Es ist warm, wir schreiben es 17 Uhr MEZ und ich vermute, in Kürze taucht bei ziemlich vielen Bielefelder Twitternutzern das Tag “#siggi” auf. Zur Sicherheit füge ich dahinter meist noch “#bielefeld”, um darauf aufmerksam zu machen, dass es sich um ein lokales Phänomen handelt. Aber dennoch reagieren viele Leute von außerhalb mit Sicherheit befremdlich, wenn sie dies stets so unkommentiert und gehäuft lesen. Wer ist dieser Siggi?
Daher muss ich wenigstens einmal kurz festhalten, um was es sich dabei handelt. Zum einmal – und bei Gelegenheit immer wieder – verlinken.
Das hier, liebe Auswärtige, ist der Bielefelder Siegfriedplatz, kurz: Siggi, von oben abgebildet:

Geographisch gesehen liegt er im Bielefelder Westteil. Sobald die sommerliche Luft etwas erträglicher geworden ist, also meist gegen Abend, kommen die Bielefelder aus den Parks und von den Balkonen geschlichen und treffen sich dort zum informellen Gespräch. Das Phänomen kennen die Berliner Leser unter Euch bestimmt auch von der Admiralbrücke.
Dennoch: Ich versuchte es vor einiger Zeit, einem hier anwesenden Berliner Schriftsteller zu erklären, erntete aber Unverständnis. Vielleicht liegt dies daran, das sich niemand vorstellen kann, wie sich eine Horde Leute nach dem Prinzip der unsichtbaren Hand auf einem großen Platz ordnet, obwohl kein größeres, fließendes Gewässer in der Nähe ist. Nun ja.
Doch seht selbst: Ein (leider nicht sehr gelungenes) Handy-Panoramafoto von gestern Abend:
Oder ein zweites, aus der Menge:
Entgegen anderslautender, übler Gerüchte verbringt die Menge ein Großteil der Zeit damit, haufenweise Zitronenlimonade zu konsumieren und anregende Gespräche über andere, anwesende Platzbesetzer zu führen. Die Beliebtheit des Platzes ist dermaßen hoch, dass selbst die örtliche Prominenz sich auf den harten Boden bequemt. Seien es GNTM-Teilnehmerinnen oder “Schlag den Raab”-Gewinner, auch sie lassen sich gerne das Flaschenpfand von den vielen umherschwirrenden Sammlern entwenden.
Und daher kann es auch in meinem Twitteraccount gehäuft vorkommen, dass ein “#siggi” dort zu lesen ist. Ich hoffe, Ihr von außerhalb seht es mir nach.
EDIT: Ein viel schöneres Panorama-Foto hat @der_sowa geschossen. Hier der Link.
2 Kommentare
und denoch heisst die orthografisch richtige Abkürzung “sigi”……
Mag sein, schreibt aber keiner.
Ich würde mal behaupten, dass aus der okkasionellen Bildung “Siggi” längst Konvention geworden ist. Kannst ja mal ‘ne Umfrage auf dem Platz durchführen. Mir wäre es zu warm dafür ;-)
Ein Trackback/Pingback
[...] grauem Himmel begnügen. Die Schwüle blieb, die bloße Androhung von Wassermassen aber verhalf dem Lieblingsplatz “Siggi” merkwürdigerweise zu einem ungewohnt trostlosem [...]
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