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Der nächste Eurovision-Star und die Netz-Folgen [Update]

Gestern abend saß ich vertieft vor einigen Dokumenten an meinem Rechner und ließ nebenbei den Fernseher laufen. Ich hatte neuere Simpsons-Folgen erwartet, bekam stattdessen aber die erste Sendung der neuen Pro7/ARD-Casting-Kollaboration (Funktion) auf dem Weg zum “Eurovision Song Contest” in’s Haus geliefert. Aus Enttäuschung darüber vergaß ich wohl ganz, die Glotze wieder auszuschalten, während ich mich wieder dem Bildschirm widmete.

Zwischendurch nahm ich desöfteren mit einem Ohr wahr, wie bemüht sich die Jury (bestehend aus Stefan Raab, Ivonne Catterfeld und Marius-Müller Westernhagen) versuchte, sich von anderen Casting-Shows abzugrenzen, indem sie die Kandidaten mit ihrer Kritik in Watte hüllte. Im Gegensatz zu Bohlens harschen Worten sollte mir das eigentlich gut gefallen, doch diese beinahe offene Distanzierung fiel derart auf, dass es fast unmöglich schien, sie zu ignorieren.

Und das, was in musikalischer Hinsicht von der Seite in mein Ohr dröhnte, war auch nicht viel bemerkenswerter als das gewohnte Gedudel aus dem Radio (zumal die Kandidaten ihr Können anhand bereits bekannter Stücke präsentieren mussten).

Die Redaktion der Sendung bewahrte sich aber anscheinend eine kleine Sensation bis zum Schluss der Sendung vor. Die letzte Kandidatin des ersten Teils von “Unser Star für Oslo” war nämlich die erst 18-jährige Lena Meyer-Landrut, steht kurz vor dem Abitur und interpretierte den Song “My Same” (?) von “Adele” (?). Ein Swingstück, bei der die junge Interpretin [–>Return of the ZDF-Hitparaden-Jargon] ein Soulorgan hervorholte, das niemand ihrem Körper vorher zugetraut hätte. Einige, kleine Intonations-Improvisationen hier und da – ob unbeabsichtigt oder aus Berechnung geschehen, konnte nicht abgeschätzt werden – bewirkten, dass das Publikum ganz aus dem Häuschen über die Frau war. Zu recht, wie ich fand.

Im Netz spielten sich daraufhin aber ganz merkwürdige Dinge ab.

Zum Einen wird bei der Wikipedia einmal wieder gemeint, die Relevanz von Personen einschätzen zu können. Die Google-Suche nach “Lena Meyer-Landrut” zeigte in der Ausgabe der Ergebnisse folgenden Wikipedia-Anriss:

Jemand scheint sich also bereits nach oder während der Sendung die Mühe gegeben zu haben, daran zu arbeiten. Ein Klick auf den Link verrät allerdings, dass es dort anscheinend unterschiedliche Meinungen gibt. Screenshot:

Es gab auch schnell einen Link in den Suchmaschinen, der zu Youtube führte und den Auftritt von Frau Meyer-Landrut als Video preisgab. Doch nach einem Klick auf denselbigen wurden Interessierte schnell gewahr, dass der Rechteinhaber für die Entfernug des Videos gesorgt hatte. Die Pro7-Produktionsfirma “Brainpool”, die für die Sendung verantwortlich zeichnet, war offenbar rasant schnell bei der Wahrung ihrer Rechte im Netz zur Stelle.

Und sie ist anscheinend daran interessiert, dass sich die Zuschauer im Nachinein den Ausschnitt nur auf ihrer Plattform bei pro7.de ansehen können, inklusive Teaser, anschließender Jury-Diskussion und vor allem: Werbung. Die komplette Sequenz dauert mit dem sendereigenen, proprietären Format immerhin 8:35 Minuten (zum Vergleich: der Auftritt Meyer-Landruts selbst hat darin eine Länge von nur zirka zweieinhalb Minuten). Wer will, kann sich das komplett hier antun.

Dafür, dass den Produzenten so sehr an Besuchern auf ihren eigenen Seiten gelegen ist, mutet es seltsam an, dass ihre URL “unser-star-fuer-oslo.de” oder irgendeine Pro7-Website von den Suchmaschinen nicht gelistet wird (ich habe allerdings auch nur die ersten sechs Google-Seiten überflogen).

Stattdessen tritt eine Seite vom Partner NDR zutage. Und da Lena Meyer-Landrut nach ihrem spektakulären Auftritt ihre Nervosität damit erklärte, sie habe noch nie vor einem Mikro und auf einer vergleichbaren Bühne gestanden, kommt
dem Leser ihres NDR-Profils folgende Aussage etwas, naja, spanisch vor:

Möglicherweise kommt Lenas Gesicht dem einen oder anderen Zuschauer trotzdem bekannt vor. Das könnte daran liegen, dass sie bereits in verschiedenen Fernsehserien als Komparsin mitgewirkt hat.

An dieser Stelle Nachlässigkeit zu unterstellen, wäre höchstwahrscheinlich Haarspalterei. Zwischen Komparsin sein und live vor einem Millionenpublikum zu stehen kann ein meilenweiter Unterschied angenommen werden. So hart gehen wir nicht in’s Gericht.

Und ich bleibe dabei: Die Frau ist gut. Wäre ich ++ Jahre jünger und noch zu haben, hätte ich bestimmt jetzt schon ein Wallpaper von ihr auf dem Desktop und würde ihr Briefe schreiben, die von irgendwelchen Pro7-Angestellten in ihrem Namen beantwortet würden.

P.S.: Ein findiger Youtube-Nutzer entzieht sich übrigens derzeit erfolgreich den Rechteinhabern, indem er lediglich den Ton des Meyer-Landrut-Auftritts über ein eigenes Video gespielt und zur Verfügung gestellt hat. Der sichtbare Inhalt des Videos hat zwar überhaupt gar nichts mit der Sendung zu tun, aber das ist schließlich egal: Es geht ja um die Musik.

[Update 3.2.2010] Jetzt ist zumindest der im Beitrag verlinkte ARD/Pro7-Partnerprojekt “unser-star-fuer-oslo.de” auf der ersten Treffer-Seite gelandet.

3 Kommentare

  1. Jeriko schrieb:

    Rein statistisch gesehen kann man Suchmaschinentreffer von Google schon ab Seite 3 als nicht mehr relevant einstufen, von daher würde ich mir als pro7.de da eventuell Sorgen machen.

    Ich hab mir den Auftritt dann doch lieber bei YouTube angeschaut. Die hat tatsächlich was, und es ist vor allem mal was Neues!

    Mittwoch, 3. Februar 2010 um 11:03 | Permalink
  2. Rouven schrieb:

    Mittlerweile hat man es anscheinend gemerkt. Der Beitrag steht inzwischen auf der ersten Trefferseite.

    Mittwoch, 3. Februar 2010 um 11:28 | Permalink
  3. Horst schrieb:

    http://horstvomborst.blog.de/

    Donnerstag, 4. Februar 2010 um 20:45 | Permalink

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