Mem

Geschrieben am 6 Mai 2008

Kürzlich hatte ich ja eine kleine Zusammenstellung über Verfallserscheinungen gebloggt (u.a. hier) und dass mir aufgefallen sei, dieses Thema sei in Blogs (und natürlich nicht nur dort) ganz besonders präsent, spätestens seit dem Sachbuchknüller “The World Without Us” oder dem verlassenen New York im Film “I Am Legend“. Dabei fiel in einigen Schlaumeier-Blogs oft ein Begriff, der mir bis dato völlig fremd war, der des “Mems”.
Die häufige, kulturelle Erscheinung des Verfalls sei ein Mem, oder es wurde gleich direkt vom Verfalls- bzw. (in den internäschenäl Blogs) Abandoned-Mem gesprochen. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, was die von mir wollten. Aus der Linguistik bzw. Semantik wusste ich zwar von dem Sem, sprich: dem kleinsten Bedeutungsmerkmal eines Begriffs. Aber das Mem war mir neu.

Nach dem Überfliegen des beschreibenden Wiki-Artikels besitze ich folgende Vorstellung davon: Es handelt sich dabei anscheinend um eine Gedankeneinheit oder meinetwegen Idee, die wie auch immer kulturell in Erscheinung tritt, im Gehirn des Individuums vorhanden ist oder durch Kommunikation verbreitet werden kann. Bei letzterem (z.B. Gerüchten) können sich Meme auch in Varianten verbreiten. Interessant daran ist die Analogie zum Gen, die hier gesponnen wird.
Im Sinne einer “kulturellen Evolution” soll das Mem in der Lage sein, sich zu reproduzieren und ähnlich wie mittels Mutation, Selektion und Drift am für die erforderlichen Gegebenheiten jeweils passendsten “überleben”.

Soll wohl in etwa sowas bedeuten, wie dass die heißdiskutiertesten Themen die für eine Kultur jeweils relevantesten sind und sich durchsetzen gegenüber anderen Gedanken, Ideen.

Und da frage ich mich: Ist das nicht völliger Quatsch? Beinahe möchte man glauben, dass hier Geisteswissenschaftler um ihre eigene Relevanz bangen und förmlich nach Gegengewichten zu den festen Fakultäten Physik, Biologie usw. suchen. Ich glaube, was mich am meisten daran abstößt, ist die Grundannahme, dass der Mensch innerhalb dieser Hypothese gar keine eigene Macht über seinen Geist zu besitzen scheint, sondern er lediglich gerade das im Kopf hat, was er an Memen so sammelt.

Naja, wen das weiter interessiert: Dort sind ja einige Literaturhinweise im Wiki-Artikel.

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2 Kommentare bis jetzt
  1. b. Mai 6, 2008 8:35

    hättest du bei finke mal die vorlesung zur ökolinguistik gehört, wüsstest du schon länger, was ein mem ist ;-)
    und quatsch ist das nun wirklich nicht.

  2. Rouven Mai 6, 2008 10:18

    Dann erklär doch ma’!


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