Zurüruck zum Inhalt

Sichtweisen/Konnotationen

Eine Bekannte (keine Namen hier) fühlte sich wegen einer kürzlich vorangegangenen Trennung emotional beansprucht und suchte Ausgleich für ihre Libido.
Sie rief daher einen Freund an, der ihr in dieser Situation offensichtlich gerne aushalf. Ihr Anliegen umschrieb sie am Telefon mit folgenden Worten:

„Magst du mich sehen?“

mit deutlicher (und wiederholter) Betonung des Verbs „sehen“. Eine nette Variante, Direktheit zu vermeiden, indem man einen anderen als den eigentlich gemeinten der fünf Sinne heranzieht. Das Auge isst nicht nur mit, es isst. Visuelles Verschlingen.
Vielleicht findet die Kirche daran gefallen, wenn wir bald zurück in bible-speech im Sinne von „Und Lot erkannte seine Frau und sie gebar ihm…“ verfallen *g*.

P.S.: Sprechen nicht auch gewisse Menschen aus Prüderie predigenden Religionen beim männlichen Glied von der „einäugigen Schlange“, wenn sich Geschlechtsverkehr vor der Ehe anbahnt?

Jungen zu Mädchen und Mädchen zu Jungen

Aus einer Erhebung mit 139 Jugendlichen von Klasse acht bis zwölf (1999). Süß (teilweise).

Blätter, blätter, blätter…

Heute ist der Tag der Woche, an dem ich zumindest ein wenig Zeit für den Feuilleton-Teil der ZEIT aufbringen kann und stieß direkt auf die Kolumne von Sibylle Berg, die ich im Normalfall übersehe. Aber heute las ich bei ihr über ein Thema, das mich interessiert und das guten Anlass für Gesprächsstoff geben könnte (und ich kann mir bereits denken, dass zumindest einer darauf reagieren wird *g*).
Leider gibt es heute (18.05.05) noch keine Online-Version dieser Kolumne zu lesen, daher schildere ich kurz, worum es geht.

Neulich ließ ich mich ja kurz einmal dazu hinreißen, die Begriffsunterschiede einsam vs. allein anzusprechen und äußerte, dass, sobald ich mich unter Menschen aufhalte, die auch am Seelenleben der anderen interessiert sind, fühlte ich mich nicht besonders einsam. So weit, so gut. Das ist mein subjektives Empfinden.
Frau Berg nimmt nun die zunehmende Vereinsamung in der Gesellschaft unter die Lupe.

Die zunehmende Einsamkeit des Menschen der Jetztzeit beruht in großem Maße auf der individuellen Überschätzung des eigenen Marktwertes. Des Sozialstatus und des Aussehens. Wie kam es dazu, dass jeder von der Natur mit durchschnittlicher Attraktivität ausgestattete Singlemensch sein Selbst wie in einem Vexierspiegel sieht und nach Heidi Klum lechzt?

Frau Berg macht das Streben nach Individualität und eine daher häufiger beobachtbare Selbstüberschätzung, sogar Größenwahn, für zunehmende Einsamkeit in der Zivilgesellschaft verantwortlich. Wenn wir dies vermeiden wollen, müssten wir demnach unsere Ansprüche senken.

Ist das so? Existiert eine soziologisch-psychologische Untersuchung dazu mit entsprechenden Ergebnissen? Dieser allgemeingültige Anspruch bereitet mir etwas Angst. Fühlt Frau Berg sich etwa hässlich? Oder ist in jemanden verliebt, der aber lieber nach dem Schönheitsideal entsprechenden Frauen schielt?
Zugegeben, es gibt Momente, da teile ich diese Ansicht. Mit besonders schlechter Laune ausgestattet halte ich sogar alle um mich herum für völlig verrückt. Wenn ich mich aber zurückbesinne und den roten Faden entlang meiner eigenen Verliebtheiten gehe, muss ich entdecken, dass Äußerlichkeiten niemals der ausschlaggebende Grund dafür gewesen waren. Interesse an mir, meiner Person, meinem Fühlen und Denken sind die Dinge, die mich plötzlich die andere Person schätzen lassen. Aber das könnte natürlich auch schon als zu egozentrisch gelten, womöglich ‚größenwahnsinnig’. Und obendrein als mal wieder zu subjektiv und individuell (!).

Regen wir die Debatte mit Frau Bergs Schlussworten noch etwas weiter an:

Es ist eher ernüchternd zu sehen, wie wir alle einander gleichen, in unseren kleinen Träumen und Sehnsüchten, in unseren Ideen und dem Aussehen, wenn wir das akzeptierten, uns als Teilchen eines großen Ganzen begriffen, mit einer sehr begrenzten Haltbarkeitsdauer, könnten wir erleichtert aufatmen, dankbar sein, irgendeinen Menschen zum Teilen der Nichtigkeit zu finden, ein Dach, eine Decke, ein Buch, wir könnten uns gestatten, uns nicht wichtig zu nehmen, und die Welt wäre ein erfreulicherer Ort.

Klingt, als hätte ich das alles schon einmal gehört oder gelesen (bloß wo?). Sponsored by Bundesministerium für Familie.
Na, dann husch, husch, Ansprüche senken und die Generationen Golf I-V vor dem Aussterben retten.

Gestriger Assoziationskettenring

Zum gestrigen Kneipenbummel traf ich mich mit dem B. und ihrer Freundin S. Aufgrund der Bielefelder Witterungsumstände trug das B. einmal mehr ihren Kapuzenmantel.

1. Dieser erinnert mich jedes Mal erneut an die Kleidungsgewohnheiten kleiner Kinder in Horrorfilmen oder Thrillern, in denen diese plötzlich unvermittelt die Axt schwingen oder ähnliches.
2. Ein Film, der mir dazu einfiel, war ‚Flatliners’, in dem der Charakter Kiefer Sutherlands nach seinem ersten Trip über die Nullinie von einem früheren Spielkameraden geplagt wird. Dieser kleine Rotzlöffel hieß im Film Billy Mahonie.
3. Billy Mahonie ist gleichzeitig der Name einer britischen Instrumental-Rockband, die im Jahr 2001 ihren wohl einzigen etwas erfolgreicheren Hit „Dusseldorf“ landete (ist zumindest auf einem Spex-Sampler vertreten).
4. Dieser Hit war vermutlich als eine Hommage an die Düsseldorfer Szene um Kraftwerk, Can, NEU!, La Düsseldorf usw. zu verstehen. Dort gab es – soweit ich mich entsinne – sogar einen Popbeauftragten der Stadtverwaltung.
5. Der hätte heute nicht mehr allzuviel zu tun und müsste sich nur noch um ein paar bekannte Größen kümmern wie z.B. Die Toten Hosen.
6. Und zum heutigen Konzert der Hosen haben das B. und S. bereits Karten.

Assoziationskettenring geschlossen ;-)

Hängen gegen’s Alleinsein

Begriffe, über deren Bedeutung meine Meinung der von anderen Leuten anscheinend entgegensteht, sind die der Einsamkeit und des Alleinseins. Wobei man allerdings noch unterscheiden müsste zwischen dem einsam sein und allein fühlen bzw. einsam fühlen und allein sein.
Ich behaupte für mich, dass ich eigentlich recht selten alleine bin. Das liegt daran, dass ich nunmal aus irgendeinem Grunde jede Menge Menschen kenne, sei es durch das WG-Leben, die Uni oder die mittlerweile doch recht holprig anmutende Vita. Das bedeutet aber nicht, dass ich mich nicht einsam fühlen könnte. Denn es gibt ja auch einige Leute, die sich zwar gerne über Trends in allerlei Gestalt äußern, aber nie am Seelenleben der Person Anteil nehmen wollen. Wenn ich mich zwischen Personen letzteren Schlags wiederfinde, ist das Einsamkeitsgefühl plötzlich ganz schnell vorhanden.
Aber ich kenne inzwischen viele, die diese beiden Begriffe genau umgekehrt benutzen. Liegt das Manko in meinem Sprachgefühl verborgen oder in deren? Und welche ist die korrekte Verwendungsweise? Hm.
Zwischen den beiden Gefühlen/Zuständen gibt es aber viele Nuancen und Abtönungen oder, wie man in den Geisteswissenschaften so oft zu Ohren bekommt, „die Grenzen sind da eher fließend“. Berühmt aus Film und Fernsehen ist zum Beispiel der Satz, es sei doch schön, „wenn man mal zusammen schweigen kann“. Da ist durchaus etwas dran.
Eine andere Variante ist die, wenn man gewisse, ansonsten nicht ausgesprochene Feststellungen über sein Gegenüber kundtut, ohne gleich mit Sanktionsmaßnahmen rechnen zu müssen. Das Beispiel par excellence hierzu:

Du, dir hängt da was!

Gut, dass es nette Mitbewohner gibt ;-)

Und da wir gerade das WG-Leben thematisch leicht angeschnitten haben: Fabelhaft sind die Erfindungen, die nach dem Verlassen der Toilette die dort nötige Frische für die Nachkommenden wieder herstellen. Ebenso wunderbar wären einige Neuheiten, die dafür sorgten, dass die bei der Entstehung dieser Gerüche manchmal mit einhergehenden Geräusche unterdrückt werden. Aber, wie gesagt, wir sind nicht alleine, auch außerhalb unserer vier Wände. Und es ist schön, wenn wir mal zusammen einfach nur dasitzen können und nichts sagen müssen.

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