Schicht im Schacht
Geschrieben am 18 Dezember 2007
Neulich, als ich von dem Film “Idiocracy” berichtete, hatte ich schon herbe Probleme damit, eine dort eingangs gezeigte Familie als eine, die “der Bildungsunterschicht zuzurechnen ist” zu beschreiben. Seit jeher ist es mir ein Graus, von Schichten in Bezug auf Menschen zu sprechen, doch gelegentlich müssen Gruppen anhand irgendwelcher Merkmale kategorisiert werden, schließlich wollen evtl. andere Leute wissen, wovon man redet, und diese Merkmale dann auch wiedererkennen.
Zum Glück handelte es sich aber um eine erfundene Geschichte, eine Fiktion, und da habe ich dann nicht solange an dem Begriff herumgemurkst, wie ich es sonst tun würde. In der Realität verhält es sich damit aber etwas schwieriger und ich verbiete mir Ahnungslosen jegliche Diskussion darüber, bevor ich nicht eines Tages einen akademischen Titel in Soziologie mein Eigen nenne. Doch mal davon abgesehen kann ich sagen, dass mich - wie wahrscheinlich vielen anderen auch - ein ziemlich deutliches Gefühl beschleicht, dass der Schichtbegriff nicht mehr ganz passend ist. Oder einer semantischen Erneuerung bzw. Ausdifferenzierung bedarf.
Ober- und Unterschicht, wie Oma es einst noch kannte, sind offenbar nicht mehr länger an Einkommen und Bildung gekoppelt, und mein Eindruck, dass es mehr arbeitslose Akademiker, demgegenüber aber auch nicht ganz so gut verdienende Ärzte und Anwälte gibt, bestätigt dieses Gefühl. Und wer weiß, wie viele Menschen aus meinem Bekanntenkreis mittlerweile durch irgendeine Art Selbständigkeit etwas dazuverdienen?
Der Artikel von Tanja Dückers aus der ZEIT gibt mir zumindest jetzt einmal eine Grundlage, auf die ich referieren kann (trotz mangelnder Quellenangaben) und die mir Gesprächsstoff liefert.
Ein völlig neues Schichtenmodell oder neue Begrifflichkeiten oder wie auch immer muss man sich nun ausdenken. Es ist zwar nicht besonders ermutigend, aber hey: Das Leben ist lang und es gibt immer etwas neues, dass wir lernen und an das wir uns gewöhnen müssen.

