Kowloon Walled City

Geschrieben am 8 Juli 2008

Abt. Verfall

Denkt man an eine Großstadt in Fernost zur Zeit der vorletzten Jahrhundertwende, schwingen auch unvermeidlich Bilder von Opiumhöllen und Prostitution mit, Räubergeschichten tun sich auf, und die Szenarien spielen sich vor dem geistigen Auge abwechselnd im Stile von Wong Kar Wei oder Frank Miller ab.

Im Hongkonger Stadtteil Kowloon Walled City existierte diese Regel- und Gesetzlosigkeit aber offenbar noch bis in’s Jahr 1993, was sich auch in der völlig wilden Architektur abzeichnete.


The Kowloon Walled City was located just outside Hong Kong, China during British rule. A former watchpost to protect the area against pirates, it was occupied by Japan during World War II and subsequently taken over by squatters after Japan’s surrender. Neither Britain nor China wanted responsibility for it, so it became its own lawless city.

Its population flourished for decades, with residents building labyrinthine corridors above the street level, which was clogged with trash. The buildings grew so tall that sunlight couldn’t reach the bottom levels and the entire city had to be illuminated with fluorescent lights. It was a place where brothels, casinos, opium dens, cocaine parlors, food courts serving dog meat and secret factories ran unmolested by authorities. It was finally torn down in 1993 after a mutual decision was made by British and Chinese authorities, who had finally grown wary of the unsanitary, anarchic city and its out-of-control population.

Selbstverständlich würde ich für keine 3 Pfennig dort wohnen wollen, muss aber zugeben, dass mich beim Anblick der Fotos eine Mischung aus Faszination und Ekel befällt. Der Stadtteil wurde inzwischen zwar abgerissen, aber ich bin mir sicher, dass, solange der globale Großkapitalismus auch menschenverachtend bleibt, sich derlei gesetzlose Nischen überall finden werden. Kowloon Wall City bricht an allen Stellen des Globusses wieder hervor.

Wenn noch jemand eine kleine Video-Führung durch einen Teil des Inneren dieses Viertels haben möchte, weise ich mal auf diese Szene hier aus Bloodsport hin.

Link 1
Link 2

Und einen sehr informativen Aufsatz gibt es hier bei perspektive89.com (danke an serifenlos).

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