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Hex hex!

Es ist ja ungeheuer schwer, mich aus der Fassung zu bringen. Den Großteil der Zeit bin ich die Ruhe selbst und stelle ein Musterbeispiel für die metaphorische Verwendung des ‚Felsens in der Brandung’ dar (was meine Statur betrifft, müsste ich vielmehr ‚Pappel’ o.ä. genannt werden). Im Laufe meiner noch nicht allzu vielen angehäuften Jahre – vermessen wäre es, von Weisheit zu reden – bin ich zu der Ansicht gelangt, es sei das Beste, es den Mitmenschen so recht zu machen wie möglich und ihnen selbst das Leben nicht noch mehr zu erschweren als es eh’ schon ist.

Dennoch existieren auf unserer Kruste Individuen, die selbst mit doppelt so hohem Alter wie meine Wenigkeit nicht darauf verzichten möchten, ihre Umwelt die ihnen mögliche Knute spüren zu lassen. Ein Völkchen, bei denen Sadismus und Geltungssucht mit erstaunlich großer Wahrscheinlichkeit Hand in Hand anzutreffen sind, ist das der Verwalter. Dabei spielt es oftmals keine Rolle, was sie denn verwalten. Gleichgültig ist es, ob es sich um Geld, Privilegien oder materielle Dinge handelt, die Hauptsache ist, und daraus schöpfen sie ihre Macht, dass sie diese Dinge gegenüber anderen verwalten.

Das Musterbeispiel hatte ich gestern erneut besucht: Die Wetterhexe unserer Mediothek. Garstig hockt sie dort nämlich mit ihren Krallen oben auf den Geräten und ich fürchte mich jedes Mal erneut davor, einen tragbaren Overhead-Projektor für das Tutorium zu erbitten. Tags zuvor bereits hatte ich glücklicherweise ihre jüngere Assistentin erwischt, um die offizielle Anmeldung dafür zu erledigen und hatte – froh darüber, jemand anderes angetroffen zu haben – das begehrte Objekt gleich für das gesamte Semester und zwar für meine beiden Termine geordert. Bei der jüngeren Dame ging das auch schnell und unproblematisch.
Aber nun wollte das Gerät kurz vor dem betreffenden Termin abgeholt werden und ich schwitzte vor Angst. Ich betrat die Räumlichkeiten und die hutzelige Tante kam sofort (sie reagiert schnell auf das leiseste Geräusch) hinter ihrer Glaswand hervor, wo sie wahrscheinlich gerade einen schlimmen Zaubertrank zusammenbrodelte.
„Himmelherrgott“, rief sie und ich dachte bei mir, so etwas dürfte sie doch gar nicht in den Mund nehmen. Mit ihrem leicht britischen Akzent – vermutlich der keltischen Ahnen wegen – zeterte und mordiote sie gleich weiter: „Sie sind aber ein sehr starker Raucher, nicht wahr? Ich rieche das sooofort.“
Ein Nein hätte hier nichts gebracht. Es stimmte zwar, ich hatte mir soeben mit dem B. eine Zigarette zusammengeschnorrt und geraucht, aber als starken Raucher würde ich mich nicht mehr bezeichnen. Die Hutzeltante huschte hinter ihrem Tresen hervor und rannte in Richtung Fenster, natürlich nicht ohne weiterzuwettern: „Ich muss gleich mal ein Fenster hier aufmachen. Das ist ja schreecklich.“
Ihr Gemeckere ging selbstverständlich noch weiter, als sie bereits wieder im Umkehren begriffen war, um sich wieder hinter ihrer Bastion zu schützen. Meine Entgegnungen brachten nichts, ich musste mir anhören, wieviele ihrer Verwandten bereits an Lungenkrebs gestorben waren und dass sie selbst bereits sechzig geworden wäre und vorhatte, noch wesentlich älter zu werden. Diese letzte Information war meines Erachtens nach völlig redundant, denn trotz eines vermeintlich gesunden Lebensstils sah ich deutlich die Dekaden in ihrem Gesicht. Sie angelte vermutlich nach einem Kompliment, da dies aber meinerseits ausblieb, erwartete mich die übliche Bürokratentortur, die ich nach etlichem Durchexerzieren bereits kannte.
Höchstwahrscheinlich hatte ich durch das Auslassen einer Höflichkeit auch meine Chancen auf eine gute Behandlung verspielt, denn eigentlich müsste sie mein Gesicht gekannt haben. Wie oft habe ich schon gehört, dass der Projektor 700 Euro kostet? Einige zig Mal. Dass ich das Kabel „jaaa nicht vergessen soll“? Mindestens ebenso oft.
„Wie? Sie wollen das Gerät heute sogar zwei Mal?“ Ja, ich erdreiste mich.
„Dann brauche ich unbedingt ihren Studentenausweis als Pfand.“ An dem Wunsch nach einem adäquaten Pfandstück ist an sich nichts auszusetzen. Schließlich könnte jeder hergelaufene Student dort hereinspazieren und die teuersten Anlagen verlangen. Ich reichte ihr also meinen Ausweis, der, zugegeben, bereits etwas in Mitleidenschaft gezogen aussah.
Doch, als wenn sie so etwas zum ersten Mal sehen würde, verzog sie die Miene, fasste ihn mit zwei Fingerspitzen an und äußerte laut:
„Ihhh, bähh. Dieses gammelige Ding wollen sie also bei mir lassen?“
Ja, das will und werde ich und das musst du Furie jetzt annehmen! Verdammt nochmal!

Nicht zu fassen. Es ist völlig natürlich, das Studentenausweise, wenn sie viel benutzt und vorgezeigt werden – was besonders bei Studenten der Fall ist, die sich auch viele Bücher leihen – irgendwann einmal nicht mehr wie aus dem Ei gepellt aussehen. Selbst dann nicht, wenn man sie immer in einer Sichtschutzhülle des Portemonnaies hält (wo man sie ja auch immer wieder reintut und rausbefördert).

Und ich werde ihr das Ding wieder in die Hand drücken, nächste und übernächste Woche. Das ganze Semester lang. Und zwar zwei Mal!
Damit ich mich selbst der Welt auch mit über sechzig jung und frisch ausgeruht präsentieren kann…

Milchallergo mag kein Magnum

Eine in frühester Jugend bei mir festgestellte leichte Milchallergie führte dazu, dass ich mich diesem Getränk strikt verweigerte und sogar im Laufe der Zeit konkrete Aversionen dagegen entwickelte. So ist mir mittlerweile nicht mehr möglich, ohne Ekelgefühle an das Trinken von Milch zu denken und sogar so weit gediehen, dass ich inzwischen gar nicht mehr weiß, wie das Zeug überhaupt schmeckt. Entscheidend bei der bei mir aufkeimenden Übelkeit ist dabei der visuelle Eindruck: Kaum etwas anderes ist so sehr imstande, meine Magenschleimhäute in Wallung zu bringen wie der weiße Film, der sich bedächtig und nebulös an den Glaswänden abzeichnet, um sich dann an den Lippen der Lechzenden wiederzufinden.
So habe ich gestern erst die Meinung vertreten , dass mir die Vorstellung, eine Frau mit Milchbart zu küssen, Albträume bescheren könnte. Davon bin ich überzeugt. Doch kaum äußerte ich diese Ansicht, ärgerte mich die Mitbloggerin mit folgendem Foto:

Es entstammt wohl einem Magnum-Werbespot von Langnese mit Hinweis auf die fünf Sinne. Bääh. Durch Anblick von so etwas könnte ich die ganze Nacht meine Bettwäsche vollschwitzen. Ich verlange daher einen Boykott sämtlicher Langnese-Produkte als Strafe für ihre Geschmacklosigkeit.
Aber wer würde da schon groß mitmachen? Ekelgefühle bekomm’ ja nur ich und schließlich wirkt dieses Foto eindeutig mehrdeutig und fängt auf noch anderem Wege ein paar Bauern.

Ruhelos

In der WG unter mir fand gestern Abend eine Party statt. Der Mensch, der dort feierte, konnte sich anscheinend ebenfalls über eine sturmfreie Wohnung freuen (kann ich mich doch an ein paar nette Gesichter erinnern, die ich gestern dort nicht sah) und gesellte daraufhin allerlei Fred Durst-Cappy-tragendes Völkchen um sich. So saßen sie nun beieinander und grillten zunächst friedlich, bis die legalen und – vermutlich – illegalen Stoffe ihre Wirkung taten.
Das Völkchen war anscheinend noch sehr jung, im besten Studieneintrittsalter. Nur so lassen sich gewisse Verhaltensweisen ihrerseits erklären, wie zum Beispiel die Gäste einer anderen Party im Haus gegenüber als schwul und alles mögliche anzubrüllen, die Türen ihrer Autos auf dem Parkplatz aufzureißen und die Nacht mit höllisch lautem, aber dummen Skaterrock (neue Bezeichnung von mir) zu beschallen. Sogar mit einem solch hohen Geräuschpegel, dass ich, der ich mein Zimmer auf der anderen Hausseite besitze, meinen Film nicht ganz ungestört sehen konnte. Zum Glück sind die Angaben der Hersteller von Autobatterien über deren ‚Lebens’-Dauer aber meistens haushoch übertrieben.
Nur wer jung ist und über einen geringen Erfahrungshintergrund verfügt, weiß nicht, dass er an dieser Stelle Fehler begeht. Oder aber, das wäre zweite Möglichkeit, man wird aus Fehlern nicht klug und die Selektion tut ihr Übriges. Bezeichnenderweise versprühten die Jungs, die andere Leute der Homosexualität bezichtigten, ihr Adrenalin nämlich gänzlich unter sich…

Wenn Linguisten…

…metaphorisch reden, kann ich sie schlecht ernst nehmen. Tragisch nur, wenn deren Lehren vermittelt werden sollen. So referierte ich heute über Grice’ Konversationsmaximen und hasste sie gleich wieder, wollte ich sie doch in einem Atemzug anderen näherbringen. Ich hatte mich nämlich an den Originaltext gehalten und mir missfiel bereits der Anspruch, sie gölten für einen maximal effektiven Informationsaustausch.
Ein tief in mich gehendes Lächeln bewahrte ich mir allerdings für später auf, als es bei diesen Maximen daran ging, die Modalität von Aussagen klarzustellen.
Wenn ich Kommunikationspartner dazu veranlassen will, sich klar und deutlich auszudrücken, sollte ich meine Vorgaben vielleicht nicht wie folgt beginnen:

Vermeide Dunkelheit des Ausdrucks!

*kicher*

Nicht länger einsam dank Lucky Strike

Wie der Zufall so balgt, fühlte ich mich gestern an eine Marke erinnert, die uns hier in jüngster Zeit desöfteren über den Weg stolperte. Habe ich doch bei mir im Küchenregal einige Gimmicks von Lucky Strike wiedergefunden, die ich dort vor bestimmt mittlerweile zwei Jahren hinpfefferte und seitdem vergessen hatte.
Ein Promotion-Team musste sie mir in einem Lokal in die Hand gedrückt haben, als sie bereits keine Zigaretten mehr verteilen durften. Stattdessen dachte sich der Mutterkonzern damals wohl andere Wege aus, um dem Jungvolk einen positiven Eindruck von sich zu vermitteln.
Das, was ich dann zur weiteren Belustigung mit nachhause nahm, hatte die Gestalt einer Zigaretten-‚Big Box’, allerdings mit dem Unterschied, dass sich darin ein ‚Flirt-Set’ befand. Neben dem Üblichen, also Streichhölzer zum Feuer anbieten, einem Bleistift zum Nummern notieren (in Form einer Zigarette. Süß) hatten sich die Werbefuzzis aber noch so mancherlei andere Narretei einfallen lassen.
Ich glaube kaum, dass die künstliche Spinne die erhofften Reaktionen beim zarten Geschlecht fruchten lassen wird, zumal das Ding irrsinnig unecht aus der Wäsche guckt und es einem Drahtseilakt gleichkommt, die ‚Kontaktspinne’ unbemerkt auf ihrer Schulter ruhen zu lassen.

„Das ist der Moment, in dem sie Ihnen um den Hals fallen wird. – Wenn Sie eine Frau sind, erschrecken Sie sich bitte selbst.“

Auch gut: Das ca. zehn Zentimeter kurze Seil mit jeweils einer Schlaufe an den Enden.

„Schnell das kleine Abschleppseil herausholen und den Partner mit den Schlaufen quasi um den Finger wickeln.“ Schreck!

Nun gut, aber der Konzern weiß, dass nicht alle Menschen dieser Erde auf Liebe, die in emotionalen Extremsituationen entsteht, bauen und lassen ihnen immerhin die Möglichkeit, durch Gespräche erste Verbindungen zu knüpfen. Bei der Wahl des Objekts kann aber dennoch Unentschlossenen Abhilfe geboten werden, denn es gibt ja noch den ‚Decision-Maker’, einem Würfel, auf dessen sechs Seiten die typischen Attribute des jeweils begehrten Geschlechts auszumachen sind. Für das Weibliche wären dies:
1. Schrill, aber hübsch
2. Rassig, aber still
3. Blond, aber schlau
4. Laut, aber freundlich
5. Klein, aber feurig
6. Elegant, aber frech

Für die männliche Seite sähe das dann so aus:
1. Verwegen, aber harmlos
2. Dick, aber chic
3. Muskulös, aber schlau
4. Klein, aber reich
5. Schlacksig, aber süß
6. Charmant, aber geizig

Nachdem die Würfel nun gefallen sind und z.B. man(n) ein seiner Schicksalswahl entsprechenden Part gefunden hat, darüberhinaus bei geglückter Blickkontaktaufnahme nicht nur lediglich Sympathie, sondern auch ein Lächeln jenseits des Debilentums erhascht hat, bleibt einem noch die Entscheidung darüber, was man(n) denn nun endlich sagt. Zum Glück weiß bei völliger kommunikatorischer Inkompetenz der ‚Taschensouffleur’ Rat. Man(n) kann nun mit sicher vorgekaspertem Ego auf sie zugehen, ihr tief in die Augen sehen und säuseln:

„Können wir nicht zusammen irgendwohin fliegen? Die Schmetterlinge in meinem Bauch sind groß genug um uns zu tragen.“

Sie wird mit Sicherheit abheben wollen.
Andere erste An-Sätze für die männliche Seite werden zur Alternative empfohlen:
-„Ich würde gerne der Grund für deine schlaflose Nacht sein.“
-„Ist das ein Erdbeben? Ich bekomme gerade so wackelige Beine.“
-„Ja, ich habe eine Freundin. Sie weiß nur noch nichts davon.“

Das geht natürlich auch anders herum. Frau darf Mann z.B. mitteilen:
-„Sorry, ich möchte dich nicht dumm anmachen, aber ich hätte nichts dagegen, wenn du es tust.“
-„Denkst du, dass wir einen gemeinsamen Freund haben, der uns einander vorstellen könnte?“
-„Hey, ich habe meine Telefonnummer verloren. Leihst du mir deine?“

Aber es gibt selbstverständlich auch Dinge, bei denen es völlig gleichgültig ist, von welchem Geschlecht sie kommen:
-„Keine Ahnung, wie spät es ist. Solange du da bist, ist noch nichts zu spät.“
-„Mein Name? Oh, ich glaube, ich habe gerade alles vergessen!“
-„Wo meine Freunde sind? – Wohl schon weg. Das ist typisch, die verpassen immer das Beste.“

Gut, dass Lucky Strike auch auf diesem Schlachtfeld für den taktischen Nachschub der Truppen sorgt. Für den weiteren Verlauf des Abends müssten sie jetzt nur noch den kleinen Mann im Ohr vertreiben, der Tipps für jede mögliche kommende Situation gibt, auch, wenn sie noch so prekär und heikel ist. Das wäre mal interessant zu durchdenken, aber, da fällt mir gerade ein, es gibt wohl hierzu bereits jede Menge seltsamer Komödchen und Theaterstadl.

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