Balkan fraktal
Geschrieben am 29 Februar 2008
Wenn man die Länge einer Küste bestimmen will, hat man plötzlich ein kleines Problem. Ein von einem Spacelab o.ä. widersinnigerweise agierender Landvermesser würde ganz schnell mal ein paar Buchten übersehen, zöge einen schnellen Strich und hätte mir nichts, dir nichts die Länge parat.
Aus der Nähe betrachtet erweisen sich die Ufer aber nicht so glatt wie aus luftiger Höhe. Plötzlich tauchen dort nicht nur ein paar Buchten auf, sondern daneben ragen ein paar Felsvorsprünge in’s Meer und das Ganze scheint, als hätte ein Säugling die Zähne des Albtraummonsters von letzter Nacht gemalt. Der Landvermesser bräuchte eine ziemlich dicke Rolle Kilometerband zum Vermessen.
Das Phänomen hatte unter anderem Benoît Mandelbrot am Beispiel der Küste Englands vor Augen, als er Mitte der 70er Jahre seine Theorie vom Fraktal in’s Leben rief und damit einen entscheidenden Beitrag zur Chaosforschung leistete. Ein Fraktal tritt nicht in eindeutigen, vielmehr in gebrochenen Dimensionen auf. Außerdem besitzen Fraktale eine hohe Selbstähnlichkeit, d.h. kleinere Bestandteile ähneln dem großen Ganzen und umgekehrt.
Bedeutet, je tiefer ich in ein Fraktal vordringe, um so schwieriger wird es für mich als Landvermesser zu erkennen, an welcher Stelle ich denn nun mein Maßband ansetzen kann.
Seit elf Tagen existiert der bisher jüngste Staat in Europa, das Kosovo, unter großem Medienbohei abgespalten von Serbien, einem früheren Bestandteil Jugoslawiens. Bereits jetzt denkt die serbische Minderheit im Norden des Kosovo, um Mitrovica herum, über eine Eigenständigkeit nach (siehe ARD-Video).

