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Bücher, die blöd machen

Mit Sicherheit können sich noch viele an die Szene des Films “Der Club der toten Dichter” ( imdb / wiki) erinnern, in der Robin Williams als Mr. Keating seiner Klasse Ansichten über einen Aufsatz in deren Lehrbuch mitteilt. “Exkrement!” bezeichnet er – auf den Punkt gebracht – die Arbeit eines gewissen J. Evans Pritchard, dass den Gedichtband einleitet, und lässt die Seiten von seinen Schülern komplett aus dem Buch herausreißen.

Darin steht nämlich Folgendes:

To fully understand poetry, we must first be fluent with its meter, rhyme and figures of speech, then ask two questions: 1) How artfully has the objective of the poem been rendered and 2) How important is that objective? Question 1 rates the poem’s perfection; question 2 rates its importance. And once these questions have been answered, determining the poem’s greatness becomes a relatively simple matter.

If the poem’s score for perfection is plotted on the horizontal of a graph and its importance is plotted on the vertical, then calculating the total area of the poem yields the measure of its greatness.

[via]

Der “Wert” eines Gedichtes bemisst sich hiernach also aus der Flächengröße eines Graphen. Je größer der Grad der Perfektion oder Elaboriertheit auf der x-Achse und je wichtiger das behandelte Thema auf der y-Achse, desto bedeutender ist das lyrische Gebilde nach Pritchard.
Ab in den Papierkorb damit. Eine Kunsttheorie, die derart auf das Werk selbst fixiert ist, die Wirkung außer Acht lässt, den Rezipienten und dessen subjektive Interpretation völlig ignoriert, ist mindestens drei Mal Steinzeit und gehört mit Recht in den Abort. Vor allen Dingen ist die Ansicht, ein Kunstwerk besäße einen feststehenden Wert, heutzutage mit Argwohn zu betrachten.

Nichtsdestotrotz ist der Mensch ein Visualisierungstier. Dort wurde ebenfalls mit einer Veranschaulichung, einem Graphen, gearbeitet und es gibt durchaus noch merkwürdigere Versuche, komplizerte Sachverhalte optisch darzustellen. Jüngst gab es noch einen weiteres Unterfangen, den Wert oder sogar Nutzen von Büchern zu visualisieren.
Dazu bediente man sich der Daten von Facebook (dem U.S.-Pendant zu StudiVZ) und ermittelte die zehn beliebtesten Bücher pro College. Demgegenüber stellte man den durchschnittlichen SAT-Wert (amerikanischer Intelligenztest der Colleges) der Studenten.
Das Ergebnis kann man sich bei booksthatmakeyoudumb (“Bücher, die dich blöd machen“) ansehen und soll in etwa darstellen,welche Bücher diejenigen Leute lesen, die bei den Tests nicht so gut abgeschnitten haben.

Es gäbe dazu zwar mit Sicherheit noch ein, zwei Aspekte zu erwähnen, z.B. dass die vertikale Achse in diesem Beispiel nichts zu sagen hat. Oder dass noch lange nicht gesagt ist, das Lesen gewisser Bücher würde auch dümmer machen, nur weil Menschen mit geringeren SAT-Werten diese bevorzugen. Man liefe Gefahr, Koinzidenz mit Korrelation gleichzusetzen.

Aber booksthatmakeyoudumb hat – denke ich – auch nicht den Anspruch, mit verbissenem Ernst betrachtet zu werden ;-)

[via]

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