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Wahnwitz bei Niedriglohn und Hartz IV

Gestern Abend bin ich dann doch noch ein Weilchen wach geblieben, um mir auf der ARD die Kurzdoku über Wallraffs neueste Arbeitsbedingungs-Undercovercoup anzusehen (siehe hierzu ZEIT-Artikel), und ehrlich gesagt, war ich ziemlich unbeeindruckt.

Wenn man nicht völlig taub und blind durch die Botanik rennt, weiß man schon, dass es eine Menge Betriebe gibt, in denen es derartig zugeht, und vor einiger Zeit hatte ich auch selbst einmal einen kurzen Einblick in haarsträubende Arbeitsbedingungen (siehe hier und hier). Die Berichterstattung Wallraffs dient vor allem dazu, denjenigen, die davon überhaupt keine Ahnung haben, die Zustände aufzuzeigen und eine Debatte anzustoßen.

Ich bin kein ausgewiesener Experte, aber frage mich stets, wie (mal abgesehen von den mit Sicherheit illegalen Sicherheitsvorkehrungen) man gesamtwirtschaftlich gesehen derart niedrige Löhne vertreten kann? Bei den Arbeitgeberverbänden müsste es doch Menschen geben, die ein wenig Ahnung von VWL besitzen. Dort müsste man zumindest leichte erahnen können, dass die Menschen mit dem niedrigsten Einkommen (also diejenigen, die beinahe alles verkonsumieren (!)) eben auch mehr konsumieren, wenn sie etwas mehr Geld in den Taschen hätten (als Anregung dieses hier). Dann ließen sich auch – durch höhere Löhne – gestiegene Preise besser verkaufen.

Und wehe, es kommt jetzt einer mit China!

Erschreckend, was Wallraff zutage legte: Einige Arbeiter schufteten ca. 160 Stunden im Monat und erhielten lediglich ca. 750 Euro auf die Kralle. Nun gut, sowohl in oben besagtem, verlinkten Lagerjob als auch in meinem jetzigen Nebenjob gibt es ab 8 bis 10 Euro pro Stunde, was noch gut ist. Ich kann mich aber glücklich schätzen, dass ich als Student kaum Abgaben habe. Manchen Familienvater, der besseres gewöhnt ist und per ARGE zu dem Job gezwungen wurde gelangt ist, habe ich beim Öffnen seiner Abrechnung schon schluchzen hören. Klar, dass das für ihn mit Steuergeldern aufgestockt werden muss.

Ein bisschen Lohnsteuer zahle ich. Ich finanziere ihm seine Aufstockung also mit, er selbst sich übrigens auch. Alles ein wenig verrückt. Da heißt es weiter Anzeigen blättern und andere Jobs suchen, die meistens ähnlich aussehen. Zurück zur Arbeitsagentur will man ja auch nicht.

Denn – by the way – die Vorschläge, die für die Langzeitarbeitslosen zur Zeit in die Öffentlichkeit gepustet werden, klingen eher nach Hohn:

“Wirtschaftsminister Glos erhöht den Druck auf Langzeitarbeitslose: Um das Ziel der Vollbeschäftigung zu erreichen, sollen Hartz-IV-Empfänger zur Arbeit für das Gemeinwohl verpflichtet werden.”
[via]

Fefe bemerkt dazu treffend: “Endlich führen sie den Reichsarbeitsdienst wieder ein, nur diesmal lebenslang, nicht bloß so ein bißchen.”

…und gibt uns hier an dieser Stelle ein paar Hinweise, wer sich denn so alles hinter dem “Institut zur Zukunft der Arbeit“, von wo Herr Glos die Ideen hat, verbirgt. Ein Klick lohnt.

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