Eine ganz interessante Beobachtung macht Petra Kipphoff im “Wörterbericht” der aktuellen ZEIT (leider nicht online): Wenn ein Umstand aufgrund einer wirkenden Ursache eintritt, dann sei dieser neue Zustand eben der Ursache “geschuldet”. Die Wortbildung ist aber offenbar keine neue, fällt vielleicht zur Zeit besonders auf, im Hinblick größer werdender Schulden.
Die besonders üppige Apfelernte, so hieß es da [= im "Alltag der Bessersprechenden"] zum Beispiel, ist dem frühen Frost und der späten Sonneneinstrahlung geschuldet. Oder: Nietzsches Feststellung, dass Gott tot ist, schuldet sich der bedrängenden Fürsorge seiner Schwester, die sehr unvorteilhaft gekleidet war.
Natürlich können die Existenz aller dieser Umstände den jeweiligen Ursachen auch “gedankt” sein. Oder sie ihnen “verdanken”. Stellt sich nur die Frage:
“Warum wurde der Dank zur Schuld?”
Doch eine Beantwortung steht noch aus. Ich bitte um Vorschläge.
3 Kommentare
Das finde ich ja noch verstädnlich. Der Apfel schuldet der Sonne jetzt eben was dafür, dass die Sonne ihm geholfen hat zu wachsen.
Was ich noch viel befremdlicher finde ist das Wort ‘einstellen’ im Sinne von aufhören (und nicht jemanden Arbeit geben). Ich benutze es zwar auch des Öfteren, aber gerade Kinder gucken einen dann immer verwundert an.
Naja, ob der Dank überhaupt zur schuld wurde, vage ich zu bezweifeln.
Jedenfalls würde ich in beiden Fällen sagen, dass es sich um übertragene Wortverwendungen handelt. Wir kennen Rechtsgesetze und Naturgesetze. Anhand von übertretenen Rechtsgesetzen stellen wir fest, wer “schuld” ist an einem Rechtsbruch oder wem oder was dankenswerterweise eine einhaltung von Rechtsgesetzen gelingt.
Bei Naturgesetzen ist das nicht so einfach bestimmbar. Weder würde man sagen, die Sonne ist schuld am Blühen einer Pflanze, noch die Pflanze sollte der Sonne Dank schulden. So genau nimmt man es aber nicht. Daher gibt es bei den Katholiken eben ein Erntedank- und kein Ernteglückfest oder sowas.
Ich glaube, dass man die Frage gesellschaftlich sehen muss. Heut zu Tage sucht man ja ehr nach Schuldigen als das man für etwas Dankbar ist.
Das ist jetzt zwar etwas schlecht formuliert, zugegeben, aber ich glaube es verdeutlicht was ich meine.
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