Dass nun ausgerechnet ein ausländischer Journalist, nämlich Rob Savelberg vom niederländischen “Telegraaf”, die Frage nach Schäubles Rolle in der CDU-Spendenaffäre und dessen Kompetenz als designiertem Finanzminister stellen muss, diese Aussage ist nicht ganz fair gegenüber den deutschen Reportern.
Denn zum einen war die Konferenz noch nicht am Ende angelangt, vielleicht hätte jemand anderes diese Frage noch gestellt. Aber ob sie noch gekommen wäre, ist bloß Spekulation. Savelberg war nunmal der erste, der darauf kam.
Zum anderen dreht es sich hier um eine Pressekonferenz zu den schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen, also um Inhalte, nicht um Personalien.
Personalfragen hätte man natürlich einige stellen können, und – nebenbei – die Eignung von Schäuble hätte sich nach der Spendenaffäre schon früher, für jedes von ihm bekleidete Amt hinterfragen lassen. Man könnte ja auch immer noch nach Westerwelles Befähigungen für das Amt des Außenministers fragen. Oder nachhaken, wieviel Fachwissen für die Übernahme eines Ressorts eigentlich vonnöten ist, da hier offensichtlich dieses Mal Wildwechsel herrscht: Einer geht vom Verteidigungs- zum Ministerium für Arbeit und Soziales, ein anderer vom Wirtschafts- zum Verteidigungsministerium. “Du weißt doch, wie eine Bundesbehörde zu leiten ist. Hier, nimm doch die hier, die ist noch frei,” vermutet man da Gesprächsverläufe am Verhandlungstisch.
Aber, wie bereits geschrieben, Hauptthema waren Inhalte. Beim Lesen des Kommentars in der Süddeutschen zu den Koalitionsvereinbarungen kann einem jedenfalls Angst und Bange werden:
CDU, CSU und FDP werden in den kommenden Jahren einen radikalen Kurswechsel vornehmen. Es geht um die Entsolidarisierung der Gesellschaft. Bisher gilt, wenn auch schon mit Einschränkungen: Die Gemeinschaft hilft den Schwachen. Wenn schwarz-gelb fertig ist wird gelten: Jeder hilft sich selbst, dann ist an alle gedacht.
Wer hat die nochmal gewählt?
[via Jens Scholz und dem gefühlten, gesamten Rest der Blogosphäre]
[Update] Carsten spricht holländisch und hat den “Telegraaf”-Artikel für uns übersetzt: siehe hier.

2 Kommentare
Ich fordere mehr holländische Journalisten in Deutschland.
Ich hatte gerade kurz überlegt, ob ich den Titel ändere in “Nur eine Personaille”, als Wortkreuzung zwischen “Personalie” und “Kanaille”. Dann würde der Sarkasmus besser triefen.
Aber das hätte die URL wieder verändert und keiner hätte den Artikel wiedergefunden. Naja.
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[...] arbeitslos zu machen, in dem sie die Rolle der Spaßvögel gleich mit übernehmen. Dazu passt nicht nur der neue Finanzminister, sondern auch diese Posse: Die schwarz-gelbe Koalition begann mit Gelächter. Die ganze [...]
[...] vom niederländischen “Telegraaf” nicht nur motivierte Journalisten wie Rob Savelberg (der kürzlich Angela Merkel zur Personalie Schäuble befragte), sondern auch interessante Ideen zu Zeitungsformaten. Hier präsentieren sie z.B. ihren Beitrag [...]
[...] geschaffen. Als Maybritt Illner ihn jüngst auf die Frage von Rob Savelberg in der Pressekonferenz (wir erinnern uns) hinwies und ihn um seine Meinung über die Qualität des Journalismus bat, da musste er [...]
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