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À l’haubèrge iihh nee

Gestern abend war ich dann bei Jemand zu einem Leseabend eingeladen. Der [Abend] sollte zunächst so aussehen, dass jeder Geladene etwas mit eigenem Herzblut Kreiertes vorliest oder etwas bereits Gedrucktes und Erkauftes, Dinge, worüber der Vortragende sich auch bei Besuchen zuhause nicht schämen würde, sie auf dem Nachttisch liegen zu lassen.
Auf dem Weg zum Ort des Geschehens begegneten meine Begleitung und ich dem Gastgeber bereits am Bahnhof, der sich, mit zahlreichen schweren Einkäufen bewaffnet, etwas verspätet hatte. So kam es, dass ich – hilfreich, wie ich bin – schon auf dem Hinweg zu tun hatte und mich noch einen Tag später an Striemen am Handgelenk dank fleischfressender Plastiktüten erfreuen darf.
Wie sich herausstellte, gedachte Jemand zu kochen, und zwar Auberginenauflauf. Die Begleitung hatte mir schon vorab vermittelt, dass er dies wohl gerne zubereitete, und im späteren Verlauf des Abends ließ er dann auch durchsickern, weshalb. Ich für meinen Teil muss hier eine weitere Ess-Aversion öffentlich kundgeben, nämlich die gegen Auberginen. Woher diese nun rührt, kann ich mir allerdings nicht so gut erklären wie diejenige gegen Champignons oder Milch. Die ersten Male begegnete mir dieses Gemüse lediglich in gezeichneter Form in den Clever & Smart-Comics, wo sie gerne und unvermittelt in den Panels auftauchten, gelegentlich sogar als überdimensionierte Schlagwaffe.
Durch die Warnung der Begleitung aber hatte ich mich zuhause vorher gut genährt und erklärte mich sogar bereit, genau dieses Gemüse zu schneiden. Die glatte Haut der Auberginen und die rauhe Klinge des Tomatenmessers ließen mir während dieses Vorgangs den Gedanken aufkeimen, dass es sich wohl genauso anfühlen müsste, wenn man Delphine filetiert. Zunächst ein leichter Widerstand, ein leichtes Nachgeben auf der Haut und wenn diese dann durchdrungen ist, schneidet man wie durch Butter.

Die Gäste trudelten unterdessen ein und es dauerte Stunden, bis gekocht und zuende gegessen wurde. Am Nachtisch, bestehend aus Apfelkuchen mit Schlagsahne und Tiramisu, beteiligte ich mich dann wieder.
Letzten Endes gab der Herr des Hauses dann kund, weshalb er denn diese Form des Auflaufs so bevorzugte: Mit Auberginenauflauf könne man jede Frau erobern (hatte er von einem früheren Mitbewohner vernommen). Hochinteressant, fand ich.
Denn wenn ich nun das altbekannte Schlüssel- und Schloss-Motiv einmal bemühte, dann wird es mir wohl niemals möglich sein, eine Speise, die ich verabscheue, nämlich Auberginenauflauf, in das Schloss eines Frauenherzens zu schmieren. Und ehrlich gesagt, wenn ich mir das vor meinem geistigen Auge ausmale, möchte ich das auch gar nicht. Obwohl ich nicht mitessen müsste, mündete das alleinige Kochen, um im Anschluss daran der Angebeteten beim Essen zuzusehen, unweigerlich in eine merkwürdige Situation.

„Schatz, ich weiß du hast Hunger, darum werde ich heute nur für dich kochen.“

Spätestens dann, wenn man nach stundenlangem Geschneide, Gebrate und Geauflaufe den Esstisch herrichtet, aufträgt, sich dann aber lediglich zum Zuschauen gegenübersetzt, werden der Dame einige Fragen dräuen. Warum schaut er mich so verliebt an, den Kopf in der Hand abgestützt, der Arm ruht auf dem leeren Platz auf dem Tisch, während ich hier angeregt in mich hineinschaufele? Weitere Fragen nach Aphrodisiaka tun sich womöglich bei ihr auf.
Sie wird es für einen Test halten, Schmatzgeräusche vermeiden wollen und öfter mal auf die Wanduhr starren. Nein, das ist nun wirklich keine gute Idee.
Auberginenauflauf ist also die Lösung, der Eisbrecher, die berühmten drei Worte, die niemand mehr ausspricht, codiert in Kalorien.
Was nützt da noch aller Charme?
Was nützen da noch Worte?
Der einzige Mensch der Runde, der sich traute, eigene, geschriebene Worte vorzubringen, war dann wohl ich. Erstmals habe ich Texte vorgelesen, bei denen ich keine Bedenken hatte, sie vorzutragen, da sie ja eh’ bereits öffentlich sind (und zwar hier und hier). Aber ich muss gestehen, gegen Anna Achmatova, Alexander Blok, Heinrich Böll, Lewis Carroll, Charles Bukowski und diesem einen Polen da kann ich selbst natürlich schlecht mithalten.
Konsequenz: Dann muss ich mich halt erobern lassen. Bloß womit geht das? Ich habe nicht die geringste Ahnung.
Dennoch war es – das klingt mal wieder nach Gemeckere und Ramentere hier – alles in Allem ein äußerst netter Abend ;-)

Wō hŭ cáng lóng

So, jetzt sind bereits wieder ein paar Tage in’s Land gegangen, seit ich einen ästhetisch hochanspruchsvollen Film im Fernsehen sah. Aber „Tiger and Dragon“ beeindruckt mich dann doch immer wieder nachhaltig.
Die kaum beschreibbar schönsten Einstellungen dieses (Kunst-) Werks sind unbestritten diejenigen, in denen Ang Lee eine Martial Arts-Kampfszene zwischen Chow Yung Fat und Zhang Ziyi in sattestgrüne Baumkronen verlegt, vom Wind bewegt, dessen Rauschen begleitet und der Sonne beschienen. Leider ist diese Sequenz viel zu kurz und bevor ich mich entschieden habe, mich entweder darauf zu konzentrieren, wie sie gedreht wurde, oder ob ich mich den Eindrücken einfach hingebe, ist sie auch schon wieder vorbei. Laszivität, Leichtigkeit in der Wahl der Kleidung der Darsteller, die sich farblich unaufdringlich von dem Grün der Blätter abhebt, das Abwarten auf das richtige, natürliche Licht und ich möchte nicht wissen, wie lange man nach einem perfekten Waldstück gesucht hat, dessen Bäume exakt diese Dichte und diese Zerbrechlichkeit seines Bewuchses aufweisen (es sei denn, man hat ihn womöglich selbst angelegt). An dieser Stelle des Films war ein Regisseur in seine Szene verliebt. Eindeutig.
Aber da ist noch etwas anderes, was in’s Auge fällt.
Ich weiß, es ist unhöflich, in Gegenwart von Frauen über die Schönheit anderer zu reden, daher bitte ich die lesende Weiblichkeit an dieser Stelle einmal um Verzeihung. Aber ich schreibe ja auch nur darüber. Sollten wir uns begegnen, erzähle ich etwas ganz anderes, versprochen.
Hingerissen bin ich von den beiden Hauptdarstellerinnen dieses Films und gleichzeitig her, da Michelle Yeoh nun einmal einerseits bereits beim Dreh die knappe vierzig Lenze kratzte und Zhang Ziyi andererseits viel zu jung erscheint (obwohl sie realiter nur ein paar Jährchen weniger aufbringt als ich es tue). Und letztere auch in späteren Filmen einfach nicht älter werden will. Da tun sich schon einige Gewissensbisse durch das bloße Betrachten der beiden auf.
Hätte ich die Wahl, würde ich mich für Frau Yeoh entscheiden, denn bei ihr trifft es wahrscheinlich am ehesten zu, wenn man von den Darstellern als „dramatis personae“ spricht. Die von ihr dargestellte Figur Shu Lien ist ist sogar so tragisch konstruiert, dass bei mir – und bestimmt auch anderen Männern – Schutzinstinkte wachgerufen werden, obwohl sie sich ja anscheinend ganz gut verteidigen kann. Dafür schaut sie einfach den ganzen Film über zu wehmütig drein.
Ach ja, wäre sie ein wenig jünger, würden wir uns kennen und würden wir die gleiche Sprache sprechen. Ich weiß, jetzt bekomme wieder die Binsenweisheit „Die Sprache der Liebe versteht man überall“ zu hören. Aber das funktioniert bei so grundverschiedenen Muttersprachen auch leider nur dann, wenn man’s Maul hält *g*!

Im Großen wie im Kleinen

Gerade eben hielt ich mich ja noch bei der FoeBud-Veranstaltung zum Thema Bertelsmann und seine politische Einflussnahme auf. Leider – und das hab’ ich mittlerweile häufiger erlebt – müssen Menschen, die Bücher schreiben, nicht unbedingt die besten Referenten sein. Dennoch (vor allem aufgrund der Einwürfe aus dem Publikum) empfand ich den Vortrag als sehr informativ. Allerdings war ich mit Sicherheit nicht der Einzige, den der Hang des Vortragenden zur Schilderung von historischen Entwicklungen störte.
Eine kleine, nicht selten gebrauchte Wendung, die in seinen Ausführungen für die Beziehung zwischen B.-Konzern und B.-Stiftung stand, verschaffte mir bei gedanklichen Spielereien und Übertragungen in andere Lebensbereiche einen amüsanten Aufenthalt in weit entfernte Sphären.
Man stelle sich nur mal diese kleine Szene vor: Lange Zeit schon dürstet man nach der Hingabe der Angebeteten und endlich einmal allein und unter vier Augen, vielleicht bei Kerzenlicht und einem vorzüglichen Wein, nimmt man sich ein Herz und erhofft die Angeschmachtete mittels folgender Frage zu seiner Lebensabschnittsbegleiterin zu erobern:

„Willst du mit mir eine demokratiegefährdende Symbiose eingehen?“

Bloß, wie soll so etwas dann aussehen? Womöglich als Beziehung mit völliger Gleichgültigkeit der Umwelt gegenüber (ein bisschen Anarchismus ist in Liebesdingen natürlich auch wünschenswert)? Durchaus eine hochromantische Vorstellung, wie ich finde. Sich einen Dreck um die anderen und deren Meinungen zu scheren. Und allein durch die Existenz einer solchen Verbindung systemumstürzlerisch zu wirken (es geht nur um das Potenzial). Wenn bei Symbiosen nur nicht der Nutzwert so sehr im Vordergrund stünde…

So, und jetzt gucke ich mir fliegende Asiaten auf Pro7 an. In “Tiger & Dragon” gibt’s auch so viele Kampf-Metaphern für Differenzen zwischen Mann und Frau *g*.

Es geht weiter

Der heutige, bislang ungeschlagene Spruch von der Mediothekshexe:
“Aah, wieder dieser Langzeitstudentenausweis. Na, bald ist die CDU an der Macht, dann hat sich das auch erledigt.”

Völlig baff konnte ich nur herausbringen, dass sie das nicht zu interessieren hätte (übrigens kann man an dem Ausweis die Semesterzahl nicht ablesen und demnach auch gar kein Urteil über meine Studienzeit abgeben).

Kaffee

Wenn der Kaffee wüsste, wie wenig es Mann und Frau auf ihn ankommt, wenn sie sich zu ihm verabreden, wäre er vermutlich das Heißgetränk mit dem größten Minderwertigkeitskomplex.

EDIT: Und ich bereue es, nicht so gut zeichnen zu können. Mir schwebt gerade ein Cartoon mit einem flirtenden Pärchen und schmollenden Kaffeetassen vor.

und anderswo

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