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Schlechte Lyriken

Gestern Abend hatte ich neben meinen üblichen, gewohnten Tätigkeiten, für das Hintergrundrauschen den von Bateman empfohlenen Film “Taking Lives” im TV laufen, den er wohl selbst nur aufgrund der Fußballpause zur Sprache gebracht hatte und den ich auch nur mit einem Auge wahrnahm. So wusste ich bereits nach zehn Minuten nicht mehr, weshalb Angelina Jolie darin in ihrer Eigenschaft als Profiler wem nachjagte.

Wach wurde ich erst zu dem Zeitpunkt, als sich der Abspann mit einem lange nicht mehr gehörten U2-Song ankündigte und sogleich wieder verklang. Die paar gehörten Takte waren aber dennoch imstande, Emotionen und sogar physische Symptome hervorzulocken. Mir kribbelte es aus der Bauchgegend heraus aufwärts in den Kopf und ich empfand schlagartig universale Minderwertigkeit. Ich wusste: Den Song hatte ich desöfteren zu einer Zeit gehört, als ich unglücklich verliebt gewesen sein musste.

Nach dem Abklingen meiner Reaktionen und einem revitalisiertem Reflexionsvermögen hege ich nunmehr keinen Zweifel an einem musikalischen Gedächtnis von Gefühlen.

“Bad” von U2 habe ich nun bestimmt seit sieben Jahren nicht mehr vernommen, das Stück stammt selbst sogar aus dem Jahre 1984, veröffentlicht auf dem Album “The Unforgettable Fire”. Ich habe es also nie zu seinen goldenen, zeitgenössischen Zeiten wahrgenommen, sondern erst wesentlich später. Obwohl die Delay-Gitarre längst gefrühstückt schien, hatte Bad auch später noch den richtigen Riff für den Abschieds-Soundtrack. In anderen, oft ebenfalls in Filmen benutzten Songs wie “All I Want Is You” keimte noch ein Quentchen Hoffnung, bei “Bad” war man schon über die Resignation hinaus und verleihte nur noch der Akzeptanz der Situation den entsprechenden Ausdruck.

Vormals, in dem Zeitalter, in dem Bands nicht alle Lyrics im Booklet abdruckten und man keinen Zugang zu Foren besaß, in denen Fans dies erledigten, hatte ich keine Ahnung, was Bono darin überhaupt sang. Am Rande entdeckte ich soeben in einem Fanforum (dessen Link ich wieder verbaselt habe) die angebliche Hauptintention zum Schreiben des Stücks, nämlich den Drogentod eines gemeinsamen Freundes. Doch – wie gesagt – diese Information soll nur nebenbei bemerkt werden, denn für die Wirkung auf den Hörer ist sie nur redundant.

“Bad” ist schmerzlich-schön, “Bad” weint vor sich hin. Zumindest, und das ist die bittere, späte Einsicht, die selbst ein nostalgisches Moment zerstört, bis hin zur dritten Strophe. Daraufhin wird das ätherische Klanggebilde durch Bonos bisher erfolgreich verdrängtes “Woohoo” mehrfach kaputtgemacht. Bis zu diesem Punkt würde ich es aber auch für einen Soundtrack gebrauchen wollen.

Und überhaupt: Ich mag plötzlich wieder U2! Zeitgemäß ist anders! Man entziehe mir mindestens zehn Rankingpunkte der Technorati Authority im Hinblick auf aktuelle Musik.

Zwei Dinge noch:

– Zur Aufheiterung ein schöner Vergleich: Bad-Text im Original und mittels Babelfish übersetzt
Hier kann man zumindest mal hineinhören

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