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Wer hängt sich denn hier einen um?

Es passiert wahrscheinlich jedem Menschen, dass ihm gelegentlich Sprichwörter oder Redewendungen begegnen, die ihm so fremd erscheinen wie Kühe auf dem Drahtseil. Mir ging es dieser Tage ebenso, als ich den NW-Artikel über die Gesundheit der Deutschen (siehe hier) las und an einer Stelle darin irritiert war.

Dort ging es nämlich im vierten Absatz um den Alkoholkonsum und über die unterschiedlichen Gewohnheiten zwischen den Einwohnern einzelner Bundesländer. Zitat (Link):

In NRW hängen sich vier Prozent der Befragten regelmäßig mindestens einmal in der Woche einen um, in Thüringen und Sachsen sind es gar 4,5 Prozent.

„Einen umhängen“ sollte vermutlich eine allgemein verständliche Metapher für „sich betrinken“ sein. Ich fühlte mich in meiner Unkenntnis dieser Wendung allerdings verunsichert, und das als einstiger Linguistikstudent, der doch einige Seminare zu Phraseologien belegt zu haben glaubte.

Es half nichts, ab in die Runde mit meiner Frage per Twitter:

Und es kamen Antworten. Jede Menge sogar.

@schreiblockade schrieb wenige Minuten später: “@Rouven Kenn ich
@LeFronc ließ sich auch nicht lange mit einem “@Rouven Kenn ich auch…. #umhängen” bitten.
@womke ergänzte mit einem weiteren “@Rouven und wie ich die kenne.” Eine weitere, anonym agierende, Bielefelder Twitterin bekräftigte mir die Aktualität der Phrase, indem sie erwähnte, sie soeben noch in den Mund genommen zu haben: “@Rouven Klar kenn ich das – ist sogar in meinem aktiven Wortschatz – eben noch zur Kollegin gesagt sie solle sich mal wieder einen umhängen.”

Das hatte natürlich zur Folge, dass ich das Gefühl eben jener noch gedachter Kuh auf dem Drahtseil teilte. Alle um mich herum redeten in fremden Zungen, zwar nicht so schlimm wie plötzlich aufkeimendes Aramäisch bei guten Freunden. Aber immerhin eine Erfahrung, die gut geeignet schien, mich beinahe freiwillig für eine Art regionalen Integrationstest einzuschreiben, sollte er denn von mir verlangt werden.

@LeFronc brachte die spontane Rettung mit dem Gedanken, es könne sich hierbei um eine Sprachbarriere vom Westfälischen zum speziell Lippischen handeln. Er wusste von meiner Vergangenheit als “Beute-Lipper” und könnte Recht behalten. @exploKueken bestätigte ihr Unwissen über diesen Ausdruck. Und ist ebenfalls gebürtige Lipperin.

Meine zwischenzeitliche Feststellung…

… wurde zwar kurz von @Reddie (“@rouven hier ist auch “Sich einen umbinden” gebräuchlich“) und erneut von @Schreiblockade (“@Rouven das mit der Binde kenne ich auch, da ich aber seltenst Binden trage, finde ich die Formulierung unpassend ;)“) hinsichtlich des Umbindens kommentiert, aber letzten Endes bestätigten mir dann noch einmal zwei Twitternutzer, die ihr Profil lieber nicht öffentlich halten, meinen Verdacht, dass wir Ur-Lipper in OWL einfach nicht mitreden können/dürfen. Einen umhängen?

„Ich (gebürtige Lipperin, seufz) kenne das nicht.“

und

„dito (sowohl als auch…)“

2 Kommentare

  1. Will Sagen schrieb:

    Schön finde ich noch die Bezeichnung, nachdem man sich “einen umgehängt”, dass man dann “ordentlich Saft im Turm” hat. Habe ich neulich in einer polizeilichen Ermittlungsakte gelesen. :D

    Samstag, 25. September 2010 um 9:04 | Permalink
  2. Feylamia schrieb:

    Ich bin Lipperin und kenne das …

    (Tschuldigung. :-D)

    Sonntag, 26. September 2010 um 9:46 | Permalink

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