
beim Graphitti-Blog, via Caschy
Die letzten Wochen, ach, was red’ ich, Monate waren dank Studienabschluss, jobben, bloggen (was für das NW-Blog vor allem “andere Blogs verfolgen” bedeutet) und letzten Endes dem Wohnungsumzug anstrengend galore. Zumindest dergestalt anstrengend, dass ich mir nun nach Erledigung der meisten Dinge ein paar Tage Ruhe gönnen werde. Ohne feste Termine. Quasi ein Kurzurlaub im Wohnzimmer.
In den Situationen, wenn Ent- auf Anspannung folgt, rechne ich stets fest mit dem Besuch einer feschen Krankheit. Das Immunsystem hat immerhin lange und hart gekämpft und will schließlich auch mal Urlaub machen. Das kann ich sogar sehr gut nachvollziehen, es geht mir doch ähnlich. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, wünschte ich mir eine dreitägige Erkältung. Mal gucken, was tatsächlich kommt. Ich bin schon ganz gespannt.
Und während ich und mein Immunsystem hier ein paar Tage die Seele baumeln lassen, werde ich etwas tun, was ich lange Zeit nicht vermisst habe, aber wozu die Lust im Moment plötzlich angestiegen ist: Lange Romane lesen. Nicht als eBook, nein, sondern ganz oldstyle auf Papier.
Hoppla, ganz schön viele Veränderungen. Oder sind das bloß die Vorboten einer psychischen Krankheit?
Mütter! Wie schon erwähnt, hatten wir in der bisherigen WG kurz vor deren jetziger Auflösung das Problem, dass unsere Waschmaschine vor einigen Wochen in den ewigen Toploader-Jagdhimmel aufgestiegen ist. Dumm, ich wollte sie doch in die neue Wohnung mitnehmen. Dann rief meine Mutter an und erzählte mir, ich könne eine von den beiden Waschmaschinen des Elternhauses bekommen, sofern die eine, die stets kaputt ist, repariert werden kann.
Nun hieß es vor ein paar Tagen, dass die Reparatur nicht so schnell über die Bühne laufen kann und ich mich schon darauf eingestellt hatte, hier vor Ort in den Second Hand-Läden nach einer umsehen zu müssen. So weit, so gut. Und ich nahm mir vor, das Ding am kommenden Umzugssamstag mit dem geliehenen Sprinter zu transportieren, wenn ich denn eine finde.
Heute ein erneuter Anruf von Mama. Morgen würde meine neue Waschmaschine kommen.
Ich hakte nach. “Ja, wir haben eine für dich bei Neckermann bestellt. Die kommen morgen zu deiner neuen Adresse und bringen die sogar in den Keller.”
Wann?
“Irgendwann im Laufe des Tages. Konnten sie nicht genau sagen.”
Ob sie noch wisse, dass ich erst einen Tag später dort einziehe, ich also nicht auf die Transporteure warten könne. Zumal ich den morgigen Tag komplett zeitlich ausgebucht bin, zum Großteil wegen des Umzugs.
“Ach so. Ja, ähh..”
Bin ich also heute Abend schnell nochmal zur neuen Wohnstatt, stellte mich den anderen Wohnparteien das erste Mal frühzeitig vor und erzählte von meinem Problem, das durch übereifrige Mutterliebe entstanden ist.
Zum Glück zeigten alle Angetroffenen mit einem Lächeln Verständnis, nach Schilderung dieser Geschichte. Die Waschmaschine zieht dann noch vor mir und ohne mich in die neue Adresse ein.
Es kann langsam losgehen.

Und nochmal ein riesengroßes Dankeschön an @_Frauke_ fürs Fahren zum Baumarkt.

“Also nein, die Frau Hoppenstock. SIE HIER? Das hätte ich ja jetzt nicht erwartet. Ich weiß, die Leute erzählen immer, dass sie in den entferntesten Ecken auf Bekannte getroffen wären.
Bei meinem letzten Urlaub auf Kreta war ich ja schon ganz perplex, die Nachbarn zu treffen. Aber Sie nun hier, ausgerechnet im Jemen?
Ja, ich? Ach so. Ja, mein Chef hat mich dienstlich hierher geschickt. Das ist lustig, nicht wahr? Da bin ich mittlerweile seit dreißig Jahren in der Firma, ein unkündbarer Sack, haha, aber ich habe bis jetzt noch nie davon gehört, dass wir hier Geschäftspartner haben.
Und ich hätte schon gar nicht geglaubt, dass er ausgerechnet mich hierhin schickt. Wissen Sie, ich ehrliche Haut hatte mir doch noch vor ein paar Wochen den Bock erlaubt, einem Kunden zu erzählen, dass unsere Ware anderswo günstiger zu haben ist. Na, da muss mein Chef wohl doch größeres Vertrauen zu mir haben.
Und Sie? Aha, da schau einer an, auch von der Firma aus. Hätte keiner gedacht, dass Deutschland so viele Beziehungen zum Jemen…
Ach, wie unhöflich von mir. Darf ich Ihnen meine Begleiter vorstellen? Das hier sind Ahmet, Mahmut und Abdullah. Die drei haben mich schon am Flughafen begrüßt.
Abdullah heißt eigentlich Stefan und kommt aus Oer-Erkenschwick. Aber er hat konvexiert, oder wie das heißt. Er dolmetscht hier für mich.
Stellen sie sich mal vor: Gestern waren wir sogar beim Fernsehen hier. Die müssen so begeistert über meine Anwesenheit sein, dass sie unbedingt einen Bericht darüber drehen wollten. Ich hatte zwar kein Wort verstanden, was dort gesprochen wurde, aber Stefan, äähh, Abdullah hat mir, als sie die Kamera auf mich hielten, empfohlen, ich solle einmal laut „Bitte!“ in Richtung der Linse sagen.
Ich versteh es noch nicht so richtig, hab auch die Zeitung bereitwillig – wie verlangt – vor mich gehalten. Jaja, sie sagen es, Frau Hoppenstock: Andere Länder, andere Sitten.
Als ich nach zwei Tagen langsam mal höflich fragte, warum die Leute hier alle mit so Schnellfeuergewehren herumlaufen, hat Abdullah mir erklärt, es käme häufiger vor, dass die Menschen hier von Löwen überfallen werden. Stellen Sie sich mal vor, die sollen manchmal in ganzen Rudeln in die Schlafzimmer kommen! Da ist es natürlich hilfreich, so ein Schießeisen in der Nähe zu haben.
Ja, da haben Sie Recht, Frau Hoppenstock. Das wird noch eine Weile dauern, bis wir uns daran gewöhnen. Mein Chef meinte auch zu mir, ich soll lieber erstmal vier Wochen das Land kennenlernen, bevor ich unsere Partner treffe.
Guck an, Sie sollen genauso verfahren? Interssant, was es da für Empfehlungen zu geben scheint.
Aber Jungs, Ahmet, Mahmut, Abdullah. Was steht Ihr denn da so rum? Kommt doch mal rüber, sagt „Guten Tag“ oder „Salem Aleikum“ oder was weiß ich zu der Frau Hoppenstock und gebt ihr mal die Hand. Wie sieht denn das aus?
Wie? Was soll das heißen? „Frau“ und kein „Schleier“ und „unrein“? Ich geb Euch gleich „unrein“.
Kommt gefälligst her hier. Ja, muss ich Euch denn erst an den Armen hierhinzerren? Na, wartet. Seht Ihr. Geht doch.
Was schreit Ihr denn jetzt so auf? Und wo rennt Ihr denn jetzt hin? Waschen? Jungs, der letzte Brunnen, an dem wir vorbeigekommen sind, ist doch zwei Stunden….
Na, da laufen sie. Und was mach ich jetzt?
Frau Hoppenstock, Ihre Reisegruppe sieht ja ähnlich lustig aus wie meine. Wo wollten Sie denn gerade hin? Eine Führung in die Berge, ins Höhlenlabyrinth?
Na, das klingt ja mal spannend. Hätten Sie etwas dagegen, wenn ich mich anschließe? Ich würde mich Ihnen sozusagen als “Geisel” anbieten. Haha, kleiner Scherz am Rande. Sie wissen schon.”