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Im Kleinen

“In Lügde ist alles ganz anders!” Das war einstmals – weit muss ich zurückdenken – ein Marketing-Slogan meiner kleinen Heimatstadt. Und in einiger Hinsicht trifft dieser Satz auch heute noch zu.

Jetzt, am Osterwochenende, war ich wieder einmal dort und habe mich unter anderem mit dem lieben, alten Kollegen Volker getroffen. Ich hatte ihn, seit ich Lügdes Stadtverwaltung vor über 12 Jahren den Rücken gekehrt hatte, nicht mehr vis-à-vis gesprochen, aber vor einiger Zeit haben wir uns im Netz wiedergefunden. Volker betreibt nicht nur sein eigenes Blog “Soheit“, sondern betreut auch die Online-Aktivitäten der Stadt Lügde. Und was letztere betrifft, hat er in jüngster Zeit einige konsequente Schritte gemacht.

Doch vorab: Seit geraumer Zeit gibt es das Portal “Lippeblogs“. Marten Oosterhoff, ein ehemaliger Blomberger, hat es ins Leben gerufen. Im Prinzip funktionieren die Lippeblogs wie ein Weblog Service Provider im Stile von zum Beispiel blog.de oder twoday.net, mit dem Unterschied, dass der gemeinsame “rote Faden” im regionalen Bezug zum Kreis Lippe liegt. Auf der Hauptseite von Lippeblogs erscheint dann immer eine Auswahl an aktuellen Artikeln aus dem gesamten Pool. Der Nutzen besteht glasklar in der Möglichkeit der gegenseitigen Vernetzung.

Nun hat Volker etwas getan, was wahrscheinlich Seltenheitscharakter bei Internetpräsenzen von Gemeinden besitzt: Er hat die bisher statische Website der Stadt Lügde gespiegelt und sämtliche Inhalte auf das dortige Blog luegde.lippeblogs.de gezogen. Dazu leitet die bisherige Domain “luegde.de” auf eben dieses Blog um. Nun können die Leser am neuen Platz nicht nur kommentieren, sondern auch mittels eines Trackbacks auf eigene Beiträge verweisen (Testlink). Darüber hinaus lassen sich jetzt auch alle neuen Beiträge per RSS abonnieren.

Die Stadt Bielefeld bietet demgegenüber lediglich ein Gästebuch als Möglichkeit der Beteiligung an. Und unsere Bundeshauptstadt kommt noch nicht einmal auf die Idee, aktiv einen Feed anzubieten.

Lobesworte für eine technische Erweiterung von Diskussionsmöglichkeiten mögen dem ein oder anderen noch wie die übertriebene Hymne eines Netzapologeten vorkommen. Doch wenn man sich die Situation vor Ort einmal genau betrachtet, erkennt man schnell den Nutzen dieser Mühen. Für Lügde sind nämlich zwei konkurrierende Zeitungen zuständig, einerseits die “Lippische Landeszeitung“, andererseits die “Pyrmonter Nachrichten“. Man könnte auf die Idee verfallen, beide Medien kloppten sich um die News aus der kleinen Randstadt. Doch dem ist nicht so, denn beide haben natur- und blattgemäß nur soviel Platz für Meldungen und Nachrichten übrig, wie es ihnen ihre jeweiligen Seiten gestatten. Und leider erlaubt der Nachrichtenwert nicht besonders viele Geschichten neben Unfällen und den Änderungen von Straßenverläufen.

Wenn der Kindergarten XYZ über neue Konstellationen im Kollegium oder über Feiern auf dem Spielplatz vor der Tür informieren wollte, dann stieß dieses Bedürfnis nach herkömmlicher Außenwirkung eher auf redaktionelles Lächeln. Und wird in die Warteschleife befördert. Punkt.

Da böte sich das Netz mit seinem immensen Platz und seinen unendlichen Gestaltungs-, Verbreitungs- und Teilhabemöglichkeiten doch für alle Mängel an. Oder nicht?

(Bild: foxypar4, Lizenz)

3 Kommentare

  1. Lampe schrieb:

    Das ist mal wirklich was schönes, und etwas vor dem Verlage wirklich mal Angst oder Respekt haben sollten. Die Frage ist nur… wie kann das auf größere Städte portiert werden?

    Montag, 5. April 2010 um 17:50 | Permalink
  2. Carsten schrieb:

    @lampe Reaktivierung der Blogboys mit Satellitenbloggern für jedem Stadtteil, Podcasts, Fotos, Videos von Lesungen, Aktionen, Interviews mit all der publizistischen Freiheit, die die Zeitungen heutzutage scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Ein Horror-Szenario ;-)

    Dienstag, 6. April 2010 um 10:50 | Permalink
  3. Rouven schrieb:

    Wenns mehrere Satellitenblogger gibt, verlässt sich der einzelne dann wieder darauf, dass ja noch andere da sind, die an seiner Stelle was schreiben können. Und dann schläft es wieder ein.

    Da muss dann schon ein Knebel-Blogzwang für alle her. Damit’s Spaß macht ;-)

    Sonntag, 11. April 2010 um 20:37 | Permalink

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