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Den Affen zu machen

“Ein völliger Unsinn”, sagt Herr “JBK” Kerner zu dem Phänomen Twitter, nachdem er dem Fernsehpublikum ein dortiges Profil präsentiert, das offensichtlich zu Unrecht unter seinem Namen geführt wird. Gegen das unrechtmäßige Führen eines Profils unter seinem Namen ließe sich vorgehen. Gut.

Aber ich hege den Verdacht, dass sich seine Abschätzigkeit (oder, ich wage es kaum zu schreiben:Naivität?) nicht gegen den Dienst Twitter im Speziellen richtet, sondern gegen alles, was “da im Internet drin” oder meinetwegen “im Computer drin” ist. Nicht anders lässt sich nämlich seine abrupte, auf des Publikums Applaus’ ausgerichtete Reaktion deuten, in diesem Zusammenhang das Notebook zu schließen, und zwar mit den Worten: “Ich hoffe, sie haben nichts dagegen, wenn ich diesen Affen [murmelmurmel]“. Zack, zu und zur Seite geschoben war die böse Kommunikationstechnik. Zustimmendes Gejohle im Publikum. Ergraute TV-Journalisten nehmen sich den Namen des Dienstes vor, übersetzen ihn ins Deutsche und meinen, dass man ihn allein deshalb nicht ernst nehmen könnte. Schlimm, sowas.

Keiner von denen hatte auch nur im Ansatz verstanden, wie Twitter funktioniert. “Ich hab mal gehört, bei den Unruhen im Iran war das eine gute Sache. Stimmt, hab ich auch gehört. Aber sonst ist das doch nur belanglos, oder? Na, die paar Profile, die ich bei mir zuhause auf Twitter im “Internet-Fenster” angucke, sind auch nicht so spannend.

Erdachte Sätze, die mir die Nackenhaare an die Wolkendecke treiben lassen. Aber ich befürchte, sie sind im Alltag eher die Regel, wenn es um derlei Neuerungen geht und ihr Potential total verkannt wird.

Der multiplen Funktionsweisen von Twitter war sich anscheinend an diesem Fernsehabend niemand bewusst. Weder den Leute vor der Kamera, noch denen im Publikum.

[via]

4 Kommentare

  1. Marc schrieb:

    Mittlerweile weiß ich einfach was wir für eine erleuchtete Generation sind in Bezug auf das Internet als Kulturtechnik. Es bringt nichts dagegen anzukämpfen, dass andere Generationen das alles nicht verstehen. Schlimm wird es nur, wenn Leute in unserem Alter – und drunter – solche Dinge sagen und das passiert mir immer öfter. Deswegen: einfach das Wissen nutzen was wir uns erarbeitet haben

    Donnerstag, 1. Oktober 2009 um 8:54 | Permalink
  2. ben_ schrieb:

    Hm? Was ist denn das? Sei mal still! Ich hör da was. Ich glaub ich höre einen Huschmied schimpfen. Über Autos.

    Donnerstag, 1. Oktober 2009 um 10:06 | Permalink
  3. Brohm schrieb:

    meine güte, das wird langsam zu einer hopsäffchen-veranstaltung. irgendjemand sagt was uninteressantes über irgendeinen dienst, an dem man im internet spaß haben kann, und sofort wird demjenigen eine vollkommene lebensunfähigkeit bescheinigt (grob übertrieben – von mir – nur um schon mal einen kritikpunkt gegen mich vorwegzunehmen).
    und kaum hat derjenige es ausgesprochen, hoppsen die blogger/twitterer/wer auch schon los und verbreiten es mit dicker ader am hals im blog/bei twitter/wo auch immer. ob jbk twitter toll findet oder nicht, das ist doch wirklich so was von egal. und wenn sein publikum das ebenfalls doof findet (möglicherweise sogar das GESAMTE internet), dann ist das doch auch scheißegal.
    jetzt weiß ich nicht weiter aber das nehme ich mir mal raus.

    Donnerstag, 1. Oktober 2009 um 12:03 | Permalink
  4. Rouven schrieb:

    Danke für die “grobe Übertreibung”, Sacha. Ich bin mir der steten Provokanz Deiner Kommentare durchaus bewusst. Ebenso der Ironie, über diese Umstände ausgerechnet IM INTERNET zu wettern.

    Dennoch halte ich das nicht für egal. Ich halte schon zu oft meine Klappe, wenn mir derartige Arroganz und Überheblichkeit seitens dieser Edeljournalisten gegenüber dem Netz begegnet. Zumal sie wahrscheinlich ein Millionenpublikum besitzen und durch ihr Verhalten weiter Ressentiments schüren. Dann habe ich nicht nur eine dicke Ader, die platzt mir dann sogar.

    Aber wir sind ja nur ein Volk von Spinnern, die ohne soziale Fähigkeiten den ganzen Tag am Rechner sitzen.

    Wir sehen uns in der Arndstraße.

    Donnerstag, 1. Oktober 2009 um 12:52 | Permalink

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