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Abenteuer auf Kreta

Kurzer Zwischenbericht (vor einer Woche geschrieben) darüber, was mir jetzt gerade bestimmt passiert

Ich sitze gerade am Strand und trinke Metaxa. Das tun hier alle. Dauernd. Sie sagen, dass sei das beste Erfrischungsgetränk gegen die unerträgliche Hitze, die hier herrscht. Den von Costa Cordalis besungenen griechischen Wein gäbe es gar nicht wirklich, den hätten die Türken erfunden, um im Ausland für Kopfschmerzen mit fadem Beigeschmack zu sorgen. Und im Prinzip gäbe es auch gar nichts anderes als Metaxa. Außer Ziegenmilch vielleicht.

Ich wunderte mich übrigens bereits darob, dass sich hier alle Einwohner immer in Togas kleiden, zumal sie hier a) diese Tradition doch gar nicht vom Festland her hätten übernehmen müssen und es b) sehr unpraktisch ist, da man sehr oft zur Toilette gehen muss wegen des vielen Metaxas. Ständig dieses ewige Aufpassen auf die langen Tücher. Kein Wunder, dass so mancher dabei ganz fleckig durch die Taverne rennt. Doch es klärt sich schnell auf: Die Regierung hatte per Dekret bewirkt, dass alle Bewohner bei einem Waldbrand sofort ihre Klamotten ausziehen und zum Löschen benutzen müssen. Auch, wenn man hier weniger davon gefährdet ist als auf dem Festland, mussten beim letzten großen Brand alle solidarisch ihre Kleidung ausziehen und per FedEx ab damit. Zuwiderhandlungen würden streng mit Metaxaentzug geahndet. Ich bin total entsetzt.

Um nicht unnötig als Tourist aufzufallen, habe ich mir selbst auch eine Toga besorgt und angezogen. Meine Papiere und mein Geld verstecke ich darunter an Körperstellen, die mir dafür halbwegs geeignet erscheinen. Wenn ich nicht aufpasse, fängt alles an streng zu griechen. Ich strenge mich an, und wie.

Heute ist außerdem Kultur an der Reihe. Wir wollen uns ein paar kaputte Steine ansehen fahren. Im Ort nehmen wir uns ein Metaxi, und, um endlich und für alle Male ein völlig überstrapaziertes Gerücht aus der Welt zu schaffen: Alle griechischen Metaxi-Fahrer hupen immer, auch in Kurven. In Phaistos gibt es ein besonders kaputte Steine, aber die Steine in Knossos, die sind am kaputtesten (aber mit Delphinen drauf). Wir kaufen Postkarten von kaputten Steinen und bekommen noch ein paar Kaputte-Steine-Schlüsselanhänger umsonst dazu, weil der Verkäufer uns wegen unserer Togas für nicht ganz so dekadent hält wie die ziegenmilchtrinkenden Engländer.

Spät abends versuche ich im Hotellabyrinth, den Weg zurück zu meinem Zimmer zu finden und scheitere dabei kläglich. Ein als Stier verkleideter, kretischer Student macht doofe Witze darüber und zeigt mir mehrere, an der Wand farblich unterschiedliche Markierungen. “Halten Sie sich an die dort,” zeigt er auf irgendeine und sagt weiter: “Dann sind sie gleich im Bett.” Ich verlange noch eine Flasche Metaxa, aber er sagt zu mir darauf, dass “Zimmerservice” das erste Wort sei, das er nicht aus dem Griechischen herleiten könne.

Endlich im Bett angekommen, schalte ich noch kurz den Fernseher ein, verstehe aber nichts von dem, was die Leute darin reden (wundere mich gleichzeitig, dass ich heute alles verstanden habe). Ich nehme noch einen von diesen Feta-Snacks, die die Hotel-Stiere hier jeden Tag auf den Nachttisch stellen, und schlafe allmählich ein.

Morgen,” das sage ich mir bereits jetzt schon drei Tage in Folge, “werde ich endlich einmal Urlaub machen…

Ein Kommentar

  1. Fudge schrieb:

    Schöne Idee und gut geschrieben.;-) Vergiss nicht deine Toga wieder in Deutschland gegen andere Kleidung zu tauschen. Ebenso merk dir die Orte der versteckten Papiere und nimm die Sachen vorher wieder dort weg!!!! Könnte an der Supermarktkasse sonst komisch aussehen ;-)

    Freitag, 21. September 2007 um 7:24 | Permalink

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