Herbst, Zeit, lose Telefonate und E-Mails
Posted on Oktober 14, 2005
Filed Under Z - Die letzte Kategorie (oder \"Mal im Ernst\") | Leave a Comment
Heute, später am Abend, rief mich F., die frühere Mitbewohnerin, an und wir führten ein langes Gespräch. Eigentlich bin ich es gewohnt, dass diese Unterhaltungen ziemlich derb und direkt ausfallen können. Aber seit einiger Zeit meine ich zu bemerken, dass unsere Gesprächsinhalte eine andere Richtung annehmen oder Qualität erreichen.
Vielleicht liegt es auch an der sich androhenden kälteren Jahreszeit, dass wir plötzlich darüber reden, was wir über Beziehungsdinge denken, auch, was wir uns wünschen und wie wir uns momentan fühlen. Dass ich über letzteres offen spreche, ist nicht selbstverständlich und meist können nicht einmal die allernächsten Blutsverwandten von sich behaupten zu wissen, wie es mir denn nun wirklich geht.
Das ist eigentlich mal wieder etwas für die Rubrik “Moderne Zeiten”: Mama und Papa wissen nix, aber zwei ehemalige WG-Mitbewohner tauschen sich zwischen Bielefeld und Düsseldorf über zum Beispiel meine halbherzigen Annährungsversuche zu Frauen aus, die im Nichts versanden mussten, und geben sich die Klinke mit Informationen über die unglaublich sonderbaren Annäherungsversuche, die an F. gerichtet wurden.
Eine andere Freundin/Bekannte, die unheimlich gern Kupplerin spielt oder mir weismachen will, welche Frau gut zu mir passen würde, hatte mich durch ihre Transaktionen schon oft beinahe in Teufels Küche gebracht. Da ich diese Art Anmaßung überhaupt nicht leiden kann, wehrte ich mich ihr gegenüber oft mit den Worten: „Das kann ich jetzt überhaupt nicht gebrauchen, ich habe jede Menge zu tun und das würde mich nur ablenken.“ Oder so ähnlich.
Das stimmt zwar nicht im Geringsten, da ich der Ansicht bin, dass, wenn man die richtige Partnerin fände, könne das auch einen beruhigenden Rückhalt verleihen (im Gegensatz zu meiner momentanen Totalunruhe), aber mir ist diese Art von Trotzreaktion schon so sehr in’s Blut übergegangen und ich habe bereits so oft Sätze wie diesen oder „Keine Zeit, ich muss den Kopf frei haben“ von mir gegeben, dass ich mittlerweile gar nicht mehr merke, wenn ich derlei Sachen äußere.
Ich redete über den Gegensatz von Alleinsein und „sich trotzdem einsam fühlen“, dass auch Gedanken hierüber den Kopf sehr belasten können und zwar meistens genau dann, wenn man ihn für wesentlich wichtigere Dinge benötigt.
Dass F. – nachdem ich ihr diese Überlegungen schilderte – dem zustimmt, war für mich völlig neu. Ich hatte sie noch als die rastlose, nächtelang durcharbeitende Frau in Erinnerung, deren Kunst- und Design-Projekte glasklar allerhöchste Priorität genossen und die an persönliche Bindungen keinen Gedanken verschwendete.
F.: Ich wäre jetzt zu gerne da bei dir.
Ich: Das wäre Quatsch, wir würden uns verfehlen. Ich wäre jetzt nämlich nur zu gerne dort bei dir.
In der Zeit, in der F. hier wohnte, führten wir ein perfektes Nebeneinander-Leben. Während sie malte, kochte, bastelte, konnte ich ruhig in der Küche sitzen und mich trotzdem auf ein Buch konzentrieren, ab und an über die Gewohnheiten des jeweils anderen herumflaxen. Erhielt unsere Dritte im WG-Bunde, A.-L., Besuch von ihrem Freund, war das auch nicht weiter schlimm, denn wir beiden Singles hatten ja noch uns. Das führte so weit, dass die Nachbarin C., gleichzeitig Kommilitonin von F., uns noch heute für „wie füreinander geschaffen“ hält.
All diese Erinnerungen, die womöglich auch F. gerade wieder lebendig wurden, führten vermutlich zu obigen beiden Sätzen. Und nicht nur dazu.
„Langsam kommen wir nunmal in das Alter, in dem man über diese Sachen nachdenkt“, sprach sie.
„Du? Was soll ich denn dann sagen?“ entgegnete ich, denn meine nächste Dekade rückt unaufhaltsam näher und sie hat immerhin noch ein bisschen mehr Zeit bis dahin als ich.
Von ihr kam dann auch ein Vorschlag, mit man meiner Meinung nach keine Scherze treiben sollte. Sie meinte, wenn wir mit 45 immer noch Singles sind, müssten wir heiraten.
Als ich diese Worte vernahm, bei dem ersten Halbsatz, der die Bedingungen liefert und noch auf die Konsequenzen wartet, schlingerten bereits meine Gedanken daran und darüber, wie ich denn bitte auf so etwas reagieren sollte. Denn das kommt ja einer Fristsetzung sehr nahe. Oder einer Gewährszeit. Oder einem Freibrief zum Herumtollen für die Zeit bis dahin. Aber dann.
Wenn Du oder ich niemanden passenderes finden solltest, dann…. Wie soll man mit so etwas umgehen? Man kann das durchaus auch als Beleidigung auffassen, wenn man will („Wie? Bin ich dir nicht passend genug?“), und ich muss zugeben, dass ich diesen Gedankengang für den Bruchteil einer Sekunde auch hatte.
Aber als sie dann zuende gesprochen hatte, wurde mir der Komplimentsaspekt des Ganzen bewusst. Ich erläuterte ihr dann, was ich im Folgenden tat. Ich warf mich vor den Monitor, rief die Seite FutureMe.org auf und schrieb eine E-Mail, die mich selbst in fünfzehn Jahren erreichen soll:
„Hallo! Halt Dich fest, ich muss Dich an etwas erinnern: Vor genau fünfzehn Jahren hast Du eine Abmachung getroffen. Falls Du jetzt immer noch Single sein solltest, dann musst Du F. heute DIE Frage stellen.“
Das war natürlich in erster Linie nur Spaß. Aber nur in erster.
Demnächst sollte ich sie vielleicht mal für ein paar Tage besuchen, um die Erinnerung aufzufrischen, wie das überhaupt ist, mit ihr zusammen zu l-e-b-e-n. Vielleicht ist das ja plötzlich alles komplett anders. Wer weiß das schon?
P.S: Somit wurde es auch hier einmal ziemlich persönlich ![]()
Recently
- Dans la tête
- Nogales
- Apple-Wahn bei den Simpsons
- Mies 2
- Gasofen
- Mies v.d.R.
- Lesen! geht weiter
- Geballte Ladung Stärke
- Lohnkosten ein Prozent
- Sarah Maple und der Islam
Categories
Archives
- Dezember 2008
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
- Juni 2008
- Mai 2008
- April 2008
- März 2008
- Februar 2008
- Januar 2008
- Dezember 2007
- November 2007
- Oktober 2007
- September 2007
- August 2007
- Juli 2007
- Juni 2007
- Mai 2007
- April 2007
- März 2007
- Februar 2007
- Januar 2007
- Dezember 2006
- November 2006
- Oktober 2006
- September 2006
- August 2006
- Juli 2006
- Juni 2006
- Mai 2006
- April 2006
- März 2006
- Februar 2006
- Januar 2006
- Dezember 2005
- November 2005
- Oktober 2005
- September 2005
- August 2005
- Juli 2005
- Juni 2005
- Mai 2005
- April 2005
- März 2005
- Februar 2005
- Januar 2005
- Dezember 2004
- September 2004
- August 2004
- Juli 2004