Tatwort Münster

Geschrieben am 11 September 2007

Schade, ich konnte beim gestrigen Slam in Münster nicht vortragen: Es hatten zwar bereits angemeldete Leute ihre Teilnahme abgesagt, aber die Warteschlange war einfach viel zu lang, als dass ich hätte aufrücken können. Das hat man von seiner Spontaneität.

Im Publikum im Cuba Nova sitzen offenbar auch einige Angereiste aus Bielefeld, soweit trügt mich mein Personengedächtnis wohl nicht, und es ist immer etwas sonderbar, wenn von einem evtl. erwartet wird, gleich auch noch auf der Bühne zu stehen. Ging aber nicht, es hat gekribbelt und gejuckt wie Satans Barbecue unter der Haut: Ich durfte trotzdem nicht.
Immerhin konnte ich mir den Abend ganz gut vertreiben. Der Münsteraner Slam scheint mir auf die Texte bezogen qualitativ um einiges heterogener zu sein als der Bielefelder, hier geht es nicht ausschließlich um monomythische Alltagskämpfe, hier wird sogar noch Lyrik gewagt. Die kommt zwar nicht so gut an wie Epik, wird aber dennoch mit viel Applaus bedacht, allein für den Mut zum Wagnis.
Gefreut hat es mich natürlich dennoch, dass aus der ersten Runde (es werden jeweils zwei Vortragende aus den Vorrunden weitergewählt) die einzigen Bielefelder Vertreter des Abends weitergewählt wurden: Markus und Mischa.

Im Finale trafen sie auf Sushi (D’dorf) mit seiner teilweise assoziativ wirkend geprägten Litanei über das Wort “Eigentlich” und Florian Cielisk (Köln) mit einem Text, von dem ich nicht mehr weiß, wovon er handelte.
Letzterer gewann dann laut Publikumszuspruch vor - gefühlt - Markus und darauf Mischa. Florian konnte sich aber noch weiter freuen, da das Cuba Nova ihm um Punkt zwölf noch ein Geburtstagsständchen zum Besten gab.

Einen kleinen Wermutstropfen brachte der Abend doch noch mit sich. Daniel Wagner, aus der Vorrunde herausgeflogen, durfte auf Bitten noch einmal etwas vorlesen. Das Moderatorenteam ließ sich dazu beknien, die Anfahrt war für Daniel (aus Heidelberg) dafür etwas lang, als dass man ihn für einen fünfminütigen Vortrag wieder nachhause schicken wollte. Die Wartelistenschlange fühlte sich dadurch bereits leicht angezickt, hätten wir doch alle gerne dort oben gestanden. Zu allem Unglück kam aber hinzu, dass er noch direkt im Anschluss an die Finalisten vortrug und man ihn plötzlich in die Abstimmung zum Gesamtsieg integrierte: Ein deutlicher Verstoß gegen das Reglement. Vielleicht waren die Moderatoren zu diesem Zeitpunkt schon zu satt oder - was ich eher vermute - zu lieb, als dass sie dagegen noch einschreiten konnten. Aber das Publikum war noch erstaunlich wach und bedachte die Regelwidrigkeit intuitiv mit etwas weniger Zuspruch für den nicht-ganz-so-Finalisten Wagner.

Selbstredend, dass die angereisten Slammer aus Bielefeld auf der Rückfahrt in Freises Volvo gewettert haben, was das Zeug hält. Aber das Klappern gehört schließlich dazu.

P.S.: Ein faszinierendes GPS-System besitzt Markus’ Auto. Aber liegt Münster wirklich noch in Westfalen? Die Autofahrt kam mir dermaßen lang vor, gemessen an den langen Zugfahrten dorthin scheint sich das wirklich kaum etwas zu nehmen…

P.P.S.: Dafür nehme ich heute Abend den Detmolder Slam im Kaiserkeller auseinander!

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Name (notwendig)

Email (notwendig, wird aber nicht weitergegeben)

Website/URL

Kommentare

5 Kommentare bis jetzt
  1. @irsign September 11, 2007 11:44

    Das Problem an Mxnstxr ist, dass der Satz ‘Das beste an Münster ist die Autobahn nach Bielefeld’ nicht anwendbar ist.

    (Dass Mischa sich freiwillig in diese Stadt wagt…. tststststs)

  2. Fudge September 11, 2007 14:59

    Das hört sich aber interessant an. Findet das regelmäßig statt und hast du auch schon einmal mitgemacht? Was wolltest du vortragen? Sorry, so viele Fragen.. ;-) Ich werde gleich einmal suchen, ob es etwas vergleichbares auch hier in M. gibt.

  3. Rouven September 11, 2007 15:15

    Oha, daran sieht man, dass a) Fudge hier noch nicht allzu lange mitliest und b) sehr lange Poetry Slam-Sommerpause herrschte, in der ich nicht von diesen Veranstaltungen berichtet habe. Ja, ich mache bei so etwas regelmäßig mit.

    In M. gibt’s auch ein paar, kannst Du hier nachlesen. Z.B. kannst Du heute Abend spontan in den “Spinning Room” gehen und zuhören, -gucken.

  4. Lars September 11, 2007 15:27

    Na, dann sehen wir uns nachher ja.

  5. Rouven September 11, 2007 16:11

    In Detmold, in Detmold!!!
    So schnell schaff ich’s nicht nach Melbourne…

    :wink_wp: Cool, bis dann.


Konsum



Tags