Einige Printmedien bekommen auch durch kostenlose Kleinanzeigen einen gewissen Unterhaltungswert. Z.B. lieferte der Anzeigenteil in der ULTIMO früher so manchen Anlass für einen Lachanfall, wenn dort jemand versuchte, eine flüchtige Bekanntschaft aus der Disco oder der Stadtbahn wiederzufinden.
Aber ich habe den Eindruck, dass das weniger geworden ist, zugunsten allgemeinem Herumgestalke in Online-Netzwerken. Und auch die studentische WG-Suche, bisher nicht minder amüsant auf Papier zu lesen, ist inzwischen größtenteils auf Plattformen wie wg-gesucht.de oder studenten-wg.de abgewandert.
Mochte man bisher nicht unbedingt nur Studenten zu seiner Zielgruppe zählen, entschied man sich i.d.R. für eine kostenpflichtige Anzeige in der Tageszeitung. Und das war sogar meistens für diejenigen, die etwas darin suchten, ein Anreiz, sie zu kaufen. Perfektes Futter also.
Da könnte jetzt aber Bewegung hineinkommen: Die Studi-/Schüler-/MeinVZ-Gruppe macht einen kostenlosen Kleinanzeigenmarkt auf. Und verzeichnet eigenen Angaben zufolge nach einer Testphase von drei Monaten bereits 17.000 Nutzer mit 2.000 Anzeigen, mittels einer Anzeigen-App der Firma anounz.
Es ist interessant, dass Facebook nicht auf diese Idee gekommen ist. Vielleicht liegt das daran, dass es sich um einen amerikanischen Konzern handelt und der Online-Kleinanzeigendienst “Craigslists” diesen Markt bereits in den USA dominiert. “Craigslists” gilt in den USA als Zeitungskiller, kommt aber in Deutschland (wahrscheinlich wegen seines spartanischen Auftritts*) nicht an. Die deutsche Dependance von Facebook könnte jetzt aber auf Gedanken gebracht werden. Zumal sie hierzulande inzwischen höhere Zuwachsraten und Nutzerzahlen haben.
Die örtlichen Tageszeitungen (eine davon ist schließlich auch mein Arbeitgeber) müssen sich also warm anziehen. Sie müssen – wenn sie nicht schon dabei sind – nun online ebenfalls Anzeigenmärkte aufstellen. Und beim Nutzer nach Möglichkeit die Vorteile des Lokalen hervorheben. Oder diese Vorteile erst einmal erzeugen.
Hach, das wird alles noch lustig.
*in Deutschland brauchen die INet-Nutzer ja immer viel blingbling-myspace-knuddels-Kram

Ein Kommentar
Lokalisten.de – so erzählten die Nachbarskinder der alten Frau – hat dieses Kleinanzeigen-Gedöns schon lange.
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