen sein könnte, in den 90ern, diesem Jahrzehnt, das uns letztendlich sozialisiert haben müsste. Uns, die wir am Rande der Masse in kritischen Minderheiten standen, während wir uns ansehen mussten, was mit den anderen passierte. Konnte man die 90er auf einen Punkt bringen? Auf ein Lebensgefühl fernab unseres Grunge? Die plötzliche Freude darüber, dass man sich in einer - scheinbar - wohlbehüteten Gesellschaft nur um Farben und sinnlose Klänge zu kümmern brauchte? Als gäbe es (einer langweiligen Party-Metapher widersprechend) immerfort ein neues Morgen?
Man konnte.
Dieser Punkt lautete nämlich: MC Hammer auf MTV!!!

