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“Ich laufe Amok. Jeden Tag.”

wp_01_1024_768Dass Hildegard Knef einmal ein derart großer Star gewesen sein soll, wie der neue Film von Kai Wessel suggeriert, war mir nicht bewusst. Vielleicht war es auch tatsächlich gar nicht so. Von den wenigen, bewusst wahrgenommenen Fernseheindrücken, die ich von “der Knef” gewann, bekam ich seinerzeit, glaube ich, Albträume. Eine alte Frau mit Spinnenbeinen an den Augen, die mit tiefer Stimme komische Sachen von sich ließ, insbesondere über andere Leute, die wiederum etwas über sie erzählten. Meine Eltern wussten auch nichts gutes von ihr zu berichten, wenn ich sie nach ihr fragte.

Ich kannte keinen einzigen Film mit ihr, wusste aber wohl von dem Skandal um “Die Sünderin”. Später vernahm ich ein paar merkwürdige Lieder, eines davon mit Extrabreit aufgenommen, dann eines Tages den grammatisch falschen, doch sehr unterhaltsamen Titel “Nichts haut mich um, aber du”. Um ihren Tod wurde plötzlich sehr viel Bohei gemacht, das Begräbnis wurde zum Berliner Medienereignis. Erst zu dem Zeitpunkt merkte ich überhaupt, dass die Frau früher einmal eine große Rolle in der Öffentlichkeit besessen haben musste.

Also schaute ich mir den Film – fast völlig unvoreingenommen – an, zeigte mich zu Beginn etwas resigniert, als ich feststellte, dass er 135 Minuten dauern sollte. Das wäre seit geraumer Zeit der längste Film, den ich mir im Kino ansehen sollte. Doch bereits nach gefühlten eineinhalb Stunden lief plötzlich der Abspann! Durch einen Blick auf die Uhr vergewisserte ich mich aber, dass die voll angekündigte Länge erreicht war. Ich hatte es nicht bemerkt (und das, obwohl in dem Film fast pausenlos geraucht wurde und ich nicht einmal Zigarettenschmacht empfand).

In den dauernden Zeitsprüngen, die ich sonst als billigen Kunstgriff empfinde, lag der Zeitsog nicht begründet, sondern einfach daran, dass die Geschichte sehr unterhaltsam ist und die Biographie der Knef – wenn dem so ist – genügend packenden Stoff liefert. Doch ich will für diejenigen, die noch hineingehen wollen, nicht spoilern. Wegen mir hätte der Film sogar noch weitergehen können, da die Handlung chronologisch anscheinend bereits gegen Ende der 1960er Jahre schließt.

Eines wird mir jedenfalls immer mehr zur Gewissheit: Das Showbiz ist brutal, man muss zur Diva geboren sein, um mit dem Boulevard gesund und lange leben zu können. Da ist mir ein Leben als kleiner Blogger (Poetry Slammer, Pressefuzzi etc. pp.) doch lieber. Oder aber ich entscheide mich für meinen künftigen, magischrealistischen Romandurchbruch für ein Pseudonym. Mir schweben dafür bereits ein paar Namen vor, wie z.B. Ernesto Jesu di St. Bimmbamm (weitere Vorschläge werden gerne entgegengenommen).

Trailer:


direkthilde

P.S.: Die Bielefelder Filminteressierten sollten in Erwägung ziehen, sich den Film am morgigen Sonntag um 12:30 Uhr in der Kamera anzusehen. Dann sind dort nämlich der Regisseur Kai Wessel sowie Heike Makatsch zu Gast.

2 Kommentare

  1. Randy schrieb:

    aber warum haben die denn heike makatsch für eine rolle genommen, in der gesungen werden muss….

    Dienstag, 17. März 2009 um 1:20 | Permalink
  2. meistermochi schrieb:

    an der kommunikation solcher sachen kann die kamera aber noch drehen…

    Dienstag, 17. März 2009 um 1:55 | Permalink

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