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Paranoid Pynchon

vineland-pynchonWenn “Vineland” das zugänglichste Buch (Salman Rushdie) Pynchons ist, dann interessiert mich nach dessen Lektüre nun doch, was er noch fabriziert hat. Denn ich hatte Vineland als Geschenk bekommen und bis dahin war ich nur wenig interessiert um das Machwerk von jemandem, der um seine Identität so einen Bohei macht. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich hatte noch nie eine Zeile von Pynchon gelesen, aber ich hielt dessen Ostentativ-Anonymität stets für einen Marketing-Trick, auf den ich nicht hereinfallen wollte. Und außerdem: Handelten in US-Amerika hochgelobte Romane nicht meist von generationenübergreifenden Familiengeschichten, die sich am gesellschaftlichen Wandel entlangschleppten? Big yawn (All-time Ausnahme: Jonathan Frantzen).

Der Titel ist namensgebend für eine Region in Kalifornien. Und dorthin ist Zoyd Wheeler mit seiner Tochter Prairie in den 1980er Jahren abgetaucht. Der Althippie hält sich mit spektakulären Kunstaktionen wie Fenstersprüngen über Wasser. Und bei einem davon wird er mit einem seiner Erzfeinde konfrontiert, dem Drogenfahnder Hector Zuniga, der nach langen Jahren der Feindschaft inzwischen in Behandlung ist wegen TV-Seriensucht und selbst von einer dementsprechenden Behörde gejagt wird. Die Dialoge zwischen den beiden Kontrahenten sind nicht nur sarkastisch, sondern enorm zynisch. Es wird nicht gelacht, es wird verletzt. Lachen tut nur der Leser, weil 1.) die Umstände der Reagan-Jahre so fern liegen als auch 2.) die Situation der Personen sich als immer abstruser darstellt.

Wheeler erfährt erneut von Brock Vond, dem Super-FBI-Bullen, der ihm seine Frau und Kindsmutter ausgespannt hat und nach wie vor hinter allen beteiligten Personen her ist. Frenesi, Wheelers Frau und Prairies Mutter, ist als ehemalige Dokumentarfilmerin von Demontrationen (sinngem.: “Die Kammera ist eine Waffe”) zwischenzeitig untergetaucht. Stets mit dabei: DL, die Ninjakämpferin (die bei der Veröffentlichung 1990 schon so etwas wie Tarantinos Fünf-Punkte-Pressur-Herzexplosions-Technik in petto hat und diese auch anwendet), und mit der Frenesi auch in einem Kloster voller “Ninjettes” unterkommt.

Es gitb UFOs, die Linienflüge in der Luft überfallen. Es gibt ein “Büro für karmische Schadensregulierung”, betrieben von Brock Vonds Doppelgänger Takeshi Fumimota. Und Godzilla lässt ebenfalls grüßen.

Alle Beteiligten sind aber geprägt von einer hohen Anspannung und Paranoia – einmal abgesehen von den Figuren, die beim Staat angesiedelt sind. Und wenn der mächtige Vond einige von ihnen auf seltsamen und nirgendwo kartierten Straßen in nirgends verezichnete Internierungslager verschwinden lässt, dann wird diese Stimmung wohl vielleicht etwas mit dem beschriebenen Jahrzehnt zu tun haben (?).

Ich seh schon: Mehr Pynchon.

2 Kommentare

  1. Krischn schrieb:

    ich finde ja, dass vineland schon allein aufgrund des umfangs nicht unbedingt zugänglich ist. ich habe es jedenfalls zwei- oder dreimal angefangen und habe immer kapituliert – fand es aber trotzdem gut.
    ich habe dann erstmal the crying of lot 49 und inherent vice vorgezogen. gefielen mir beide sehr gut. vom letzteren wird es demnächst übrigens eine ganz interessante filmadaption geben.
    vineland werde ich irgendwann auch nochmal eine chance geben

    Sonntag, 20. Juli 2014 um 15:11 | Permalink
  2. anne schrieb:

    Ich könnte noch mit den ‘Enden der Parabel’ dienen;)

    Freitag, 8. August 2014 um 2:47 | Permalink

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