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Das Ego-Blog vom Bild-Chef

Der Kollege Sido hat es einmal ganz poetisch ausgedrückt: “Meine Stadt, mein Bezirk, mein Viertel, meine Gegend, meine Straße, mein Zuhause, mein Block; meine Gedanken, mein Herz, mein Leben, meine Welt reicht vom ersten bis zum 16. Stock.”

Das Einzige, das er vergessen hat: “Meine Kunst”. Die und ihren Besitzer finden Sie hier in meinem Büro im 16. Stock des Axel-Springer-Hauses in Berlin.

So spricht es Kai Diekmann und zeigt daraufhin sein Büro im 360°-Rundumblick. Beim ersten, schnellen Überlesen dachte ich noch: “Jetzt ist er total verrückt geworden und erklärt die Bildredaktion zu seinem Eigentum.” Doch da muss man genau hingucken. Der BILD-Chefredakteur sagt nur, dass auf dem Panoramabild die Kunst zu sehen ist, die sich in seinem Besitz befindet. Der oberste Angestellte der BILD ist juristisch also nicht zu belangen.

Sein neues Unterfangen, ein 100 Tage-Blog zu betreiben, strotzt dennoch nur so vor Selbstbewusstsein. Das lässt sich auch unter anderem an der Betitelung der Kategorien ablesen (Sechs der acht Kategorien beginnen mit “Ich” oder “Mein/e”) oder daran, dass er sich selbst interviewt. Im Medienblog turi2 hatte man zunächst die Vermutung, dies sei eine Persiflage auf das Gebaren, das Bloggern so gerne unterstellt wird:

Den Gedanken übrigens, Diekmann wolle mit seiner Site das Ego-Getue vieler Blogger und Web-2.0-er karikieren, weist Diekmann weit von sich. Er meint es ernst, irgendwie.

heißt es dort.

Doch ich frage mich, ob dieses neue “Chief”-Blog überhaupt etwas bringt. Denn schließlich kennen die wenigsten Leser der BILD-Zielgruppe die Namen derjenigen, die in der Redaktion sitzen. Meist sind diese nur an der “Information” (oder an den Bildern) interessiert. Wenn diese Projekt irgendeinen Zweck besitzt, dann nur den, der Netzwelt zu zeigen, dass man es halt auch kann. Oder für wie ernst Diekmann die Bloggerwelt nimmt, schließlich gibt es unter der ironisch benannten Kategorie “Mein Fanclub” jede Menge Seitenhiebe auf die bekannten, bloggenden Kritiker bei bildblog.de oder Stefan Niggemeier.

Auch wenn die Beiträge höchstwahrscheinlich vom Fußvolk auf die Seite gestellt wurden: Dafür, dass das Blog erst heute gestartet ist, sind dort bereits 47 Beiträge online. Das ist eine beachtliche Schlagzahl. Entweder, dort ist jemand äußerst eifrig am Schreiben oder, ja, oder die Artikel waren bereits vorbereitet. Im ersten Falle dürfen wir bis zum Ende des Tages bei gleicher Frequenz mit ungefähr dem doppelten an Postings rechnen.

Ein Kommentar

  1. esgibtsie schrieb:

    Hihi – und weil sich alle Blogger des Landes über dieses Thema auslassen und darauf verlinken, ist der Sack bestimmt bald auf Platz 1 der Blogcharts, wird sich rühmen, Deutschlands wichtigster Blogger zu sein und das isser dann ja auch irgendwie.

    Dienstag, 27. Oktober 2009 um 19:20 | Permalink

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