Über dieses Weblog - Eine Erklärung
Posted on April 6, 2005
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„Na, das fällt dir aber reichlich spät ein, hier ne Erklärung zu deinem Blog zu liefern, oder?“
Ja, das stimmt, das geb’ ich zu, geneigter Leser. Ich hab’ auch wirklich lange darüber nachgedacht, ob ich mich überhaupt dazu verleiten lassen soll.
Ich dachte im Grunde dabei an zwei Umstände: Zum Einen weist dieses Blog formal und inhaltlich gewisse Unterschiede zu anderen auf, schließlich agiere ich hier nicht anonym und daraus ergibt sich zwangsläufig so manche inhaltliche Einschränkung. Zum Anderen werden die neugierigen Studentenfröschchen zu Beginn des Semesters erneut nach ihren Dozenten und Tutoren ‚forschen’, will sagen, auch mein Name will ergoogelt werden. So drängte sich mir in einer düsteren Minute zunächst der Gedanke auf, dieses Blog komplett zu löschen oder zumindest zu deaktivieren. Doch als mir kurz darauf wieder ein wenig Morgen durch mein Bewusstsein graute, war ich wieder zu Scherzen imstande und ich sagte: „Ach nein, was soll’s? Einmal in die Welt gesetzt…“ usw.
Darum (nachträglich) zur Entstehung:
Auf die Möglichkeit zum Bloggen hatte mich dereinst mein Bruder hingewiesen, der mich desöfteren besucht und zu mir meinte: „Hör mal. Jedes Mal, wenn ich zu dir komme, ist dein Monitor voll der Word-Dokumente und dein ach so dunkles Zimmer schimmert gar ein wenig hell vom Glühen deiner Tastatur. Komm her, mein eigen Fleisch und Blut, ich wüsste da vielleicht etwas für dich.“
Und damit hatte er Recht. Bevor ich den Ordner „Eigene Dateien“ öffne, muss ich mir das Telefon griffbereit halten, damit ich vor Schrecken über die vielen kleinen Seiten mit dem blauen W schnell die Notrufnummer parat habe. Der plötzliche Anblick von Vielfalt kann töten, sogar, wenn sich darunter sehr viele Ergüsse für die Universität befinden. Die Sprühflasche zum Benetzen der heißgewordenen Tasten muss ich im Übrigen ebenfalls mehrmals täglich nachfüllen.
So nahm er mich bei der Hand und eröffnete mir einen kleinen Einblick in die Blogosphäre. Schnell erlangte ich dort Kenntnis in die Welt der Weblogs und stellte erfreut fest, dass hierfür nicht einmal Fähigkeiten im Umgang mit dem HTML-Chinesischen erforderlich waren. Allerlei Nonsens reihte sich nach und nach hier ein, so dass ich beschloss, von der anfänglichen Anonymität ein wenig abzurücken. Warum auch? Ich kann doch schließlich zu dem stehen, was ich verzapfe. Wohlgemerkt: Verzapfe!
Denn das war bislang Sinn der Sache. Während das Gros der Gedanken bei IKEA rational einkaufte und jeden Rabatt erschnüffelte, ließ ich einem kleinen Teil hier seine eigene Spielecke zum Abholen (bis die Großen zurückkommen).
Dieser Anspruch lässt sich natürlich nicht immer einhalten bei etwas, das der Sache (also Weblogs generell) nach ursprünglich als ein Online-Tagebuch gedacht war. Das eigene Leben beschäftigt manchmal doch ein wenig, und darum gibt es nicht wenige Live-Splitter hier. Das gilt ganz besonders für solche Momente, in denen man in diesen virtuellen Breiten plötzlich auf Menschen mit irgendwelchen Nicknames trifft, die man ja bereits längst vis-à-vis kennt.
Immerhin bin ich so fair, außer mir hier niemanden namentlich zu erwähnen, sollten Tatsachenberichte hier einmal vorgedrungen sein. Allerdings können auch Banalitäten wie „Das Klopapier ist alle“ schnell zum Metaphysicum gedeihen. Die Darstellung holpert hier in so manchen Punkten und das ist durchaus Absicht. So wurden mir bereits von anderer Stelle Schilderungen für bare Münze abgekauft, die auf diese Weise nie geschehen sind, aber ihre Wirkung nicht verfehlten.
Einen anderen, mir sehr wichtigen Punkt, bilden theorethische Diskurse. Auf diese möchte ich mich nur äußerst ungerne auf diesem Weg hier einlassen. Das beliebteste und meistbeachtete Thema hierzu sind in unseren Breiten und Wohlstandslagen nunmal Beziehungen und Liebe.
Ich schildere hier zwar gelegentlich Beobachtungen und Erfahrungen (wenn auch nur angekratzt), aber dabei handelt es sich eindeutig nur um – meiner Ansicht nach – kurioses Verhalten, das unbedingt dokumentiert oder - meinetwegen literaturkritisch ausgedrückt - in’s Archiv müsste. Reinstes, subjektives Empfinden wäre damit übermittelt, wenn ich von mir gäbe :“Oha, es wird wärmer und es rattert und rumort in den Rabatten. Was sollen die Sorgen der Familienpolitik?“ Dabei habe ich überhaupt keine Ahnung vom gesellschaftlichen Wandel. Vermessen wäre es meinerseits zu behaupten, ich trüge sämtliche Erhebungsbögen der soziologischen und psychologischen Institute unter der Achsel mit mir herum. Das dürfen gerne andere, zu Recht betitelte Fakultäten und Honoratioren übernehmen.
Ich für meinen Teil habe lediglich gesehen und gehört.
Mancher fragt mich auch, was denn die Liebe sei. Jedes Mal, wenn ich erneut dieses Lechzen nach Antwort zu Ohren bekomme, kehre ich in mich ein und selbst in tiefster Kontemplation erlange ich nicht das Wissen, das mir über den eigentümlichen Zweifel Klarheit verschaffen könnte, warum denn jetzt ausgerechnet wieder ich hierzu befragt worden bin. Schon früh werden sich olle Griechen über die zu erwartende Aporie die Köpfe eingeschlagen und Kriege begonnen haben. Darum sage ich jedem, der damit zu mir kommt: „Geh’ zur Tür hinaus und erkenne es selbst.“
Ja, und da gehen sie jetzt.
Also, ich find’, damit hab’ ich mich voll gut um alles Weitere gedrückt, wa?
Und so lasse ich für die Erklärung zu diesem Blog, geneigter Leser, meine Tasten nun langsam und behende erkalten, schlafe selig meinen eigenen, verdienten Schlaf. Gute Nacht Euch allen.
EDIT Dezember 05: Mittlerweile hat sich das Theorie-Diskurs-Teufelchen und das reale Leben doch an mancher Ecke hier eingeschlichen. Nun ja, Menschen und Vorhaben ändern sich im Laufe der Zeit, nicht wahr? Und auch ich bin anscheinend nicht gänzlich frei vom Stimmungswandel und dem Ausdruck darüber. Das liegt vermutlich auch daran, dass man sich mit Bekannten, Verlinkten und deren Konzepten auseinandersetzen möchte, auch, wenn diese Ideen dem eigenen Wohlempfinden höchstwahrscheinlich eher im Wege stünden.
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