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Viele Ansätze im Sublokalen

"Wie wird man zum Local Hero?" auf der re:publica 2011

Stefan Aigner, Rainer Kurlemann und Philipp Schwörbel beim re:publica-Panel “Wie wird man zum Local Hero?” (Foto: re:publica 2011)

Auf der re:publica-Konferenz fand auch ein Panel statt zu einem Thema, dass mich beruflich interessiert. In “Wie wird man zum Local Hero? Lokaljournalismus im Internet” präsentierten vier Internet-Lokaljournalisten ihre Erfahrungen. Allein bei der Zusammensetzung der Sprecher wurde sofort deutlich, dass es offenbar viele verschiedene Ansätze für Hyper- bzw. Sublokalität (letzteren Terminus verwenden wir bei der NW) gibt. Hardy Prothmann vom heddesheimblog.de hatte aus Termingründen abgesagt. Stattdessen wurde aber Stefan Aigner von regensburg-digital.de gefunden. Aigner war sowieso auf der re:publica, weil er dort kurz zuvor über seine Erfahrungen mit Abmahnungen referiert hatte.

Neben Aigner sprachen Carolin Buchheim vom freiburgischen fudder.de, Philipp Schwörbel von den “Prenzlauer Berg Nachrichten” und Rainer Kurlemann als Online-Ressortleiter der Rheinischen Post.

Dort hingegangen bin ich mit dem Verständnis, sublokal bedeute ins tiefere Detail des Lokalen zu schauen. Und “Local Hero” impliziere, die Berichterstattung sei personalisiert. Also so, wie wir es bei der NW mit einem Stadtteil und mir als Hauptperson in “Bielefelds Westen” versuchen. Die vorgestellten Konzepte verfolgen aber anscheinend ganz andere Strategien, je nach Hintergrund.

•  fudder.de scheint die ganze Stadt Freiburg zu berücksichtigen. Das Portal wird über einen Online-Verlag von der Badischen Zeitung betrieben. Es richtet sich aber weniger an die Zeitungsabonnenten, sondern an ein jüngeres Publikum, mit Szene-Hinweisen, Gewinnspielen, Foren zum Mitreden etc. pp. Gar kein schlechtes Ding, finde ich. Der Begriff “sub-” oder “hyperlokal” wird hier auf jeden Fall als “anders als das Stadtblatt” begriffen.

• Anders als das Stadtblatt ist auch regensburg-digital.de. Stefan Aigner hat vormals für das etablierte Printmedium gearbeitet, empfand den dortigen Lokaljournalismus aber zu unkritisch. So manches Bauvorhaben müsste stärker kritisert werden, als es die Lokalzeitung tut. Daher hat er sich selbständig gemacht und das genannte Onlinemedium gegründet. Es kümmert sich ebenfalls um die gesamte Stadt, aber parallel zu den etablierten Medien. Sie recherchieren dort etwas länger und tiefer, veröffentlichen nicht unbedingt immer täglich, dafür erreicht das Angebot inzwischen an die 150.000 Visits im Monat (wenn ich das korrekt herausgehört habe). Obwohl unabhängig und mutig, ist regensburg-digital.de nach eigenen Angaben unterfinanziert. Der eigene Förderverein bittet um Spenden und Mitgliedschaften.

• Philipp Schwörbel war bereits stark in den Medien vertreten. Über seine “Prenzlauer Berg Nachrichten” wurde schon oft in Fernsehbeiträgen berichtet. Anlass für die Gründung dieses Online-Verlags sei gewesen, dass die Berliner Zeitungen so gut wie gar nicht mehr über Neuigkeiten politischer oder kultureller Couleur im Stadtteil berichten. Die Lücke soll das seit Anfang Dezember gestartete Angebot [Anmerkung: Interessant für mich. Fast genau so lange wie der “Westen”] schließen. Die Prenzlberger haben allerdings keinen Verlag im Rücken und regeln alles selbst. Das wird noch richtig spannend. Ich bin übrigens richtig angetan von deren schlichtem Layout. Beim Anblick dessen öffnet sich mir der Mund Homer-Simpson-like und lässt Speichel fließen. Komm rein, Info.

• Bei der Rheinischen Post sah ich viele Parallelen zu den Bestrebungen der NW. Das war fast identisch. Allerdings auch nur im Hinblick auf die allgemeinen Strategien. Rainer Kurlemann berichtete darüber, dass der bisherige Content aus dem Print anhand neu definierter Stellen [Anmerkung: Nicht von neu eingestellten Leuten] vor Ort sofort in den Online-Bereich gehievt wird. Brennt irgendwo etwas, will der Nutzer das nicht erst am nächsten Tag aus dem Blatt erfahren. Das müsse online “angeteasert” werden.

Ich hab mich übrigens rund um die re:publica mit allen Vortrags-Teilnehmern mehr oder weniger unterhalten können. Bis auf Stefan Aigner, den hab ich aber immerhin später “virtuell erwischt”. Und ich habe einige Fazits nach der “Local Hero”-Veranstaltung gezogen:

1.) Das nächste Mal sitze ich da vorne und erzähle

2.) Und dann sag ich, wie das eigentlich ist, wenn man sich mit den Nachbarn tatsächlich unterhält.

Oder 3.) mit ihnen Spaß macht, wie z.B. hier: “Rouven Street View

P.S.: Alle Sub- oder Hyperlokalen Aktivitäten, wie sie auch gestaltet sein mögen, bewerte ich mit “<3"

P.P.S.: Huch, Carsten schreibt hier:

“Wie wird man zum local hero?
Fragen wir das diejenigen, die außer regenbsburg-digital.de eben genau keine local heros sind: Fudder, die schlichte Zeitungsseite RP-Online.de und die wohl immer noch die Texter nicht bezahlenden Prenzlauer Berg Nachrichten. Fragen wir nicht tatsächliche local heros wie Rouven vom Bielefelder Westen, den Düsseldorf-Blog.de oder die Rainersche Post.” (Link)

Na, irgendwie sind auch alle der präsentierten Seiten tatsächliche “Local Heroes”. Als Synekdoché, also als Metapher für ihre Berichte begriffen geht das schon. Die wenigsten wagen das lokale Geschehen aber auf eine Person hin fixiert. Bei der NW galt dies für den Probeversuch – um einmal um dem Nähkästchen zu plaudern – wirklich für eine reale Person. Wir hatten aber den Begriff “Local Hero” vermieden. Wegen des implizierten Heldentums, aufgrund dessen man sich ziemlich lächerlich machen könnte, wenn dem nicht so ist.

Und jetzt raten Sie mal, wer den Verantwortlichen den “Local Hero”-Begriff ausreden musste. Genau. Ich heiße übrigens Rouven.


Links:
Prenzlauer Berg Nachrichten
Regensburg Digital
Fudder.de
Bielefelds Westen

Und muss ich jetzt wirklich die Online-Version der Rheinischen Post verlinken?

Ein weiteres P.S. (schon das dritte): Das aktuelle Magazin der ZEIT porträtiert in seiner Journalismus-selbstkritischen Ausgabe das Portal bruchsal.org als Netz-Alternative zu der dortigen Zeitung Bruchsaler Rundschau. Zum Artikel.

Ein Kommentar

  1. Carsten schrieb:

    Man ist doch kein local hero in journalistischer Hinsicht, wenn ich einen Bericht schreibe, der etwas Lokales zum Thema habe. Man ist es auch nicht, wenn man ein besserer Veranstaltungskalender ist oder Jemand, der mit Glücksversprechen andere für sich schreiben lässt oder eine Zeitung, die beleglos behauptet, man sei lokalkritisch. Man ist es dann, wenn man sich individuell als Bericht erstattende Instanz bewährt hat. Im Titel der Veranstaltung wird doch nahe gelegt, dass es darum ginge zu beschreiben, wie diese Entwicklung von statten geht.

    Stefan Aigner hat das in Ansätzen gut erklärt. Der ehemalige Sparrenburg-Blogger und heutige NW-Blogger Rouven könnte Erfahrungen und Schwierigkeiten sicher auch sinnvoll gewichtet darlegen. Aber beim Vortrag habe ich nur noch drei Vermarkter gesehen, die gerade nicht erklären konnten, wie man local hero wird, eben weil bei diesen Projekten lediglich die erfolgreiche Vermarktung das Ziel ist. Ein kritischer Ansatz stört da doch nur.

    Mittwoch, 20. April 2011 um 11:15 | Permalink

2 Trackbacks/Pingbacks

  1. Eindrücke von der re:publica 2011 | benutzerfreun.de on Montag, 18. April 2011 um 9:01

    […] Bei einer Podiumsdiskussion, geleitet von Carolin Buchheim vom freiburgischen fudder.de, unterhielten sich Stefan Aigner von regensburg-digital.de, Philipp Schwörbel von den Prenzlauer Berg Nachrichten und Rainer Kurlemann (Online-Ressortleiter Rheinische Post) über Lokaljournalismus im Internet. Sie erzählten jeweils, was ihre persönlichen Gründe waren, ihr Blog zu starten und welche Zukunft sie für Hyperlocal News sehen. Gut zusammengefasst hat es ihr lokaljournalistischer Kollege Rouven Ridder aus Bielefeld in seinem Blog. […]

  2. re:publica 2011 – einige Notizen | Content Crew on Montag, 18. April 2011 um 18:51

    […] Bei der Podiumsdiskussion, geleitet von Carolin Buchheim vom freiburgischen fudder.de, sprachen Stefan Aigner von regensburg-digital.de, Philipp Schwörbel von den Prenzlauer Berg Nachrichten und Rainer Kurlemann (Online-Ressortleiter Rheinische Post) über Lokaljournalismus im Internet. Sie erzählten jeweils, was ihre persönlichen Gründe waren, ihr Blog zu starten und welche Zukunft sie für Hyperlocal News sehen. Gut zusammengefasst hat es ihr lokaljournalistischer Kollege Rouven Ridder aus Bielefeld in seinem Blog. […]

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