Schöne Aussichten

Geschrieben am 30 Oktober 2007

Nun gibt es heute also die positive Meldung, dass die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland erstmals seit zwölf Jahren unter 3,5 Mio. gesunken sei, was natürlich zunächst einmal ganz supertoll klingt. Wir alle wissen aber, dass dort eine Dunkelziffer existiert, die einfach darin begründet liegt, dass die Bundesagentur für Arbeit eine ganz eigenartige Definition von “arbeitslos” hat. Die Ein-Euro-Jobber, die in einer “Bedarfsgemeinschaft” Lebenden (”meine Mann verdient gut”), arbeitslose Schulabgänger, Menschen ab 58 usw. tauchen allesamt nicht mehr in der Statistik auf. Das ist an sich nichts neues.

Im SpOn-Forum tauchen dann aber gleich zu Thread-Beginn Kommentare auf, die sich viel eher mit der Zinsproblematik beschäftigen, wobei ich mir die Frage stellte, was zum Henker das denn jetzt damit zu tun hat. Nach kurzen Hineinfuchsen in die Materie (mein VWL-Unterricht ist nun auch schon ein Weilchen her) und ein wenig Einsicht kann einem nur schlecht werden.

Die freiwirtschaftliche Kapitalismuskritik sieht nämlich ein grundlegendes Problem des Geldes darin, dass es Leute gibt, die wegen ihres Geldes und ihres Bodens nicht arbeiten brauchen. Oder anders ausgedrückt: Das Geld arbeitet für sie, es gibt ja schließlich Zinsen. Die Summe, die dafür in diesem Jahr aufgewendet werden muss, soll bei ungefähr 380 Milliarden Euro liegen (vgl. Haushalt der Bundesregierung 267 Mrd.). Und das zugrundeliegende Vermögen bleibt natürlich hübsch auf der Bank und landet nicht im Wirtschaftskreislauf. Zugegeben: Hätte ich soviel Asche, würde ich meinen Arsch auch zuhause lassen.
Jetzt sieht es aber so aus, dass das ganze Geld für die Zinsen schließlich irgendwoher kommen muss, die Ausgaben dafür wachsen ja jedes Jahr, und zwar exponentiell. Die Kohle muss das Bruttoinlandsprodukt irgendwie aufbringen.

Bedeutet (*tusch*): Die Wirtschaft muss ebenfalls jedes Jahr exponentiell mitwachsen, damit das funktioniert! Und wenn es mal ein Jahr lang nicht klappt, muss nunmal an irgendeiner Stelle gespart werden, oder die Banken holen es sich woanders. Die haben schließlich auch Einnahmequellen.

Erschreckend einleuchtend und bisher nie einen Gedanken daran verschwendet. Das kann einem schonmal den ganzen Tag verhageln. Sollte das alles nicht so sein, bitte ich um Aufklärung seitens der mitlesenden Wirtschaftsexperten.

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