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Kein Land für alte Männer

Endlich bin ich im neuesten Film der Coen-Brüder gewesen und bin noch ganz geflasht von den Eindrücken, die sich mir boten. Es war den vielen gesehen Trailern nach zu erwarten, dass viel Blut fließen wird, aber auch, dass die Geschwister sich nicht an übliche Handlungsmuster und Darstellungsformen halten würden.

Das war wohl auch einigen bildungsfernen, actiongeilen Typen, die mit im Kino saßen, nicht so ganz klar: Sie mokierten sich während des Films lautstark darüber, dass über weite Strecken relativ wenig passierte (“Laaangweilig!”). Wenn die Akteure durch die texanische Wüste schreiten, auf der Suche nach dem Gegner oder etwas anderem, dabei – wider die Gewohnheit – keine spannungserzeugende Musik zu hören ist, ist dies realistischer als so mancher Western und um so bedrückender.

Der Film hätte auch ebensogut “Ein Land mit alten Männern” heißen können. Tommy Lee Jones habe ich nie so faltig und ungeschminkt gesehen, ebenso sieht man den anderen Figuren an, dass das Leben in der Wüste auf ihren Gesichtern Spuren hinterlassen hat. Die ständig präsente verkrustete, staubige Scholle spiegelt sich auf ihnen wider.
Doch der Sheriff erzählt in seinem Eingangs-Monolog, dass früher die alten Gesetzeshüter teilweise keine Waffe getragen hätten. Ohne Waffe hätte ein Polizist in “No Country for old men” (wiki / imdb)aber nicht lange gelebt, insbesondere bei einer Begegnung mit einem derart psychopatischen Killer wie den, den Javier Bardem fantastisch verkörpert.

Dass man die Leistung Bardems übrigens mit einem Oscar für den “Besten Nebendarsteller” ausgezeichnet hat, ist nur konsequent, da es meines Eindrucke nach keinen Hauptdarsteller gibt. Alle Figuren werden gleichwertig behandelt, sowohl der gejagte Geldfinder Lewellyn Moss als auch der bolzenschießende Killer oder der Sheriff. Wenn es einen Hauptdarsteller gibt, dann ist es das von der Sonne nie verschonte Land mit seinem ständig wirbelnden Staub.

Wenn man denn einen Vergleich in der Filmografie der Coens braucht, dann kommt wahrscheinlich “Fargo” diesem Machwerk mit seinen Aufnahmen von unwirtlichen Landschaften und den Dialogen seiner skurril gezeichneten Charaktere am nächsten. Auch hier kommt immer wieder jede Menge schwarzer Humor zum Vorschein, der sogleich wieder mit Blut ertränkt wird.

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