Die Eier, die wir brauchen

Geschrieben am 25 November 2007

Apropos “Sex and the city“: Zur Zeit machen meine Freundin und ich neben einem “Dr. House”-Marathon auch einen solchen, diese Serie betreffend. Ich gebe hiermit an dieser Stelle offen zu, dass ich die Serie damals, als sie im TV lief spätestens ab der 3. Staffel mitverfolgte. Daran ist nichts besonders verwerfliches für einen Mann, oh nein. Es ist nunmal hochgradig spannend auch für uns, vier scharf voneinander abgegrenzten, weiblichen Charakteren (die mitunter als verschiedene Stereotypen der Frau schlechthin angesehen werden könnten) dabei zuzusehen, wie sie aus ihrer Sicht mit dem modernen Phänomen “Beziehung - oder auch nicht” umgehen, eingerahmt von der Szene des “Big Apples” mit seinen Frei- und Schönheiten, wo der Frau von heute alles möglich scheint.

So wirkte und wirkt es auf so manchen Mann durchaus desillusionierend bis amüsant, dass sie unter sich genau so harte Urteile über das andere Geschlecht fällen konnten wie wir. Ich erinnere mich zum Beispiel (neben dem Zitat hier) an den Satz Samanthas über ihre kleinwüchsigen Bekannten, den sie zunächst abweisen wollte, doch nachdem er sich als für sie im Bett passabel herausstellte: “Es ist wie Sex mit einem geilen Schlumpf“.

Hier wurde vorgeführt, dass die Emanzipation ganze Arbeit geleistet hatte. Frau ist beruflich erfolgreich in der großen, großen Stadt, steht aber neuerdings vor dem Problem der gewachsenen Ansprüche gegenüber dem anderen Geschlecht und kritisiert jede entdeckte Neurose auf’s Schärfste, um ironischerweise selbst mit dieser und jener Macke behaftet zu sein. Oder übersetzen wir die “Macke” einmal politisch korrekt als “individuellen Charakterzug”.

Interessanterweise sind das exakt die Themen, um die sich Woody Allens Filme der siebziger und achtziger Jahre drehten: Das Kennenlernen, Dating, Ausprobieren exerzierte er dort - wenn auch als Mann - ebenfalls bis in’s Letzte durch, widmete dem Irrsinn aber immerhin ganze Filmlängen, meist bezogen auf eine Person oder Familie. Am Ende von “Der Stadtneurotiker“, nachdem die dortige Beziehung zu Annie nicht mehr zu retten ist, kommt er zu einer ganz phantastischen Einsicht im Sinne des “Man weiß erst dann zu schätzen, was man hatte, wenn es bereits verloren ist“. Er bedient sich dabei eines Witzes als Metapher:

Da musste ich an den alten Witz denken, den vom Mann, der zum Psychiater kommt und dann sagt: “Doktor, mein Bruder ist verrückt, er denkt, er ist ein Huhn.” Und der Doktor sagt: “Warum bringen Sie ihn nicht ins Irrenhaus?” Und der Mann sagt: “Das würde ich ja gerne, aber ich brauche die Eier.” - Tja, ganz ähnlich ist es auch mit menschlichen Beziehungen, hab’ ich das Gefühl. Sie sind oft so irrational, so verrückt und absurd, aber trotzdem machen wir das mit, weil, tja, weil die meisten von uns die Eier brauchen.

Weil wir die Eier brauchen! Mal bitte, wie kuhl ist das denn?

Für ein Genre wie die Serie wäre solch ein Statement oder Einsicht natürlich tödlich, es muss schließlich weitergedatet werden. Und wir sind erst bei der dritten Staffel. Aber ich glaube, ich glaube, am Ende der sechsten kommt es zu einem gewissen Showdown, wenn mich nicht alles täuscht. Außerdem soll ja noch ein Film kommen.

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3 Kommentare bis jetzt
  1. little james November 26, 2007 16:17

    ich LIEBE sex and the city.

  2. Knorpelkasper November 26, 2007 17:55

    Die erste Staffel ist und bleibt die beste!

  3. @irsign November 26, 2007 23:31

    Der Erfolg dieser Serie wird für mich für immer und ewig unergründlich bleiben. Ab und zu ganz nett und kurzweilig, mehr nicht. Von den unmöglichen Klamotten in denen die Hauptdarstellerin rumrennt ganz zu schweigen. Aber bei Filmen/Serien ist es wie mit der Musik und allem, Geschmäcker sind zum Glück unterschiedlich.


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