Es gab schon von jeher Gerüchte darüber, dass sich (künftige) Arbeitgeber auch auf den Profilen ihrer Bewerber in Social Networks herumtreiben und schauen, was sich dort über Ansichten oder Neigungen in Erfahrung bringen lässt. Bislang hielt ich die Vorstellung, wie sich eben diese Chefs nach Durchsicht von Bewerbungsunterlagen ihre wertvolle Arbeitszeit dafür opfern, unter Verwendung eines gefälschten Profils im StudiVZ zu surfen, für etwas skurril.
Doch dortige Angaben über sich selbst oder nur spaßeshalber getätigte Mitgliedschaften in Gruppen können nicht nur bei Bewerbungen ausschlaggebend sein, sondern auch, wenn man es gar nicht ahnt, die Reputation kosten, so geschehen bei Thomas Müller, der eine ganze Hand voll politischer Ämter in der hessischen CDU innehat.
Der werte Herr war im StudiVZ u.a. Mitglied in den Gruppen
* Nach Frankreich fahr ich nur auf Ketten
* Krieg ist scheiße, aber der Sound ist geil
* Brot für die Welt – Fleisch für mich
* Wär’ ich Kreuzritter gewesen, hätten wir Jerusalem noch
Müller wurde nach Bekanntwerden dieser Umstände sofort von seinem Amt als Geschäftsführer des CDU-Landkreises Schwalm-Eder enthoben. Nun könnte man zwar behaupten, die CDU verstünde keinen Spaß und innerhalb des StudiVZs sei derlei Ironie gang und gäbe, aber bei einem in der Öffentlichkeit stehenden Politiker gelten nunmal andere Regeln, insbesondere, wenn die Partei weder ironisch noch wörtlich mit diesen Gruppennamen in irgendeiner Weise in Verbindung gebracht werden möchte.
Nun gibt es in meinem Umfeld nicht besonders viele Politiker, die nicht so stark auf ihren Ruf achtgeben müssten ( ;-)), aber dieses jüngste Beispiel zeigt einmal besonders deutlich, dass im Bereich Web 2.0 keine Privatsphäre herrscht. Bis vor Kurzem besaß ich ebenfalls ein oder zwei Mitgliedschaften in solchen nicht ganz ernst gemeinten Gruppen, deren Namen sich nicht einmal im Ansatz so zynisch lesen lassen wie die obigen (z.B. “Der frühe Vogel kann mich mal”).
Den Fall Thomas Müller erachte ich nunmehr als Warnsignal und habe viele private Informationen usw. aus meinem dortigen Profil gelöscht. Wer wissen will, in welchen Clubs ich bin, welche politische Einstellung ich besitze, wie ich es mit der Arbeit hal…wie fleißig ich bin oder welchen Beziehungsstatus ich innehabe, soll mich selbst fragen.
Spätestens wenn das StudiVZ zur Gänze ergooglebar wird (wie bei lorm.de prophezeit), ist dort nichts mehr sicher, dann hilft auch späteres Löschen nicht vor dessen Cache.
Außerdem bin ich ja noch darüber hinaus ein Blogger. Aus meinem Blog kann man ironischerweise noch viel mehr herauslesen, wenn man über mich etwas in Erfahrung bringen will. Oder nicht?
2 Kommentare
Hmm… naja, nicht zu unterschätzen wäre, gerade bei StudiVZ, der Informationsgehalt von Datum und besonders Zeit. Angegeben zB bei Pinnwandeinträgen, Gruppen-posts und so weiter. Bei ganz naiven Menschen kann man mit einem einfach kleinen Progrämmchen dann diese Zeiten mit ihren Vorlesungen abgleichen etc.
Interessantes gibt es da sehr schön aufbereitet bei Blogbar.de zum thema studiVZ aber auch zum Datenschutz etc.
Stimmt, die blogbar ist in der Hinsicht tatsächlich sehr lesenswert (ich war mal so frei, zu verlinken).
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