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Flucht (vor F.N.) nach Beijing

Wenn der hier meckert, mach’ ich das auch (nachäff-modus ein).
Da hab’ ich mir heute, an meinem seit Neuestem freien Tag, vorgenommen, für morgen Nietzsches „Die Geburt der Tragödie“ mal eben durchzuackern, und stelle fest, dass das wohl nicht so schnell und einfach erledigt ist, wie ich es von anderen seiner Arbeiten gewohnt bin. Würde ich Herrn N. gegenüberstehen – Gott, haha, hab’ ihn selig – , sagte ich ihm das Gleiche, was ich seinem Text mehrmals entgegenrufe: „Mann, jetzt komm doch mal endlich auf den Punkt!! Was willste denn nun!?!?“
Literarisches Schreiben im philosophischen Diskurs ist ja schön und gut. Aber das hier ist einfach hirnschwurbulös. So nimmt es nicht Wunder, dass ich mich gedanklich permanent in Wolkenkuckucksheim wiederfinde, aufschrecke und denke: „Alles klar, nochmal von vorn.“
Ich sollte rausgehen und mich ablenken. Evtl. für zwei Stunden an die Uni und das christlich geprägte Abendland verlassen, um mir den dort präsentierten Film „Beijing Bicycle“ anzusehen. Ich überlege noch etwas. Vielleicht hat mich Herr N. gleich soweit.(nachäff-modus aus)

EDIT: So, wieder zurück aus Peking. War ein netter Kurztrip, gerne wieder. Aber ich frag mich, welcher neumodische Teufel mich geritten hat, hier durch den Filmtitel angeregt ‘Beijing’ zu schreiben. Schließlich sag ich auch nicht “Ich komm gerade aus Roma” oder so….

Rouvenite Ridderose

So, mein unerklärlicher Muskelkater ist wieder verflogen. Er hat sich damit aber bis heute morgen Zeit gelassen. Gestern abend war er frisch und fröhlich in meinen Fasern zur Tat, und in der Nacht muss er sich klammheimlich davongemacht haben.
Wie ich aber erst vor Minuten feststellen musste, handelt es sich allem Anschein nach dabei um eine neue und noch nicht benannte Infektionskrankeit, denn meine Mitbewohnerin, die an und für sich recht sportlich ist, wurde ebenfalls von ihr befallen. Ohne den Grund zu kennen, war es auch ihr heute beinahe nur möglich, über den Fußboden zu robben. Immerhin bin ich mit meinen Beobachtungen so weit fortgeschritten, dass ich voraussagen kann, danach würde sich eine entsetzliche Trägheit einstellen (und DIE konnte man heute an mir nun wirklich ohne größere Mühe bemerken). Ich werde weiter darüber Nachforschungen aufstellen und ständig mein Notizbuch zücken, hauptsächlich aber, weil ich mir aus reinem Narzissmuss endlich mal einen Namen, der meinen eigenen beinhaltet, für etwas neu entdecktes ausdenken kann. Auch, wenn es sich dabei womöglich um eine neue Krankheit handelt.
Mit der neu gewonnen Trägheit saß ich dann auch in bester Gesellschaft in der Uni und ließ mich nur noch von vorbeiflanierendem Personal grüßen. Der besten Gesellschaft fiel daraufhin auf, dass ich keine fünfzehn Minuten lang ohne einen Gruß zu irgendjemandem auskommen könnte. Das war stark untertrieben. Ich ließ mich nämlich mindestens alle fünf Minuten von mitleidenden Personen grüßen, die mir wahrscheinlich den Menschen bereits im Gesicht ansahen. Ich neige zur Überdramatisierung.

Was anderes.
Es häufen sich die Angewohnheiten von Bekannten und Freunden, mir, wenn sie sich mir unbemerkt von hinten nähern, am Hinterkopf herumzuschnubbeln um mich zu überraschen. Das ist neu und ungewohnt. Aber nicht unangenehm…

Autsch!

Heute bemerke ich mein Alter. Ich wäre heute eigentlich an der Reihe, die WG zu putzen, musste aber eben gerade meine Mitbewohnerin an-smsen, ob sie denn nun wirklich vorhabe, ihre kritische Großmutter mitzubringen. Glücklicherweise hat diese sich erst kurzfristig entschieden, ihren Besuch hier morgen anzutreten. Zum Wienern der Hütte wäre ich jetzt nämlich nicht imstande gewesen. So bin ich zwar schon sehr lange wach, konnte mich aber erst vor ein paar Stunden rühren, denn ich verspüre in jedem Winkel meines Körpers einen höllischen Muskelkater. Dabei stellt sich mir die Frage: Wovon nur, wenn ich mir doch keiner gestrigen Anstrengung bewusst bin?
Also rekapitulieren wir einmal. Den ganzen Samstag über habe ich mich damit herumgequält, etwas für die Uni tun zu müssen und es dann konsequent bleiben zu lassen. Gegen Abend traf ich mich mit dem Herrn Bruder zum Bier und zur Präsentation seiner neuen musikalischen Ergüsse, woraufhin wir in den siebtbesten Club Deutschlands gingen. Dort angelangt, schwang ich aber nicht das Tanzbein, sondern stand hörend am Rand des Geschehens und sinnierte zum Beispiel über den genialen Schachzug Berry Gordys, seinerzeit dessen Sekretärin Diana Ross vor’s Mikrofon zu stellen, um mit den Supremes Amerikas Musikgeschichte zu revolutionieren. Fantastisch, was man mit 400 $ Startkapital so alles erreichen kann, um die Welt dann mit Hits wie „Nowhere to run“ oder „You can’t hurry love“ zu bereichern. So in etwa schweifte mein Kopf in Auszügen ab, aber diese Gedanken haben mich physisch nicht sonderlich beansprucht und einen Kater habe ich im Kopf auch nur vom gleichzeitig genossenen Bier.
Dass die kleine * meinen Hals zwischenzeitig aufgrund ihrer Körpergröße und der Lautstärke mit Neuigkeiten benetzte, führte auch nur bis dahin und nicht weiter. Es sei denn, mit mir ist in der Nacht irgendetwas geschehen, von dem ich nichts weiß und nichts bemerkte, und dieses Etwas wäre auch noch so frei gewesen, mich dann in mein Bett zu tragen. Aber mein Bewusstsein blieb mir die ganze Zeit über treu.
Ja, ich merke schon, die Ursache der Schmerzen wird für mich nicht mehr ausfindig gemacht werden können. Oder vielleicht rücke ich doch unaufhaltsam in die Werbezielgruppe des ZDFs. Wer weiß?

Kurioses Kundenködern

Gerade führte mich ein Spaziergang an der Luft am zentralsten Platz der Stadt vorbei. Dort ist hoch oben an einem der Gebäude seit Längerem eine – ja, wie nennt man das? – riesige, interaktive Werbetafel angebracht, eben so eine Art überdimensionaler Flachbildschirm. Für’s Wohnzimmer viel zu groß, als Werbetafel ideal.
Dort flimmern den ganzen Tag entsetzlich unnütze Informationen über das Wetter, das man ja eh’ mitbekommt, ziemlich dumme Witze, aber auch Werbung. Just, als ich daherflanierte, hob ich doch tatsächlich einmal meinen Kopf und bemerkte den Kundenköder einer örtlichen Allianz-Filiale. Abgebildet war ein sitzender Geschäftsmann, evtl. auch Politiker, im edlen Zwirn. Er sah ein wenig aus wie Joschka Fischer, aber eine genaue Identifikation war mir nicht möglich, da der Mann sein Gesicht in seinen Händen vergrub, wahrscheinlich aus Verzweiflung.
Sodann erschien gemächlich der Slogan der Versicherung. Er lautete:

„Erfolg wächst aus Erfahrung durch Niederlagen!“

Worauf Mitarbeiter der hiesigen Vertretung und deren Telefonnummern eingeblendet wurden. Welch eine geniale Geschäftstaktik konnte sich nur wieder dahinter verbergen? Eh’ ich in Zukunft länger über derlei nachdenke und der Sinn sich mir nicht erschließen will, achte ich fortan doch lieber auf den Verkehr. Zu meiner Sicherheit.

Das Präfix ver-…

…mal wieder!
Wie oft durften wir bereits feststellen, dass diese kleine Vorsilbe den positiv besetzten – eigentlich fast allen – Adjektiven einen flauen Beigeschmack verpasst? Oder eine negative Konnotation sogar noch verstärkt? Ich habe längst aufgehört zu zählen.
So sind nicht nur Eigenschaften wie ver-wirrt und ver-rückt keine Gemütszustände, mit denen man gerne durch die Feuchtbiotope wandert. Auch ver-heiratet werden Mann und Frau plötzlich uninteressanter, wenn sie sich öffentlich als ‚vom Markt’ outen. Aber selbst durchaus wünschenswerte Verben wachsen zum blanken Horror an, wenn sie zur Eigenschaft gedeihen und die Sinne vernebeln. Ver-liebt sein dürfte auch ich momentan nicht laut Zeitplan [die üblichen ca. drei Mal pro Tag für im Schnitt jeweils fünf Minuten zählen nicht *g*]. Es wäre für meinen Terminkalender eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmasses.
Mit ver- ist man eben immer etwas über den Rand der Normalität hinausgeschossen, eben ver-irgendetwast. Jemanden, der ver-xt ist, betraut man nicht mit der Aufsicht über seine kleinen Kinder. Und schon gar nicht mit der Ver-waltung seines Aktiendepots.
Aber soweit möchte ich heute gar nicht gehen. Bei mir wächst nämlich Zweifel über die anscheinend generell semantisch schlechter stellende Eigenschaft der Vorsilbe, taucht sie doch in einem Begriff auf, der doch so absolut rein gar nichts mit Abnormität zu schaffen haben will. Ich rede von der Vernunft. Leider gibt mein etymologisches Wörterbuch hierzu nicht allzu viel her, mich hätte aber einmal ganz besonders interessiert, ob Herr Kant, als er diesen Begriff ins deutsche, idealistische Inventar prügelte, bereits auf gegenteilige Vorformen getroffen ist.
Wenn er einen Idealfall herbeibeschwor, der in jedem menschlichen Wesen einen vernünftigen Kern herbeisehnte, sollte das etwa bedeuten, dass er bis dahin auf vielerlei Volk getroffen war, dass dieses Attribut ‚vernünftig’ nicht besaß? Was waren sie dann gewesen? Etwa ‚nünftig’? Und wie sah das aus? War es eine nicht so stark emotional geladene, rationale Kühlheit? Der Vergleich “lieben – ver-liebt” drängt sich mir geradezu auf.
Nun gut, mittlerweile hat sich der Begriff von I. Kant und seinen kalten Kumpels soweit eingebürgert und wir müssen einen Schritt weitergehen, wenn wir von jemandem reden, der nicht in diesem Sinne handelt. Derjenige ist dann un-ver-nünftig.
Aber ich finde die mir gerade selbst zurechtgelegte Herkunft einfach viel zu schön. In Zukunft rede ich ab und zu mal davon, hier meine „Nunft“ auszuleben. Ihr wisst dann Bescheid ;-)

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