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Reibekuchen-Normandie

Gestern abend stand ich mal wieder erneut vor einem mir fast unlösbaren Problem. Es galt, plötzlich entstehenden Hunger entgegenzuwirken. Aber das ist noch nicht der eigentliche, schwerwiegende Knackpunkt. Da trägt man eben den Ständer mit der frisch gewaschenen Wäsche aus der Küche und brutzelt sich flugs ein paar Reibekuchen.
Doch in der Regel brät man sich ja nicht nur zwei, damit sie schön nebeneinander auf dem Teller liegen können und darüber hinaus noch Platz für Apfelmus ist. Der Magen würde nur sehr kurz zufrieden sein. Nein, man lässt zunächst drei davon in der Pfanne schwitzen, schichtet diese übereinander auf dem Teller, und da die Kochplatte gerade an ist, erledigt man noch eine Lage, bis schließlich derer sechs Schichten auf ihre Verzehrung harren.
So setzt man sich, freudig in Erwartung auf Aufnahme einer Menge Stärke mit Fruchtzuckerzusatz, an den Esstisch und sieht sich mit einer vorher nicht bedachten Frage konfrontiert: Welchen esse ich zuerst?
Die Abkühlung, die die Reibekuchen erfahren, lässt Grund zu der Annahme entstehen, dass der oberste am heißesten und der unterste am kühlsten ist. Um also über die gesamte Dauer der Nahrungsaufnahme in etwa ähnliche Temperaturen im Mund zu erfahren, müsste man logischerweise den untersten zuerst essen.
Jetzt versuchen sie aber mal, die Dinger Stück für Stück untereinander hervorzubekommen! Ein in diesem Moment hinzustoßender Beobachter hätte vermuten können, ich stellte auf meinem Teller die Landung der alliierten Truppen in der Normandie nach (vor einer Apfelmus-Küste).
Die wahre Herkunft des Wortes Reibekuchen liegt nämlich an den zwischen diesen herrschenden Kräften. Ich wäre an Erfahrungsberichten interessiert, wie man diese Reibungskräfte verringern könnte bzw. über andere, erfolgreichere Techniken.

“Als mir die Unterhose brannte”…

…ist bestimmt als Titel des Beitrags ein Hingucker und Entfacher größten Interesses. Daher dachte ich mir, ist er bestimmt prima geeignet, um viele Leute zum Anklicken zu bewegen. Die denken nun alle „Jetzt gibt’s was zum Lachen“. Aber ich muss mich gleich entschuldigen für die Anwendung einer derart taktisch durchtriebenen und ausgebufften, ja, sogar niederträchtigen Methode, will ich doch auf einen Umstand aufmerksam machen, der keines der dort angesprochenen Themenfelder berührt und bitterernster Natur ist.
Ich habe Fragen. Ich habe Probleme. Diese sind allesamt nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und nicht von der Kategorie „Welche Socken sollen’s heute morgen sein?“ Die kann ich mir auch selbst beantworten, schließlich bin ich erwachsen und ein 28-jähriger Single ohne fe-…, ich meine, ein 28-jähriger Mann. Nein, meine Anliegen sind noch essentieller als man aus diesem letzten Satz schließen könnte.
Drauf und dran war ich gerade, einen Beitrag für dieses Weblog zu schreiben, da verfloh mir plötzlich die eigentliche Idee dazu. Da saß ich nun wie angenagelt, wie bestellt und nicht abgeholt etc.pp. Wo war sie hin, die kleine Idee? Die war nämlich eigentlich recht süß. Aber jetzt ist sie fortgegangen, schluchz.
Ich beschloss, mich mit produktiver Arbeit abzulenken, man kennt das ja, abwaschen, putzen usw., aber so richtige andere Gedanken ergaben sich nicht daraus. Ich musste immerfort an sie denken in der Hoffnung, sie käme bald wieder. Ich wartete vergeblich. Wo sie wohl jetzt sein mag? He süße, kleine Idee! Wenn Du dies hier lesen solltest, Du must wissen, dass ich an Dich denke. Schreib’ mir mal, wie’s Dir geht, da, wo Du gerade bist (und rauch nicht soviel, hörst Du?).

Und an all die Anderen: Gebt mir Bescheid, wenn Ihr sie seht!

Kollektion 2005. Supervisors Albtraum.

Nachts, halb vier, in einem deutschen Schlafzimmer. Das Ehepaar Laubenpieper nächtigt seinen wohlverdienten Schlaf im Bettgestell MÖRKEDAL. Herr Laubenpieper, 39 Jahre alt, seines Zeichens Supervisor in einem mittelgroßen Call-Center, scheint heute Nacht mit etwas zu kämpfen. Leise röchelt er vor sich hin und klammert sich mit der rechten Hand an sein Kissen, während eine warme, helle Flüssigkeit über seine Lippen tritt und sich seinen Weg gemäß der Schwerkraft sucht. Seine asthmatischen Atemgeräusche weichen allmählich einem lauter werdenden Wimmern, unter dem Herrn Laubenpiepers Stirn sich schmerzvoll kräuselt und er in immer kürzeren Frequenzen ein- und ausatmet, bis es ihn letzten Endes nicht mehr wachhält.

Herr. L.: Aaaahhhhhhaaahahahhhh!

Frau L.s Oberkörper schreckt im Hintergrund auf. Sie, 37 Jahre, Verkäuferin in der Dessous-Abteilung bei Karstadt, trägt heute eine geschmackvolle, schwarze Augenbrille mit gerändeter Spitze. Dazu können wir sie in einem champagnerfarbenen, zweiteiligen Pyjama aus Polyester bewundern.

Frau L. (besorgt und aufgeregt): Is’ was, Schatz? Träumste wieder?

Frau L. schiebt ihre Maske auf die Stirn, lehnt sich kurz zum Nachttisch ihrer Bettseite, um den Schalter der Tischlampe MURKLA zu betätigen. Dann wendet sie sich wieder herum, legt ihrem Mann, der soeben seine Augen blinzelnd öffnet, eine Hand auf den Oberarm.

Herr L. (noch sehr verwirrt): Ooooaaaahhh…ich weiß’ nich’,…es war so komisch…nich’ wie sonst immer.

Er dreht sich zu ihr herum, schaut ihr in die Augen. Sie bemerkt die Flüssigkeit an seinem Mund und wischt sie mit einem ihrer Ärmel aufopferungsvoll ab.

Frau L.: Was meinste? Kannste nochmal einschlafen? Du musst doch morgen früh raus!
Herr L.: Weiß’ nich.’…
Frau L.: Oder soll ich uns unten mal `n Tee machen?
Herr L.: Is’ vielleicht keine schlechte Idee…
Frau L.: Okay, pass auf, dann komm du gleich mal nach unten nach in die Küche.

Frau L. legt ihren Teil der Decke zur Seite, hüpft aus dem Bett und wirft einen eleganten, dünnen Morgenmantel aus nachgeahmter Seide über, der zwar nicht wärmt, aber mit dem man sich bedenkenlos dem Postboten zeigen kann, sollte dieser unerwartet dreimal klingeln. Während Herr L. sich allmählich aufrappelt, sich also auf die Bettkante setzt, gähnt und dabei den Nacken reibt, huscht Frau L. die Wendeltreppe hinunter, die in den Vorflur zur Küche führt. Oben wirkt Herr L. noch etwas benommen, wie er in seinem babyblauen, ebenso zweiteiligen Baumwoll-Pyjama („maybe“ Tchibo) nach seinen Hausschuhen forscht.
Unterdessen sucht Frau L. in der Tee-Schublade der KALSEBO/FAKTUM-Einbauküche nach dem ihrer Meinung nach für diese Morgenstimmung (und selbstverständlich auch für das Befinden ihres Göttergatten) bestgeeigneten Aufguss. Zwischen den Ceylon-Assam- und Früchte-Mischungen von Aldi greift sie beinahe nach dem Bad Heilbronner Johanniskrauttee (gegen nervliche Belastungen [:)], 1,09 € für acht Beutel [:(] ), doch sie entsinnt sich gerade noch daran, dass dieser doch recht ermüdend wirkt. So entscheidet sie sich doch für den altbewährten Kamillentee.
Gerade, als sie heißes Wasser in die Tassen – die eine mit einem Diddl-Motiv bedruckt, das Resignation über irgendeinen beliebigen Lebensumstand kundtut, die andere mit „DSC Arminia, Rekordaufsteiger“ – gießt, betritt Herr L. schlurfend die Küche.

Frau L.: Setz’ dich erstmal hin, Klaus [das ist übrigens Herrn L.s Vorname].
Herr L.: Ja, Susanne [und das derjenige von Frau L.].

Herr L. setzt sich an der der Küchenzeile gegenüberliegenden Wand auf einen Barhocker INGOLF, direkt an den bereits heruntergeklappten Wandklapptisch NORBO. Frau L. schwebt zu ihm herüber und stellt die dampfende Fußballtasse vor ihm ab, setzt sich selbst auf einen seriengleichen Hocker gegenüber. Herr L. rührt betrübt blickend in seinem Heißgetränk herum, Frau L. beobachtet ihn, den Kopf auf die linke Hand abgestützt.

Frau L.: So, jetzt erzähl mal.
Herr L. (zögernd): Ach, ich hab’ halt einfach schlecht geträumt. Kommt doch vor.
Frau L.: Ja, aber du hast doch eben gerade noch gesagt, es wär nicht wie sonst gewesen.
Herr L.: Nee, war’s auch nich’.
Frau L. (fordernd): Na, los jetzt!
Herr L. (blickt verschämt in seine Tasse): Hmm, ja, also, am Anfang ist es noch wie immer. Du weißt schon (er grinst zu ihr herüber und wird rot im Gesicht), wir beide tun es im Wohnzimmer (rührt mit dem Löffel)…

Währenddessen schaut Frau L. ihn interessiert an, nimmt ihre Tasse in beide Hände und nippt gelegentlich daran.

Herr L.: …da auf dem Ledersofa [!]. Und dann (ab hier hebt sich der Tonfall) bemerk’ ich diesen zwielichtigen Typen hinter der Fensterscheibe, wie er uns filmt. Ich (stockt) ich will raus und hinter ihm her (hastig), kann gerade noch die Hose hochziehen und wär’ beinahe gegen die Anlage gestolpert, du weißt, die von SONY, die wir…
Frau L.: Ja, die wir letztes Jahr bei Saturn…
Herr L.(begeistert über das Auffassungsvermögen seiner Frau): Ja, genau die! Bis hierhin ist auch noch alles so wie immer.
Frau L.: Aha? Na, jetzt bin ich aber mal gespannt.
Herr L.: Naja, sonst bin ich ihm ja immer hinterhergehechtet, über die Mauer in den Nachbargarten und immer weiter, ohne dass ich’s auch nur ansatzweise geschafft hätte, ihn zu erreichen…Aber dieses Mal kam ich gar nicht erst über unsere Mauer. Denn als ich anfing, da hochzuklettern, schien ich das obere Ende nicht erreichen zu können. Ich kletterte höher und immer höher und gelangte nicht an. Sie wirkte plötzlich kilometerhoch. Ich hatte mir schon ganz abgeschminkt, den Typen zu jagen, denn ich hatte jetzt ganz andere Probleme. Ich wusste nicht, ob es sinniger wäre, wieder herabzusteigen oder ob ich es doch noch nach oben versuchen sollte, denn als ich mal kurz nach unten guckte, war ich mir gar nicht mehr so sicher, was denn nun der kürzere Weg wär’.
Frau L.: Aber du bleibst doch nicht da oben, oder?
Herr L.: Nee, irgendwann hatte ich keine Kraft mehr und ich bin gefallen…

Schweigend schauen sich beide an. Frau L. nippt wieder an ihrer Tasse und wirkt nachdenklich.

Frau L. (sehr beruhigend): Schatz…du musst dir keine Sorgen machen. Uns geht es gut.
Herr L. (unzufrieden): Ja, ich weiß….ich muss nur manchmal zurückdenken, weißt du?
Frau L.: Ich steh’ zu dir und….(sie ergreift seine Hand) wir haben uns. Das ist doch die Hauptsache.
Herr L.: Ja, du hast wie immer recht.
Frau L.: Vielleicht solltest du erstmal `ne Dusche nehmen, du bist ja noch ganz verklebt (deutet auf seine Achselhöhlen, wo sich ein dezenter Schimmer zeigt). Dann kommst du auch auf andere Gedanken.
Herr L.: Das ist ne gute Idee…

Herr L. schickt sich an aufzustehen. Er stützt sich mit dem linken Unterarm ab, während er mit der rechten den Hocker zur Seite schiebt. Im Vorrüberschlurfen an seiner Frau, die noch sitzen bleibt, legt er ihr eine Hand auf die Schulter.

Frau L.: Ich mach dir schonmal dein Pausenbrot fertich.
Herr L.: Danke, das ist lieb.

Herr L. verschwindet durch die Tür, durch die beide zu Beginn hereingekommen sind. Aus dem OFF hört man eine Tür schlagen, wenig später Geräusche prasselnden Wassers.
Frau L. erhebt sich und geht zur Küchenzeile, wo sie aus einer Schublade Brot und aus dem Kühlschrank Aufschnittwurst hervorholt. Um das Wohlergehen ihres Mannes bemüht, belegt sie ihrem Mann die Brote mit Scheiben der Sorte „Leichte Linie“. Sie wirkt nachdenklich beim Kochen einer Thermoskanne Tee und denkt an die Worte ihrer Mutter, damals, als Klaus gute Aussichten hatte, beim BKA oder beim Verfassungsschutz unterzukommen und dass Klaus ja eine gute Partie sei. Aber dann musste ja diese verfluchte psychologische Untersuchung dazwischenkommen. Nur zu gut weiß Frau L. aus einem Artikel über Träume in der Petra, dass es sich bei diesen Fallträumen um verschlüsselte Versagensängste handelt. Seitdem denkt Frau L.s Mutter ganz anders über Klaus. Aber Frau L. steht trotzdem zu ihm. So müssen sie eben beide wirtschaften und es geht ihnen ja auch ganz gut. Nächsten Monat wollen sie den neuen 3er BMW abholen.
Herr L. kehrt bereits angekleidet zurück. Da er bei seiner Arbeit keine Verhandlungen führen muss, genügt ihm ein bequemeres Outfit, ein grauer Fleece-Pulli und eine etwas zu weite blaue Jeanshose. Er wirkt sehr erfrischt.

Herr L.: Du, ich könnte die Zeit noch etwas nutzen, um im Call-Center ein paar Sachen vorzubereiten. Vielleicht bin ich dann heute früher zuhause.
Frau L.: Das ist eine ganz hervorragende Idee, Schatz.

Sie drückt ihm seine Arbeitstasche mit dem Frühstück darin in die Hand und gibt ihm einen Abschiedskuss. Herr L. wendet sich in Richtung Tür.

Frau L. (ihm hinterherrufend): Und pass’ mir gut auf deine vielen Telefon-Mädels auf, hörst du?
Herr L. (dreht sich noch einmal um, grinst): Keine Bange, Schatz. Die hab’ ich fest im Griff!

Langsam geht’s wieder…

Ich hatt’ ja nicht geahnt, wie anstrengend und gefährlich ein Silvesterabend in meiner gegenwärtigen Wahlheimatstadt Bielefeld sein kann. Verbrachte ich doch Jahresausklangsfeste bereits in anderen, größeren Metropolen, muss ich gestehen, dass ich bisher nirgendwo so oft zusammengezuckt bin wie hier. Nach einem eher gemütlichen Beginn mit umfangreichen Raclette in kleiner Runde und mit Beinahe-Zerwürfnis bemerkten wir nach zwölf Uhr auf der Straße, dass Appelle wie „Brot statt Böller“ am überwiegenden Teil des Jungvolks dieser Stadt eher abgeglitten waren. Findige Versicherungsmakler kämen schnell auf die Idee, Fassadenversicherungen speziell für Silvester zu entwickeln, denn hier wurde anscheinend ein neuer Volkssport erfunden, der auf die größtmögliche Beschädigung von Hauswänden setzt.
Ein wenig erstaunt über diese Umstände zogen wir an den Ort, an dem in dieser Nacht das größte Aufeinandertreffen zum Begehen des neuen Datums stattfand, dem sogenannten Siegfriedplatz. Der Weg gestaltete sich zwar an jeder Kreuzung als Survivaltraining, dort aber dann verwunderlicherweise unverwundet angelangt, traute ich meinen Augen kaum. Erwartet hatte ich eine große Menschenmenge, viele sich lange nicht gesehene Leute, die sich über die Freude des Wiedersehens in den Armen liegen und zuprosten. Aber nein, auch hier blieben einsame Herzen ungeküsst. Die Masse stand im Kreis um den großen Platz und bedeckte diesen mit Chinakrachern und Raketen, beschoss sich sogar teilweise damit. Ich wurde beinahe taub, ich war betrübt, ich trank Bier.
Dennoch stießen wir auf einige vertraute Gesichter, offensichtlich ebenso überrascht wie wir. Wir trafen den Entschluss, eine von diesem Geschehen weiter entfernte Wohnung aufzusuchen und für weitere Gaumenfreuden mit einem Käsefondue zu sorgen. Zwischenzeitig, auf dem Weg dorthin, ergaben sich natürlich die üblichen Irritationen, die so passieren, wenn das ganze Volk auf der Straße spaziert [Wie lange muss man warten, bis ein Reperaturanruf als Entschuldigung für langes Nicht-Gesehen-und-Trotzdem-Weitergegangen angemessen erscheint?]. Das Fondue gestaltete sich zwar als weise Entscheidung, aber der spätere Weg nachhause war erneut ein anstrengender. Wie das nun einmal so ist, wollen einige der Mitstreiter noch auf irgendeine Party und kaum hat man selbst etwas getrunken, wird man willenlos und reiht sich mit ein. Nach weiteren drei Stationen (unsere Bemühungen blieben zur Gänze erfolglos, entweder war es zu voll, zu teuer oder es wurde niemand mehr hineingelassen) kehrten wir wieder heim. Morgen muss ich mir neue Schuhe kaufen, denn meine sind von den vielen Böllerresten auf den Straßen ganz angefressen worden.

P.S.: Wenn es das nicht bereits gibt, könnte man aus so einer Nacht auch ein Spiel für den PC oder für Konsolen wie Playstation oder Xbox kreieren: Zahlreiche Aufgaben müsste man erledigen, um weiterzukommen, Böllern ausweichen, an einigen Stationen Energie auftanken (Raclette-/Fondueessen usw.). Das Ziel oder Sinn des Ganzen müsste natürlich verschleiert oder gar nicht erst vorhanden sein. Vielleicht wäre einfach überleben `ne Möglichkeit. Großzügig, wie ich bin, verzichte ich auf jegliche Rechte auf die Idee. Damit möchte ich nämlich nicht in Verbindung gebracht werden.

Brainwashed

Manchmal denke ich, es wäre vielleicht am Besten, keine neuen Leute mehr kennenzulernen, da man ja immer mit dem Schlimmsten rechnen muss. Leider musste ich mich z.B. am Silvesterabend mit einer bisher Unbekannten unterhalten. Schnell stellte sich heraus, dass sie Jura studierte und ich bemühte mich nach Kräften, meine ans Tageslicht drängenden Vorurteile mental herunterzudrücken. Aber – Himmelherrgott – sie bestätigte sie nicht nur, sie übertraf sie mit selten erreichter Grandiosität.
Ich müsste mich mal erkundigen, was den Jurastudenten an ihren Fakultäten alles so indoktriniert wird, denn sie war allem Anschein nach davon überzeugt, dass der Juristenberuf daher so interessant sei, „da die ganze Welt und die ganze Gesellschaft aus Gesetzen und Regeln besteht“. Obacht dem Detail! Nicht „gründet“ sagte sie, nicht „fußt“. Diese Regeln bestehen bereits und werden lediglich schriftlich fixiert. Das meinte sie wirklich!
Mein Einwand, ob es denn nicht vielmehr so sei, dass sie gewisse Regeln des gemeinsamen Zusammenlebens sich erst entwickeln und einem ständigen Veränderungsprozess unterliegen (denn erst dann wäre ihr Beruf gerechtfertigt), erwiderte sie mit einer plötzlich anhebenden und empörten Stimme: „Das kannst du doch wohl nicht ernsthaft behaupten!!!“
Fantastisch, oder? Auch unter diesen Leuten gibt es Fundamentalisten. Als ich das erkannte, war das Gespräch jedenfalls für mich gestorben…

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