Bedenkt man, dass Atommüll nach Expertenmeinungen für einen Zeitraum von einer Million Jahren sicher von der Biosphäre abgeschlossen werden muss, ist es nur folgerichtig darüber nachzudenken, wie man den zirka 30.000 nachgeborenen Menschengenerationen begreiflich macht, das Zeugs nicht anzurühren, was dort herumliegt und strahlt.
Was nutzen angesichts dieses enormen künftigen Zeitraums Verordnungen und Gesetze in deutscher Sprache im Wissen, dass die frühesten Keilschriftfunde ungefähr 5.000 Jahre alt sind, die deutsche Sprache gerade einmal 1.300 Jahre auf dem Buckel hat? Alle diese Zeichensysteme sind einem starken Wandel unterlegen.
Klarer Fall: es muss eine Disziplin für “Atomsemiotik” her!
Drei Dinge müssten der Nachwelt mitgeteilt werden:
1. dass es sich überhaupt um eine Mitteilung handelt,
2. dass an einer bestimmten Stelle gefährliche Stoffe lagern,
3. Informationen über die Art der gefährlichen Substanzen
Als einen der interessantesten Lösungsvorschläge für die weitere Informationsübermittlung halte ich die Idee von Thomas Sebeoks “Atompriesterschaft”,
…eines Gremiums von Experten, das Abgänge nach Art eines Kardinalskollegiums durch Neuernennungen ausgleicht. Wie die katholische Kirche über 2.000 Jahre ihre Botschaft bewahrt und deren Übersetzung in neue Sprachstufen autorisiert hat, so hätte die »Atompriesterschaft« die Botschaft vom Ort der Atommüllager und den Folgen des Eindringens zu bewahren und zu verbreiten, indem sie Rituale und Mythen schafft. Sie würden darauf hinweisen, welche Gebiete zu meiden seien und welche Vergeltung bei Nichtbeachtung drohen.
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