Juno
Geschrieben am 25 April 2008
Karriere und “individuelle Entfaltung” stehen dem Kinderkriegen immer noch ziemlich im Weg. Selbst, wenn man wollte und finanziell nicht so gut dasteht, müssen hierfür noch ein paar mehr Maßnahmen innerhalb der Sozialsysteme und vor allen Dingen gesellschaftliche Anerkennung - beruflich, privat usw. - her.
Gestern Abend war ich im Film “Juno“, der den Weg der sechzehnjährigen Schülerin Juno MacGuff (Ellen Page) beschreibt, die ungewollt schwanger wird, und da ich mich vorab nicht ausreichend über den Film informiert hatte, lediglich wusste, worum es grob geht und dass er mit Lob und Auszeichnungen hochdekoriert wurde, nahm ich zunächst an, mich würde irgendetwas in Richtung Jugenddrama erwarten.
Womit ich mal so richtig daneben lag.
Drehbuch und Regie sind hier vollkommen in der Zeit der Patchwork-Familien angekommen und romantisieren nichts, statten die zunächst bockig wirkende Juno mit einem erstaunlichen Optimismus aus. So will sie erst einmal das tun, was alle Mädchen ihres Alters wahrscheinlich denken: Abtreiben.
Doch in letzter Minute besinnt sie sich des fortgeschrittenen Stadiums (3. Monat) und daran, dass das Baby nun vermutlich sogar Fingernägel besitzt, entschließt sich, es auszutragen und zur Adoption freizugeben.
Das aus dem Anzeigenteil herausgesuchte Yuppie-Pärchen Mark (Jason Bateman) und Vanessa (Jennifer Garner) erntet dann auch vom Zuschauer völlige Antiphatie, wirkt es doch, als würde sich Vanessa mal eben ein Kind gegen Geld zulegen, um den Stress zu entgehen und ihre Figur zu erhalten.
Aber der Plot schlägt mehr als nur einen Haken. Seht selbst, wie es dann wirklich ausgeht.
Bemerkenswert sind auf jeden Fall die Dialoge, die in fast jedem Satz einen subtilen Witz enthalten. Insbesondere die rotzigen Repliken Junos gegenüber alles und jedem sind hörenswert und vor allem die Reaktionen ihrer Familie verdienen besondere Beachtung. Dort trifft man auf die kuhlste (nicht böse) Stiefmutter seit Langem, wenn nicht sogar überhaupt.
Wer also glaubt, es handele sich um ein gesellschaftskritisches Drama, der ist schief gewickelt. Und wer mit der Erwartung einer reinen Komödie hineingeht, ebenfalls.
Letztendlich hatte ich den Eindruck, als wenn uns hier gezeigt wurde, dass man, wenn man denn wollte, es auch irgendwie ginge. So banal das klingen mag. Banal, aber charmant.


Ich habe den Film vor ein paar Wochen auch angesehen. Zwar gefiel mir der Film an dem Tag gut, aber ich habe schon einen Tag später nicht mehr über den Film nachgedacht, was ihn in meinen Augen auch irgendwie etwas zu einer Enttäsuchung macht. Schauspieler und Musik überzeugen, aber von einem hochdekorierten Film erwarte ich, dass ein Film nicht so schnell wieder aus dem Gedächtnis verschwindet.
da fehlt ein ‘mir’
Bei ‘mir’ verschwinden recht viele Filme ziemlich schnell wieder aus dem Gedächtnis, sogar diejenigen, von denen ich begeistert war.
Hilft nur eins: Immer wieder angucken