Alle vier Jahre

Geschrieben am 20 August 2008

Olympia 2008 entzieht sich vollkommen meiner Wahrnehmung. Im Vergleich dazu ist sogar Batman präsenter, obwohl ich mich nicht als ausgewiesenen Comic-Fan bezeichnen würde. Allerdings muss ich einwenden, dass ich die Olympischen Spiele das letzte Mal 1988, als sie in Seoul stattfanden, nur noch mit einem halben Auge wahrnahm. Damals war ich zwölf Jahre alt und empfand lediglich die Eröffnungszeremonie als ästhetisch beeindruckend (ohne seinerzeit zu wissen, was “ästhetisch” bedeutet). Danach kam Barcelona 1992 mit einem Song von Freddie Mercury und Montserrat Caballé sowie einem Rundflug über La Sagrada Familia, ich hatte inzwischen meinen ersten Perso und entwickelte andere Interessen als Sport.

Atlanta 1996 bestand vorwiegend aus Coca-Cola. Ab dann herrscht endgültig olympische Nacht, hin und wieder flackerte noch ein Eröffnungsfeuer auf, z.B. in Athen 2004, doch die Zeremonie in Peking ist (leider) an mir vorbei gegangen, ich sah bloß einige Fotos davon bei The Big Picture vom Boston Globe. Und bekam im Anschluss daran Nachrichten über die Pannen, Illusionen und Täuschungen mit. Von den sportlichen Ereignissen höre ich kaum etwas, eine solche Vielfalt empfinde ich offenbar den ganzen Tag über als zu verwirrend. Ich möchte den Fernseher nicht einschalten, letztendlich wird ja doch wieder etwas wie Synchronschwimmen gezeigt.

Bemerkenswert ist demgegenüber mein ansteigendes Interesse an Fußball-Großereignissen unter völliger Vernachlässigung von jeglichem Eröffnungszinnober. Dieses stellte sich kurioserweise zirka mit 16 ein, war zu Beginn eher ganz leise, schreit auch heute noch nicht laut vor sich hin. Die Tendenz ist aber erkennbar: Bin ich alt und grau, werde ich ein prügelnder Arminia-Hooligan sein.

Gestern habe ich dann doch zwanzig Minuten des olympischen Frauenfußballmatches Brasilien - Deutschland mitbekommen müssen, da ich mich mit mehreren Menschen zum Essen in einem Lokal, in dem es gezeigt wurde, befand. Das Spiel erhielt nicht viel Beachtung. Niemand weiß, wer gewonnen hat. Olympischen Fußball gucken ist in etwa so, als würde ich im real lieber wegen der größeren Auswahl das zweilagige Toilettenpapier kaufen und nehme an der Kasse für’s gesparte Geld noch’n Twix mit. Ist eben anders als bei EDEKA, wo man mit dem gleichen Geld bei weniger Auswahl zwischen Markennamen entscheiden muss.
Darüber hinaus läuft in den Räumen, in denen ich mich zur Zeit tagsüber aufhalte, ungefähr ab 11 Uhr vormittags die Berichterstattung aus Peking. Es wird erzählt, dass jemand die Bronzemedaille in irgendwas gewonnen hat. Ich habe keine Ahnung, um wen es sich drehen soll, doch glaube ich, seinen Namen schon einmal beim Brohm gelesen zu haben.

Wann ist noch einmal Abschlussfeier?

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2 Kommentare bis jetzt
  1. @irsign August 20, 2008 17:06

    Ich gucke gerne Fußball und auch gerne Olympia (nur Atlanta ging an mir vorbei und Peking großteils wegen der Zeitverschiebung), aber Fußball bei Olympia ist so überflüssig wie ein Gerstenkorn.

  2. Rouven August 20, 2008 22:40

    @airsign74: Kurzer und knackiger Vergleich, den kann ich voll nachempfinden ;-)


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