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Du hast die Schneekarte

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Die Sache mit den Spenden

Im wunderbaren BILDBlog gibt es also eine Pause, weil die (Spenden-)Einnahmen ausbleiben. Das Blog, das den Kollegen der etablierten Medien so schön auf die Finger schaut, ist derzeit finanziell unterversorgt und tut das auch mit einem Beitrag kund.

Jene Situation erinnert mich an eine aus meinem direkten, eigenen Wirkungskreis: Als ich für mein sublokales Projekt vor einigen Monaten auf recht ungewöhnliche Weise erstmals direkt auf die Möglichkeit zum Spenden hinwies, wurde ich einige Wochen später von einem Freund gefragt: “Und? Wieviel kam dabei rum?” Ich: “Rate mal“. Er: “Hm, zwanzig Euro?“. Ich: “Nee“, und machte die Geste mit Zeigefinger und Daumen, die eine Null andeutete.

Für bielefelds-westliche.de sind in der Laufzeit von ca. 15 Monaten etwa insgesamt 115 Euro an Spenden eingegangen, wobei die letzten Eingänge etwa ein halbes Jahr zurück liegen dürften und ich jede Zahlerin und jeden Zahler persönlich kenne. Der genannte Freund hatte eine ähnlich gelagerte Vermutung wie ich: Wenn der Seite schon 2,8k Leute auf Facebook folgen, werden genug davon einem Spendenaufruf folgen. Dann muss ich das ja nicht tun. Denkste.

Würde ich die Arbeit für einen Stadtteil mit rund 30.000 Einwohnern (von denen laut Statistik ungefähr jeder zweite die Seite einmal im Monat besucht) allein an den Spendeneinnahmen rechtfertigen zu versuchen, befände ich mich längst in der geschlossenen Psychiatrie.

Zum Glück gibt es aber noch ein paar Werbebanner hier und da. Und mal im Ernst: Wenn ich irgendwo Werbung sehe, mir demnach denken kann, dass von dort Einnahmen vorhanden sein müssen, dann würde ich ebenfalls keinem Spendenaufruf folgen. Die Leserinnen und Leser wissen aber meistens nicht, dass Werbung im Internet aus einem nicht näher definiertem Grund viel günstiger ist als auf gedrucktem Papier. Will sagen: Diese Werbeeinnahmen sind verschwindend gering und decken kaum die eigenen Kosten (so ist es zumindest bei mir).

So bleiben am Ende die Fragen: Würde das Weglassen der Werbeanzeigen die Spendefreudigkeit erhöhen? Vermutlich nicht. Ließen sich auf der anderen Seite die Preise für Anzeigen erhöhen? Dann springen die Kunden wahrscheinlich ab.

Mein Stadtteilprojekt erweist sich rückwirkend also als ein Hobby, eine “Liebhaberei”. Vor allem wegen der investierten Zeit sah ich selbst das anfangs anders (das Finanzamt sieht das übrigens immer noch so).

Da ich aber mittlerweile – damit ein bisschen Geld reinkommt – auch wieder ein paar andere Tätigkeiten aufgenommen habe, muss ich mir wohl künftig die Frage stellen, welche davon ich für mich überhaupt noch als “nebenbei” deklariere.

Raus damit! Vol. 2

Nachtrag: Es gibt bei OWLs Tageszeitung Nr. 1 tatsächlich ein paar Kollegen, die ich sehr schätze. Damit meine ich nicht nur diejenigen, mit denen es sich in Pausen prima im Hof zusammen rauchen ließ.

Denn ausgerechnet ein bis drei Typen, mit denen ich stets heftigst in der Wolle lag, genau diese lese ich nach wie vor am Liebsten.

Darum eine kleine Rangliste der NW-Autoren, bei deren Kürzel in der Zeitung mein Herz aufgeht:

Platz 1: “ako”
“ako” ist ein Mensch, den man nicht zum Kollegen haben möchte. Gerne und (vermutlich ohne es zu merken) unterhält er ganze Redaktionsetagen mit Vermutungen über die “Latifundien” der Lokalpolitiker. Daher fallen die internen Türen oft ins Schloss, wenn ako sich auf der anderen Seite aufhält. Ich selbst habe unfassbar lange, nicht unbedingt wohlwollende Kritiken über Kleinstartikel über mich ergehen lassen müssen. Praktikanten, die neu dazu stoßen und etwas schreiben wollen, werden spätestens in der Konfrontation mit ako von dem Medien-Job abgeschreckt (zu ihrem Glück). Nur hartgesottene Gemüter setzen sich nach intensivem Zoff tatsächlich auf Weihnachtsfeiern direkt neben ihn (“Alter! Respekt!” (kurt) ).

Bislang hat ako es bei mir nicht geschafft, mich zum Heulen zu bringen, aber für andere hat er eindeutig das Potenzial. Der Mann kriegt alles raus. Wetten? Und darum vertraue ich auch den Artikeln von ako. Das hat garantiert Hand und Fuß, was dort zu lesen ist. Mit Sicherheit.

Platz 2: “uth”
“uth” ist der Liegenschaftsexperte der NW. Vielleicht weiß er nicht genau, wann eine neue Einkaufspassage in der Innenstadt entstehen soll. Aber uth bekommt in wenigen Stunden heraus, wo und wie das dann aussehen soll. uth ist der Wahnsinn an Vorlagen für spektaktuläre Grafiken für die Umgestaltung der Innenstadt und verinnerlicht jede Ausschuss-Sitzung stante pede.

Im Gegensatz zu “ako” ist “uth” ein sehr ruhiger Zeitgenosse, dafür aber jemand, der die Dinge erst einmal aus der Distanz betrachtet und auf sich wirken lässt. Das Urteil fällt dann um so schärfer aus.

Platz 3: “los”

In Zeiten knapper Kassen muss auch der Chef des Lokalen öfter mal in die Tasten greifen. Dem Blatt schadet es nicht, im Gegenteil. Wenn es um den Haushalt der Bielefelder Stadt geht, sind seine Analysen und Kommentare an Prägnanz nicht zu überbieten und stets auf den Punkt gebracht.

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Wenn auch nur einer dieser drei genannten Personen der NW verlustig gingen, wäre das eine immense Qualitätseinbuße für die Zeitung. Denn es geht ja nicht nur darum, dass sie schreiben können. In erster Linie liegt ihre Kompetenz nämlich darin, dass sie seit Ewigkeiten vor Ort sind und alle und jeden kennen. Will sagen: Fragt jemand, warum ist das so, haben sie zur Nachfrage die entsprechende Telefonnummer zur Hand und bekommen auch eine Antwort. Das ist nicht selbstverständlich.

Es gibt genügend Gelegenheiten, den Oberbürgermeister in der Öffentlichkeit zu nerven. Er würde aber nicht jedem dahergelaufenen Menschen Rede und Antwort stehen. Die drei da oben, die kriegen das trotzdem hin.

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Der Unterschied: 27 Köpfe, von denen tatsächlich nur elf in der Lokalredaktion sitzen und dort als Redakteure schreiben. Sie dürfen raten: Wer ist stattdessen im Sekretariat oder als Fotograf tätig? Und wer kümmert sich um das Feuilleton?

Raus damit!

Gewisse Veränderungen bei meinem ehemaligen Hauptauftraggeber lassen sich einfach nicht übersehen und es fällt mir nur sehr, sehr schwer, darüber zu schweigen. Meine Zurückhaltung (übrigens auch im Gespräch) rührt zum Einen daher, da ich nicht weiß, ob solche Kritik justiziabel wäre und zum Anderen, weil so etwas auch immer ein wenig nach “Rache” röche. Wer mich aber kennt, wird wissen, dass Lust nach Genugtuung mir fern liegt.

Als mir im März letzten Jahres mündlich von der Chefredaktion zugesichert wurde, mein Stadtteilportal für den Bielefelder Westen dort weiter mindestens bis Ende des Jahres online führen zu können (“Herr Ridder, Sie sind doch ein Aushängeschild und Imageträger der NW“!), war ich zunächst beruhigt. Hätte ich es mir mal schriftlich geben lassen. Aus irgendeinem nicht näher bestimmbaren Gefühl war ich an der Stelle schon so klug, bielefelds-westliche.de aufzuziehen und alle eigenen (!) Beiträge zu spiegeln. Drei Monate später war ich per E-Mail – zwischen zwei Lokalterminen empfangen – schlauer, dass ich nicht mehr dabei sein soll.

Vor ein paar Tagen sah ich eine Stellenanzeige auf StepStone für einen mir neuen Betrieb namens “OWL-Digital”. Online-Redakteure wurden gesucht. Das klang zunächst einmal spannend. Nach dem Klick darauf stellte sich dann aber heraus: “OWL-Digital betreibt für die Zeitungsgruppe „Neue Westfälische” die führenden Nachrichten- und Serviceportale in der Region Ostwestfalen-Lippe.”

Ach Gott. Das passte dann nur zu gut auf die plötzliche Umstellung des bisherigen Web-Auftritts nw-news.de auf das offenbar für kurzsichtige oder ausschließlich visuell ansprechbare Menschen gerichtete neue Portal nw.de (Kritik hier). Man braucht sich auf das genannte Jobangebot auch gar nicht erst bewerben, wenn man sich etwas Handfestes mit Sozialversicherung etc. pp. erhofft. Es handelt sich bei OWL-Digital nämlich – vermutlich – ähnlich wie bei der Medienagentur NOW (darf sich streng genommen künftig um Anzeigen- und Kundenbeilagen usw. kümmern) um ein Outsourcing. Sind die Aufgaben ausgegliedert, braucht sich das Unternehmen nicht mehr um Tarife zu kümmern.

Ich bin übrigens auch nicht mehr bei der NW“, sprach mich erst heute ein Programmierer an, den ich noch vor einem Jahr dort fast immer “im Tunnel” am Schreibtisch antraf. “Betriebsbedingte Kündigung. Wird nur noch alles von Externen gemacht“, sagte er und wir lachten. Investition war mal, Sparen ist jetzt.

Und das sind auch die Gründe, weshalb ich keinen Argwohn gegenüber den ehemaligen Kollegen hege: Die können nämlich nichts dafür. Sie versuchen nur, gute Inhalte zu schaffen. Das bekommen sie auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten hin, so grade. Die nächste Kürzung des Honoraretats führt dazu, dass die sowieso schon auf der Gehaltsliste stehenden Redakteure noch mehr rausmüssen und über das Konzert des Keyboardkreises in… sonstwo berichten müssen. Die dortigen Teilnehmer sollen als Abonnenten schließlich nicht vergrätzt werden.

Und wir sollten alle auch ein bisschen nachsichtig mit der NW sein ;-)

P.S.: Hat jemand ‘nen Job?

P.P.S.:




Weltmeisterlich

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Fundort: Bielefeld

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