Hungern für Mobilität

Geschrieben am 27 Februar 2008

Bei dieser Nachricht lässt sich nicht mehr ganz so angenehm an seinem 17-Cent-Penny-Frühstücksbrötchen knuspern:

Das Welternährungsprogramm der Uno kann seine Hilfslieferungen nicht mehr zahlen, weil Lebensmittel so teuer geworden sind. [...] Roggen plus 55 Prozent, Gerste plus 70 Prozent, Weizen plus 90 Prozent - es sind nackte Zahlen und doch haben sie ungeahnte Konsequenzen: In einem drastischen Hilferuf haben die Vereinten Nationen (Uno) heute auf die steigenden Preise für Getreide und Lebensmittel aufmerksam gemacht.

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Und fast möchte man sein angeknabbertes Brötchen eintüten und nach Schwarzafrika versenden. Während man hierzulande also beinahe wegen ein paar mehr Cent für Butter auf die Barrikaden ging, scheint sich die Lage auf dem globalen Markt um so drastischer zu entwickeln. 90%!!! Himmelherrgottnochmal, da fragt man sich natürlich, wie es dazu kommt, dass die Entwicklungshilfe-Organisationen mit ihrem knappen Budget nicht mehr ausreichend Nahrung für die Hungernden der Welt einkaufen können.

Seinerzeit wurde in Deutschlands größtem Boulevardblatt den Chinesen und Indern die Schuld in die Schuhe geschoben, die mit ihrer plötzlich entdeckten Liebe zu Milchprodukten die Preise in die Höhe getrieben haben sollen. Die gestiegene Nachfrage von anderswo mag tatsächlich einige Auswirkungen auf den Preis haben. Nun kenne ich persönlich aber nur wenige Asiaten, die auf Milchprodukte stehen, in der Regel empfinden sie zum Beispiel Käse als enorm widerlich, was an einer anderen Geschmacksozialisation liegen mag. Milch ist aber außerdem nicht gleich Getreide, und gerade mit Letzterem versorgen die Helfer die Ärmsten der Armen in den betroffenen Regionen.

Darüber hinaus schlägt hier noch ein anderer Teuerungsaspekt zu Buche, von dem man ursprünglich annahm, dass man mit dieser Neuerung nachhaltig handeln würde. Wie sowohl SpOn als auch die Uni Kassel oder suite101.de (u.a.) berichten, rächt sich die Einführung des Biosprits nunmehr darin, dass stetig mehr Agrarflächen für den Anbau von Kraftstoffgetreide verplant und benötigt würde, man daher die Nachfrage nach Getreide für Lebensmittel kaum noch aus den Reserven decken kann.

Der forcierte Anbau von Pflanzen zur Treibstoffproduktion treibt die Preise maßgeblich. Nahrungsmittel würden immer häufiger zur Sättigung des weltweiten Energiehungers »mißbraucht«, was die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen gefährde, sagte die Direktorin von »Brot für die Welt«, Cornelia Füllkrug-Weitzel

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Dass diese Biosprit-Maßnahmen in irgendeiner Form ökologisch sinnvoll seien, davon kann auch angesichts der Abholzungen in z.B. Indonesien oder Südamerika keine Rede mehr sein.
Da bildet man sich also als grüntankender Autofahrer ein ruhigeres Öko-Gewissen ein. Doch letztendlich verhungern womöglich etliche Menschen wegen seines Verhaltens.
Wohl demjenigen Gewissen, dessen Haupt ein KlimaEngel-Heiligenschein des ÖPNV ziert. Es sei natürlich denn, man bewegt sich in einem Biodiesel-Bus fort, dessen Abgase wie zum Hohn nach Fritten riechen. In der Stadtbahn lässt es sich daher vermutlich behaglicher reisen.

Obwohl. Moment mal. Die bekommt ihren Saft doch auch irgendwo her. Ach, verdammte Entropie, nie bist du mir gnädig.

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3 Kommentare bis jetzt
  1. little james Februar 27, 2008 9:23

    es ist 9:23 uhr und ich fühle mich schlecht. seufz.

  2. Rouven Februar 27, 2008 10:55

    Ui, sorry.

  3. little james Februar 27, 2008 18:58

    das ist nicht so schlimm. das habe ich häufiger :)


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