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Bastelstunde

Bei meinen Eltern auf dem Dachboden dürften sich noch viele alte Bücher befinden. Zwischen den “Was-Ist-Was?”-Bänden müsste sich unter anderem ein Buch, ach was, ein Foliant namens “Moumente der Welt” befinden. In der Vorweihnachtszeit des Jahres 1988 wurde dieses 3,5 Kilogramm schwere Buch in den drei verfügbaren Fernsehsendern stark beworben. Zwölfjährige Jungen hatten damals™ nichts Besseres zu tun, als die Eltern daraufhin zu bequengeln, dieses, nur dieses eine Buch als Geschenk unter den Weihnachtsbaum zu legen. Es kostete seinerzeit 110 Deutsche Mark, wenn ich mich recht entsinne.

417 Seiten rappelvoll mit sogenannten Wundern konnte der kleine Rouven sodann – nachdem er es tatsächlich geschenkt bekam – aufgeregt durchblättern: Technik, Archiktektur, menschlicher Größenwahn in all seiner Pracht mit Bildern in aufklappbarer DIN A3-Form. Aus heutiger Sicht wirkte es, als befände sich ein äußerst umfangreicher Wikipedia-Artikel auf Hochglanzpapier zwischen meinen Fingern.

Jungs im begeisterungsfähigen Grundschulalter neigen dazu, Dinge, die sie bewundern, nachzuahmen oder zu -bauen. So auch ich. Ich malte nach, schnitt Papierbögen zurecht und bald besaß ich ein kleines Diorama der Weltwunder. Vom Taj Mahal bis zu den Pyramiden von Gizeh, vom Eiffelturm bis zur Akropolis standen die Sehenswürdigkeiten dieses Globusses konzentriert in meinem Kinderzimmer. Papiergewordene Phantasien als Ersatz für viele Reisen, die den Reihenhausjugendlichen stattdessen nur in holländische Center Parcs führten.

Von all den Miniaturen waren die allerersten, die ich anfertigte, geichzeitig diejenigen, die die wenigste Zeit beanspruchten: Die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York. Vier Scherenschnitte an den Seiten, auf einem der beiden Rechtecke noch ein Schnippsel für die Antenne angefügt. Mit dem Bleistift ein paar parallele Linien entlanggezogen, fertig war das Ebenbild. Aus rein architektonischer Sicht war das WTC, abgesehen von seiner Größe, keine Glanzleistung. Aber es bescherte kleinen Jungs einen einfachen Nachbau. Wir haben nämlich in jungen Jahren noch keinen Sinn für Kurven.

Gut ist die Erinnerung noch an einen meiner letzten papierenen Nachbau-Versuche, dem vom Taj Mahal. Erst nach gefühlten drölfzig Versuchen stand die Zwiebelkuppel einigermaßen symmetrisch. Aufgrund dieser Erfahrung hatte ich mich dem Moskauer Kreml nicht weiter gewidmet. Wie wohl demgegenüber doch das Gefühl eines perfekt gelungenen World Trad Centers war. Schade drum. Heute müssten bastelwütige Kinder wahrscheinlich mit etwas ebenfalls derart Einfachem beginnen. Im Zweifelsfall mit irgendwelchen Pyramiden.

P.S.: Der Gedanke an das Buch “Monumente der Welt” erfüllte mich übrigens soeben mit nostalgischer Gerührtheit. Kurz dachte ich daran, meine Eltern anzurufen und sie zu bitten, auf den mit Mäusedreck verunstalteten Dachboden zu steigen, es heraus zu kramen und mir zu schicken. Doch den einen Ebay-Euro hab ich dann doch noch auf meinem Paypal-Konto übrig gehabt. Die 4,50 Euro für den Versand auch. Der Paketbote wird mich ob des Gewichts verfluchen.

(Bild: railsr4me, Lizenz)

Ein Kommentar

  1. Kai schrieb:

    schön.

    Montag, 12. September 2011 um 8:38 | Permalink

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