Chiliạsmus [ç-, griechisch] der, die Lehre von einer tausendjährigen Herrschaft Christi auf Erden am Ende der geschichtlichen Zeit (Offenbarung des Johannes 20, 1‒10); im Mittelalter am deutlichsten formuliert von Joachim von Floris: Nach dem Zeitalter des Vaters (des Alten Testaments) und des Sohnes (des Neuen Testaments) sollte das tausendjährige Zeitalter des Heiligen Geistes beginnen. Religiöse Bewegungen der Neuzeit, die den Anbruch eines Friedensreiches auf Erden erwarten, werden häufig chiliastisch genannt. ‒ Als politischen Chiliasmus bezeichnet man die Hoffnung auf und den Einsatz für die diesseitige Verwirklichung eines (ewigen) Friedensreiches ohne religiöse Begründung.
aus Meyers Lexikon
aktuelles Anwendungsbeispiel:
[...] Es liegt grundsätzlich etwas von Strafgericht in den Beschwörungen der Wirtschaftskrise. Aber wie bei allen Chiliasmen eignet natürlich auch diesem etwas Lust- und Hoffnungsvolles, denn Apokalyptiker sind letztlich auch nur Genussmenschen, und so stehen die Prediger der Buße und der Sparsamkeit auch heute wieder etwas verloren zwischen denen, die sich sagen, dass das letzte Hemd schon deshalb keine Taschen hat, weil es gefälligst gut aussehen sollte. [...]
Peter Richter in “Apokalypse jetzt!”, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 28.12.08 (leider nur in Printversion kostenlos)
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