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Ohne Gegenkandidat

Als ich am Montagmorgen die abonnierte Mitarbeiter-Zeitung aus dem Briefkasten zog und aufschlug, lugten mir zahlreiche Gesichter entgegen: Lauter neue Bürgermeister aus der OWL-Region wurden mir mit Portraits und ihren jeweiligen, prozentualen Zusprüchen vorgestellt. Darunter habe ich auch alte Bekannte wieder entdeckt, ehemalige Kollegen und Berufsschul-Absolventen (vielleicht erwähnte ich es mal, dass meine Vita aus grauen Vorzeiten eine Verwaltungsausbildungzeit aufweisen kann).

Mit dieser kleinpolitischen Vorprägung ausgestattet schlägt der Landsmann die regionale Postille beinahe selbstverständlich mit einer gewissen Neugier auf: “Ach guck, der ist jetzt also Bürgermeister von Bad Xyz, aha” (und bemerkt nebenbei, wie fürchterlich der Online-Auftritt von Städten und Gemeinden sein kann, nur beispielsweise). Auch in meiner Heimatstadt wurde gewählt, und wie mir per Telefon glaubhaft vermittelt wurde, war man dort offenbar etwas pikiert darüber, für lediglich einen Kandidaten abstimmen zu können. Denn der bisherige Verwaltungschef kandidierte nicht mehr länger, ein neuer musste her. CDU und SPD einigten sich dort auf den Kämmerer. Am Ende gab es einen Stimmzettel mit nur einem Namen darauf.

Da ich bisher auch noch nie in den Genuss kam, einen Stimmzettel mit nur einer Option präsentiert zu bekommen, kann ich die Verwirrung-Irrung des Wahlvolks natürlich nicht ganz nachempfinden. Manch ein aktiv Wahlberechtigter würde bei solchen, ihm vorgesetzten Konstellationen womöglich gar nicht von Optionen sprechen. Noch nicht einmal nur vorsichtig ausgedrückt handelt es sich dabei vielleicht sogar um ein *räusper* Diktat der eingeschränkten Möglichkeiten : Du hast gefälligst zu wählen, wen oder was wir wollen. So kam es dort offensichtlich an, wie mir geschildert wurde. Und es fielen die Worte: “Sowas gibt’s doch nicht!

Doch so etwas gibt es sehr wohl, wie ich wusste. Und es kommt auch nicht besonders selten vor. Einen ähnlichen Fall gab es schließlich nur eine kurze Autofahrt von dort weiter entfernt, in Warburg im Paderborner Land. Dass die Kandidaten in beiden Fällen fast 90% der Stimmen bekamen, kann ich mir nur mit der ostwestfälischen Mentalität erklären. Die lässt sich in etwa wie folgt auf den Punkt bringen: Irgendjemand muss ja den Job machen.

Etwas weiter westlich sahen die Bürger in Telgte das offenbar anders. Der einzige Kandidat für das dortige Bürgermeisteramt bekam einen Vorsprung von nur 85 Stimmen. So etwas dämliches aber auch, dass dort 500 bis 600 Briefwahl-Stimmzettel verschwunden sind. Tss, tss.

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