@irsign war am Wochenende im benachbarten, Herforder MARTa unterwegs und hat für uns etwas ganz Erstaunliches zutage gefördert. Die dortige, derzeit laufende Ausstellung Ad Absurdum - Energien des Absurden von der Klassischen Moderne zur Gegenwart hat u.a. einen Künstler namens Zbigniew Libera zu Gast, der mit folgendem Objekt aufwartete: Einem Lego-KZ.







Montag, 19. Mai 2008 um 14:46
Deutschland ist seltsam und wir Deutschen auch. Wie kann es sein, dass sowas in Deutschland gezeigt werden und vermutlich bejubelt werden kann, aber wenn jemand einen Judenwitz macht, ist die Empörung groß. Humor ist doch auch Kunst, oder nicht? Ich steige da nicht durch…
Montag, 19. Mai 2008 um 14:55
Harald Schmidt macht doch auch Polen-Witze. Man muss sich eben auch was trauen. Ich denke es kommt einfach auf das ‘wer’ und ‘wie’ an. Wenn Stoiber einen Polen-Witz macvht ist das sicherlich nciht das gleiche wie Dirty Harry.
Ober die Stromberg-Hitler-Verarsche bei Switch, da haben wir doch auch alle herzlich gelacht und niemand hat mit dem Zeigefinger geschwungen, oder?
Dienstag, 20. Mai 2008 um 0:12
Hey!
Hier geht’s in keinster Weise um Humor oder dass man darüber lachen soll, sondern um Beschäftigung mit dem Holocaust.
Eben diese Totalverfremdung des Themas mit einem Aspekt, der ihm seinem Wesen nach völlig konträr entgegensteht, nämlich Spielzeug, bewirkt eine derartige Verwunderung beim Rezipienten, dass er sich damit auseinandersetzen muss. Zwangsweise zur dadurch angestoßenen Debatte beitragen muss.
Mal abgesehen davon, steht das Ding in einem Museum. Daher dürfte vom Kontext allein schon eine Wahrnehmungskanalisierung vorgegeben (ähnlich wie beim “Read-Made“).
Nix zum Lachen also.
Dienstag, 20. Mai 2008 um 9:25
airsign - Stimmt, Harald Schmidt und Herr Herbst dürfen das, sie sind bekannte TV-Größen. Otto Normal auf der Straße darf nicht. Und Künstler dürfen anscheinend auch. Nur wo ist die Grenze zwischen Künstler und “normalem Mensch”?
Rouven - Humor ist aber auch Beschäftigung mit dem Holocaust, das exakt meine ich doch. Und mit nichts kann man (imho) furchtbare und unverständliche Dinge besser verarbeiten als mit Humor - Galgenhumor eben. Und deswegen ist es für mich unverständlich, warum eine Art der Beschäftigung mit sensiblen Themen so verpönt ist und eine andere doch recht hoch angesehen.
Ich sag ja: Ich steige da nicht durch…
Dienstag, 20. Mai 2008 um 11:57
kunst ist nicht unbedingt nur selbstverwirklichung oder den eigenen bekanntheitsgrad zu steigern, sondern in meiner naiven hoffnung auch eine anregung für gesellschaftliche debatten (siehe grad auch das neue video von justice). krieg oder verletzungen von menschenrechten weerden gerne medial so dargestellt, dass es “sauber” aussehen soll oder nur wie ein spiel. das ist in diesem falle nichts anderes für mich. die einzigen richtigen proteste als dieses werk das erste mal ausgestellt wurde kamen von lego, in angst um deren ruf.
und wenn man vereinfacht gesagt betroffener war (in diesem falle die nationalität des künstlers), ist so etwas ja noch eher akzeptiert. niemand konnte ernsthaft cohen vorwerfen, antisemit zu sein mit seinem borat-film, da er selbst gläubiger jude ist.
meine zwei cent aus prag,
andre
Dienstag, 20. Mai 2008 um 13:33
Natürlich geht es hier nicht darum, sich über den Holocaust lustig zu machen (auch wenn man ja nicht weiß, was sich Künstler dabei denken), aber eine bisschen musst ich bei dem Lego auch schmunzeln, nicht lachen, eher so Galgenhumor mäßig. wie Feylamia sagte, mit nichts kann man furchtbare und unverständliche Dinge besser verarbeiten als mit Humor - Galgenhumor (siehe ja auch den Roberto Bengini Film).
Ich denke aber, dass das eher vielschichtig gemeint ist und nicht so einfach. Von einer allg. Beschäftigung mit dem Holocaust bis zur ART / Kritik der Auseinanderdatzung (das was Brohm in meinem Blog meinte). Wie gesagt, ich glaube der hat sich da mehrere Sachen bei gedacht. Und in erster Linie finde ich erst mal die Wirkung wichtig und da ist ja schon dieser Galgenhumoreffekt auch da.