Natürlich ist auch an mir die Debatte um den “Tod des Printmediums” nicht vorübergegangen und ich verfolge sie eifrig mit. Auch die aufwendigen Maßnahmen zum Schutz des geistigen Eigentums stehen damit in engem Zusammenhang, schließlich hat nicht nur die Musikindustrie etwas dagegen, dass kostenlose Kopien ihrer Erzeugnisse einfach so, mir nichts, dir nichts verfügbar sind.
Wenn dies aber zu eingeschränkten Zugang zu Ideen oder sogar zur Hemmung von Kreativität führt, muss der Creative Commons-Gedanke weiterentwickelt, -verbreitet werden.
Beim ORF gab es offenbar ein hochinteressantes Interview mit Ernst von Glaserfeld, einem Mitbegründer des Radikalen Konstruktivismus. Bei dieser Denkrichtung geht man – grob gesagt – davon aus, dass “alles Wissen nur in den Köpfen der Menschen existiert”, also aufgrund deren Erfahrungsschatz und, auf diesem aufbauend, Begriffe, Erlebniswelten usw., herstellt.
Im Gespräch wurde er u.a. gefragt, wie Ideen entstehen können und – hier noch interessanter – wie frei diese sein können bzw. sollten:
Sie haben im Vorwort zu der Taschenbuchausgabe Ihres Buchs “Radikaler Konstruktivismus” geschrieben: “Ideen sollten niemals Privatbesitz sein.”
Ja. Man darf eine Idee nicht behandeln wie ein Grundstück. Wenn man sie veröffentlicht hat, ist sie frei benutzbar für jeden. Der französische Dichter Paul Valéry, meiner Ansicht nach einer der größten Denker des 20. Jahrhunderts, hat einmal sehr schön gesagt: Wenn man etwas veröffentlicht hat, dann ist es wie ein Gebrauchsgegenstand, den jeder benützen kann, wie er will, und das ist sehr schön.Denn oft führen einen die Ideen von anderen Leuten auf ganz andere Wege, die diese Leute selbst nie gegangen sind. Ich habe auch von Philosophen Sätze benutzt, die diese selbst sicher anders interpretiert haben.
Wir diskutieren ja heute viel über “geistiges Eigentum”.
Weil die Leute Geld damit verdienen wollen. Vor zweihundert Jahren hat wohl kaum ein Philosoph daran gedacht, mit dem, was er schreibt, Geld verdienen zu können. Aber heute, sobald Sie ein Buch schreiben, müssen Sie ja Geld verdienen.
Da hat er Recht. Die Tendenz geht, um es mit Lawrence Lessig zu sagen, hin zu einer “Read-Only”-Kultur. Um weiterhin kreative Remixe, Collagen, Verarbeitungen jeglicher Art gewährleisten zu können, muss (solange die Rechtslage so bleibt) der Creative Commons-Gedanke verbreitet und angewendet werden.
P.S.: Dieses Blog steht übrigens komplett unter einer Creative Commons (by-nc-sa)-Lizenz. Man bediene sich also und verwende, was das Zeugs hält. Solange mein Name dabei fällt.
Ein Kommentar
Zum Thema: Wann stirbt das Papier habe ich auch mal was geschrieben. Grüße aus Hamburg
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